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HOCHDORF: «Ich muss schön ins Schwitzen kommen»

Angela Jans aus Hochdorf ist eine von acht Luzerner Berufsleuten, die im August an die Berufsweltmeisterschaften in Brasilien reisen. So viele wie noch nie.
Roseline Troxler
Angela Jans trainiert im Berufsbildungszentrum beim Bahnhof Luzern für die Berufs-Weltmeisterschaft. (Bild Boris Bürgisser)

Angela Jans trainiert im Berufsbildungszentrum beim Bahnhof Luzern für die Berufs-Weltmeisterschaft. (Bild Boris Bürgisser)

Roseline Troxler

Vierzig Schweizer Berufsleute messen sich an den World Skills, der Berufs-Weltmeisterschaft, die dieses Jahr in Brasilien stattfindet. Mitte August steigt die Schweizer Delegation ins Flugzeug nach São Paulo. Mit dabei sind auch acht Luzerner Nachwuchstalente. Zudem vier junge Berufsleute aus dem Kanton Obwalden. Die Zentralschweiz ist damit sehr stark vertreten (siehe Box). Heute findet bei der Ruag in Emmen der Materialverlad für die WM statt. Arbeitsgeräte und Material im Wert von mehr als einer Million Franken werden für den Transport bereit gemacht.

Kein Autofreak, aber Porschefan

Die 21-jährige Carrossierin Lackiererei Angela Jans trainiert zurzeit intensiv auf den Wettkampf. «Ich freue mich extrem auf Brasilien. Da der Wettkampf noch nicht unmittelbar vor der Tür steht, hält sich die Nervosität zum Glück noch in Grenzen.» Zu ihrem Beruf gehört es, Carrosserien von Fahrzeugen zu behandeln, die Oberflächen zu erneuern und zu verschönern. Die junge Frau ist begeistert, wenn ein Auto nach getaner Arbeit «wie neu aussieht und glänzt». Angela Jans sieht sich selber nicht als Autofreak, sagt aber: «Ich finde es schon toll, wenn ich ein schönes und teures Auto flicken und sogar damit fahren darf.» Besonders Porsches haben es ihr angetan. Für den Beruf Carrossierin Lackiererei hat sie sich erst spät entschieden. «Ich wusste lange nicht, was mir gefällt und habe zunächst das zehnte Schuljahr absolviert.» Sie schnupperte in verschiedensten Berufen. «Mein Lehrer sagte schliesslich zu mir: ‹Carrossierin wäre doch etwas für dich.›» Damit lag er goldrichtig. Nach Abschluss der Lehre hat Jans die Schweizer Meisterschaften gewonnen und sich damit für die Berufs-WM in Brasilien qualifiziert.

Schwierigkeit: Knappe Zeit

Seit Anfang Jahr trainiert sie jeden Montag für den Wettkampf. Ihr ehemaliger Lehrbetrieb und Arbeitgeber, die J. Kaufmann AG in Ebikon, stellt ihr den Tag für die Vorbereitungen zur Verfügung. Auch an den Wochenenden oder am Abend hat sie den Kalender oft voll mit Terminen für die WM. Unterstützt wird sie von einem Experten, dem Berufsverband und einem Technologen des Lackherstellers, den sie benützt. «Der Zeitfaktor ist für mich das Schwierigste am Wettkampf. Ich trainiere nun vor allem, um mehr Tempo in die Aufgaben zu bringen. Ich muss schon schön ins Schwitzen kommen.»

In Brasilien wird Jans während zwanzig Stunden, verteilt auf vier Tage, verschiedene Aufgaben lösen. Diese sind zwar bekannt, können aber noch zu dreissig Prozent abgeändert werden. «Wir werden sicher eine Tür anschleifen und lackieren», erklärt sie. Deshalb übt sie an verschiedenen Testobjekten. Das Problem: Das Auto, das sie an den Weltmeisterschaften erhält, kennt sie nicht. «Dieses Modell von Fiat wird nicht nach Europa geliefert.»

Die Carrossierin will mit einem guten Gefühl nach Brasilien gehen. «Ich möchte für mich nach dem Wettkampf sagen können, dass ich alles gegeben habe.» Liege eine Medaille drin, wäre dies die schönste Belohnung. Um es bis an die WM zu schaffen, braucht es laut der Berufsfrau vor allem Ehrgeiz, diszipliniertes Arbeiten und die Freude am Beruf.

Angela Jans hat auch schon Bilder ihrer Konkurrenten gesehen. «Es sind auch andere Frauen dabei», sagt sie mit einem Lächeln. Auch in der Schweiz entscheiden sich immer mehr Frauen für diese Ausbildung. «Ich habe vielleicht den Beruf emanzipiert, da ich als erste Frau die Schweizer Meisterschaften gewonnen habe», sagt sie nicht ohne Stolz. Der Beruf sei für eine Frau genauso gut machbar. Gerade Frauen hätten das dafür nötige Feingefühl.

Nach Rio folgt die Berufsmatura

Angela Jans reist im August erstmals nach Brasilien. Sie freut sich auf neue Kulturen und darauf, Teil eines riesigen Events zu sein. Weiter hofft sie, dass die Temperaturen nicht zu warm werden. «Der Lack reagiert ganz anders, wenn es heiss ist», erklärt sie. Nach dem Wettkampf reist die Schweizer Delegation nach Rio, um zwei Tage auszuspannen. Gleich nach der Rückkehr drückt Angela Jans die Schulbank. Sie will die Berufsmatura machen. Damit kommt sie ihrem Ziel Berufsschullehrerin einen Schritt näher.

12 Teilnehmer aus der Zentralschweiz

Berufs-WM rt. Von den vierzig Berufsleuten, die an den Berufsweltmeisterschaften antreten, kommen acht aus dem Kanton Luzern. Es sind dies: Jonas Bucher, Beromünster, Polymechaniker; Lukas Bucheli, Kriens, Netzwerkverkabelung; Michael Ottiger, Rothenburg, Kontrukteur EFZ; Manuel Lipp, Ruswil, Carrossier Spenglerei; Yassin Fischer, Malters, Gipser-Trockenbauer; Anne-Juliette Muggli, Meggen, Schönheitspflege; Angela Jans, Hochdorf, Carrossierin Lackiererei; Alexandra Najer, Dagmersellen, Fachfrau Gesundheit. Auch vier Obwaldner Berufsleute reisen an die Berufs-WM: Robin Rohrer, Giswil, CNC Drehen; Samuel Bucher, St. Niklausen, Drucktechnologe; Reto Ettlin, Kerns, Bauschreiner; Laura Müller, Sarnen, Bekleidungsgestalterin.

Gründe für starke Vertretung

Ueli Müller Generalsekretär der Stiftung Swiss Skills, erklärt die starke Vertretung aus dem Kanton Luzern unter anderem damit, dass es hier besonders viele gute und engagierte Lehrbetriebe und Arbeitgeber gebe, die ihren Berufsnachwuchs fördern und zur Teilnahme an Schweizer Meisterschaften motivieren. «Dann ist sicher auch noch eine Portion Glück und Zufall mit im Spiel.»

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