HOCHDORF: Knatsch um Kampfsportschulen

Der Judo- und Ju-Jitsu Club Hochdorf baut eine Trainingshalle. Die Gemeinde gibt dem Verein dafür ein Stück Land ab. Das ruft einen Kritiker auf den Plan.

Susanne Balli
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Die Pläne für eine neue Judohalle stossen bei der Konkurrenz sauer auf. (Symbolbild Werner Schelbert)

Die Pläne für eine neue Judohalle stossen bei der Konkurrenz sauer auf. (Symbolbild Werner Schelbert)

Der Judo- und Ju-Jitsu Club (JJC) Hochdorf hat Grund zur Freude. Anfang September haben die Bauarbeiten für eine eigene Judohalle an der Ligschwil­strasse in Hochdorf begonnen. Im kommenden Januar soll die Halle eröffnet werden. Der Bau kostet mehrere hunderttausend Franken. Finanziert wird er durch Vereinskapital, eine Bank-Hypothek, private Gönner und Stiftungen. Auch die Sportförderung des Kantons Luzern unterstützt den Verein mit einem Betrag aus Swisslos-Geldern. Zudem stellt die Gemeinde dem Sportverein das für den Bau nötige Land im Baurecht zur Verfügung.

Letztere zwei Punkte stossen auf Kritik. Markus Lanz, Tauchlehrer und Ju-Jitsu-Lehrer – allerdings bei einer privaten Kampfsportschule – hat an die Gemeinde und den Kanton einen offenen Brief geschrieben. «Mit der Unterstützung durch die Gemeinde wird dieser Verein in einer Weise bevorzugt, die zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung führt», schreibt er.

«Ungleichbehandlung»

Lanz hat 1991 die private Budo-Team-Sportschule gegründet, die einen Sitz an der Hohenrainstrasse 36 hat. Wie er auf Anfrage sagt, sei er beim Budo-Team nur noch als Aushilfe tätig und wohne auch nicht in Hohenrain, sondern in einer anderen Gemeinde im Kanton Luzern. Nichtsdestotrotz stört er sich massiv an der «Ungleichbehandlung, die hier stattfindet». Der JJC sei seit Jahren ein Verein, der ohne Präsident agiere. Das aktuelle Projekt sei das dritte Trainingslokal, das seit der Gründung des Vereins in Hochdorf realisiert worden sei. «Jedes Mal wurden dabei Sport-Toto-Gelder gesprochen. Die in den zwei vorherigen Lokalen verbauten Gelder sind verloren, und es ist durchaus denkbar, dass auch dieses Projekt wie alle vorherigen scheitern wird. Es wurden und werden hier unglaubliche Summen an Subventionsgeldern riskiert», schreibt Lanz in seinem Brief.

«Nicht in Ordnung»

Auf Anfrage sagt Lanz, das Budo-Team habe von der Gemeinde Hochdorf und dem Kanton nie einen Franken erhalten. «Wir haben aber auch nie Geld gefordert, weil wir es nicht brauchten», betont er. Dennoch: «Es ist einfach nicht in Ordnung, wenn die Konkurrenz so massiv unterstützt wird. Das Budo-Team leistet mindestens so wertvolle Arbeit und Jugendförderung wie der Verein. Doch unser Gewerbe wird in keiner Weise gewürdigt.» Lanz findet zudem, dass es in Hochdorf keinen Bedarf für ein weiteres Judo- und Ju-Jitsu-Trainingslokal gebe.

Verein musste zweimal zügeln

Peter Meier ist Co-Präsident des Ju-Jitsu Clubs Hochdorf. Er hatte bisher keine Kenntnis vom offenen Brief. «Der JJC wurde 2004 gegründet und hat sich seither erfreulich entwickelt.» Derzeit zählt er rund 80 Mitglieder. Meier bestätigt, dass der Verein innerhalb von wenigen Jahren gezwungen war, zweimal das Dojo (Übungshalle) zu zügeln. «Die Räumlichkeiten wurden jeweils als Büros umgenutzt.»

Im Jahr 2006 konnte der Verein laut Meier die Räume der ehemaligen Druckerei der SWS Medien AG an der Bankstrasse in Hochdorf mieten. Für die nötige Einrichtung brauchte der Verein 50 000 Franken. «Ein wesentlicher Teil der Summe wurde durch Freiwilligenarbeit und andere Eigenleistungen gedeckt», sagt Meier. Im Jahr 2007 habe der JJC einen Swisslos-Beitrag an die Infrastruktur-Kosten in der Höhe von 2500 Franken erhalten. Der Mietvertrag sei allerdings im Sommer 2009 aufgelöst worden, weil das Gebäude umgenutzt wurde. Die Gemeinde Hochdorf habe daraufhin dem Verein einen Raum bei der Kantonsschule Baldegg für die Trainings zur Verfügung gestellt. Der zuständige Gemeinderat von Hochdorf, Markus Stocker, wundert sich über den offenen Brief. «Die Gemeinde unterstützt generell Vereine im sportlichen oder kulturellen Bereich wie den Judo- und Ju-Jitsu Club», sagt er. Der JJC habe in der Vergangenheit mit den gemieteten Lokalen Pech gehabt, weil er immer wieder ausziehen musste. «Das hat uns veranlasst, den Verein für eine langfristige Lösung zu unterstützen. Deshalb haben wir dem Verein in der Zone für Sport- und Freizeitanlagen ein kleines Stück Land im Baurecht zur Verfügung gestellt», sagt Stocker. Dafür müsse der Verein der Gemeinde einen Zins zahlen. Ähnliches habe man auch schon bei einem anderen Sportverein gemacht, zum Beispiel beim Verein Audacia Hochdorf.

Zudem: Die Gemeinde Hochdorf sei nicht zuständig für eine Unterstützung der konkurrenzierenden Budo-Team-Sportschule. «Diese hat zwar die Postadresse von Hochdorf, liegt aber auf Gemeindegebiet von Hohenrain. Da müsste die Sportschule schon dort anklopfen.» In welchem Umfang der Kanton Swisslos-Gelder spreche, darauf habe die Gemeinde keinen Einfluss.

Maximal 150 000 Franken

Wie auf der Homepage der kantonalen Sportförderung zu entnehmen ist, werden Beiträge an Neu-, Um- und Anbauten sowie an Sanierungen von Sportanlagen und deren Nebengebäude gesprochen. Gesuchsteller können Sportvereine oder -verbände, Gemeinden oder auch privatrechtlich organisierte Interessierte sein.

Roland Willi von der kantonalen Sportförderung und Geschäftsführer des Swisslos-Sportfonds bestätigt auf Anfrage: «Der Judo- und Ju-Jitsu-Club Hochdorf hat von uns die Zusicherung für Swisslos-Gelder erhalten.» Dafür habe es einen ausführlichen Antrag mit Plänen, Baubeschrieb, Kostenvoranschlag, Finanzierung, Baurechts- und Benützungsverträgen gebraucht.

Wie viel Geld der JJC vom Kanton erhält, kommuniziert Willi nicht. «Im Maximum erhalten Vereine seit dem 1. Januar 2013 einen Beitrag von 150 000 Franken an einen Neubau einer Sportanlage.» Dass der JJC Swisslos-Beiträge erhalte, «ist absolut berechtigt», so Willi, «denn der Verein engagiert sich sehr für die Jugend und den Sport».