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HOCHDORF: Hier lagern 400 Tonnen Gestein

Kistenweise Gestein archiviert der Bund in einer Hochdorfer Halle – der Grossteil stammt vom Gotthardmassiv. Gibt es im Tunnel Probleme, ist das Archiv gefragt.
Roseline Troxler
Marcel Pfiffner, Geologe beim Bundesamt für Landestopografie, (Bild Eveline Beerkircher)

Marcel Pfiffner, Geologe beim Bundesamt für Landestopografie, (Bild Eveline Beerkircher)

Roseline Troxler

Die ehemalige Militärhalle liegt am Ortsrand von Hochdorf, gleich daneben beginnt der Wald. Wenig deutet darauf hin, dass hier ein geologischer Schatz gelagert wird: rund 400 Tonnen Gestein. Sie befinden sich in Hunderten schmalen und bis zu zwei Meter langen Kisten. Marcel Pfiffner ist Geologe und stellvertretender Leiter der Geologischen Informationsstelle beim Bundesamt für Landestopografie – kurz Swisstopo. Er schätzt den Wert des Gesteins auf 300 bis 400 Millionen Franken. «Natürlich ist dieser Wert ideell», erzählt er und fügt an: «Es handelt sich hier um die Kosten, die für die Wiederbeschaffung anfallen würden.» Aufbewahrt werden in der Halle ausschliesslich Gesteinsproben von geologisch nationaler Bedeutung.

250 Tonnen Gotthardmassiv

Seit 2008 archiviert der Bund in der Halle Bohrkerne und Handstücke in einer Art Gesteinsbibliothek. Besonders viel Platz nimmt dabei das Probenmaterial vom 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels ein. Dies, obwohl nur ein Bruchteil des Gesteins, das beim Tunnelbau angefallen ist, aufbewahrt wird. Die gut 250 Tonnen Gesteinsmaterial wurden laut Pfiffner in rund 25 bis 30 Lastwagenladungen nach Hochdorf transportiert. Reiht man alle vorhandenen Bohrkerne, welche die Form von langen, dünnen Säulen haben, aneinander, kommt man auf eine Strecke von mehr als 50 Kilometer.

Hochschulen forschen

Das archivierte Gestein wird vor allem zu Forschungszwecken genutzt. Swisstopo selber führt keine Forschungen durch. «Wir betreiben das Archiv und machen das Gestein bei Anfragen verfügbar.» Solche gebe es rund ein halbes Dutzend Mal jährlich. «Die meisten Anfragen stammen von Hochschulen», sagt Pfiffner, der nur an wenigen Tagen im Jahr in der Lagerhalle in Hochdorf anzutreffen ist. Es kommt aber auch vor, dass Künstler oder Schulen anklopfen. Wenn möglich werde immer nur ein Teil eines Bohrkerns verwendet.

Einige der Gesteinsbrocken aus dem Gotthard-Basistunnel wurden ans Verkehrshaus der Schweiz in Luzern ausgeliehen. Dort sind sie entlang eines 57 Meter langen Modells im Massstab 1:1000, welches das Gebirgsprofil des Gotthard-Basistunnels zeigt, zu bestaunen.

Bei Problemen im Tunnel relevant

Wichtig ist die Archivierung der Bohrkerne auch für die SBB. «Gibt es im Gotthard-Basistunnel ein Problem, können wir hier nachschauen, wie das Gesteinsmaterial im betroffenen Abschnitt aussieht.» Dies sei wesentlich einfacher und günstiger, als wenn die zwei Meter dicke Betonabdichtung geöffnet werden müsste. Auch für künftige Tunnelbauten können die archivierten Bohrkerne von Nutzen sein. «Leider wurde das Gestein vom Gotthard-Strassentunnel nicht aufbewahrt», sagt Marcel Pfiffner. Dies hätte laut dem Geologen bei der Planung der zweiten Röhre Zeit und Geld einsparen können. Bei anderen Tunnelprojekten hingegen blieb das Material wie beim Gotthard-Basistunnel erhalten – etwa beim Lötschberg-Basistunnel oder beim Gotthard-Scheiteltunnel. Bei Letzterem handelt es sich um den ersten Eisenbahntunnel durch den Gotthard. «Das Gestein stammt von den Bauarbeiten um 1880 und ist das älteste in unserem Archiv», erzählt Pfiffner.

Proben für Tiefenlager archiviert

Nebst Material von Bauwerken gibt es in der Gesteinsbibliothek auch Proben der Nagra. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle will ein geologisches Tiefenlager realisieren. Für die Standortwahl werden zahlreiche Bohrungen ausgeführt. «Hier rechnen wir künftig mit zusätzlichem Material», sagt Pfiffner. Und schon bald findet ein grosser Transport mit Probenmaterial des Ceneri-Basistunnels im Tessin statt. «Bis 2020 muss mit bis zu 50 weiteren Bohrungen gerechnet werden, welche wir archivieren wollen», so der Geologe. Laut Pfiffner kann es aber vorkommen, dass angebotene Proben nicht archiviert werden. «Gestein, das für einen 08/15-Bau anfällt, bewahren wir in der Regel nicht auf», führt er aus.

Der verfügbare Platz in der Halle wird allmählich eng, wie die «Tagesschau» berichtet hat. «Die Lagerhalle bietet wohl noch Kapazität für die nächsten zwei Jahre», sagt der Geologe. Danach brauche es einen Ausbau oder aber einen zweiten Standort. Gespräche sind laut Marcel Pfiffner am Laufen. Nebst mehr Platz beabsichtigt Swisstopo auch eine Modernisierung des Bohrkernlagers. So sollen die Kisten, in welchen das Gestein archiviert wird, mit Scancodes versehen werden. Auch die Option eines Hochregallagers werde geprüft.

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