HOCHDORF: Mit 35 schon Chefin von 190 Mitarbeitern

Erika Stutz leitet mit 35 Jahren zwei Alters- und Pflegeheime. Und muss gleich zu Beginn bei einem Mammutprojekt mit anpacken.

Ernesto Piazza
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Heimleiterin Erika Stutz mit Bewohner Hugo Villiger in der Cafeteria des Heims Sonnmatt in Hochdorf. (Bild Pius Amrein)

Heimleiterin Erika Stutz mit Bewohner Hugo Villiger in der Cafeteria des Heims Sonnmatt in Hochdorf. (Bild Pius Amrein)

«Viel Glück und tausend gute Wünsche» steht auf einer A4 grossen Karte. Diese steht unübersehbar auf einem mit Ordnern gefüllten Möbel. Erika Stutz hat ihren Arbeitsplatz zwar ökonomisch eingerichtet, trotzdem sind es die speziellen Farbtupfer, welche sie nicht missen will. So auch diese Abschieds­erinnerung von ihrem ehemaligen Team bei der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch. «Die vielen Käfer wollte ich für mich sichtbar aufbewahren», sagt die 35-jährige Betriebsökonomin FH. Dieses Bild zeigt: Erika Stutz hat gute Erinnerungen an ihren letzten Arbeitgeber. In Hitzkirch war sie sechs Jahre für das Ressort Finanzen/Ressourcen zuständig.

190 Mitarbeitende

Mittlerweile arbeitet die gebürtige Zellerin bereits drei Monate in Hochdorf. Als Vorsitzende der Geschäftsleitung ist sie für die operative Führung der beiden Alters- und Pflegeheime Sonnmatt und Rosenhügel verantwortlich. Und dieser Wechsel – zurück ins soziale Umfeld – bedeutet für sie «eine eigentliche Rückkehr zu meinen Wurzeln», wie sie sagt. Denn: Als sie im Alter von 15 Jahren den Beruf ihrer Mutter – hauswirtschaftliche Betriebsleiterin – schnupperte, zeichnete sich ihr beruflicher Weg schnell ab. Nach einer vierjährigen Ausbildung bei den Baldeggerschwestern folgten – von 22 bis 28 – bereits sechs Jahre im sozialen Umfeld. Im Alterszentrum Staffelnhof in Reussbühl war sie als Leiterin Ökonomie tätig.

Sie arbeite sehr gerne mit und für Menschen, umreisst Erika Stutz wichtige berufliche Motive. «Zudem sind die Menschen in einer eher ländlichen Umgebung oft bodenständig», sagt sie. Diese Art gefalle ihr. Das war auch mit ein Grund, weshalb sie sich in Hochdorf bewarb. Die 35-Jährige schmunzelt. Noch etwas fällt auf: ihre unkomplizierte und kommunikative Art. Als «Powerfrau» will sie zwar nicht gelten, trotzdem wirkt Erika Stutz täglich am Puls des operativen Geschäfts. Die Zahl von 190 Mitarbeitenden zu führen, spricht für sie.

Dass sie als Frau bei der täglichen Arbeit «ihren Mann» stehen muss, ist für sie nichts Aussergewöhnliches. Auch mit der Tatsache, oft kritischer beobachtet und gewertet zu werden, hat sie sich längst angefreundet. «Ich bin vielmehr der Meinung, dass sich Frauen oft zu wenig zutrauen», betont sie. Und auf ihren Führungsstil angesprochen, sagt sie: Sie sei offen für Konsensentscheide. «Wenn ich aber von einer Sache überzeugt bin, will ich sie auch durchsetzen.»

Umbau für 31 Millionen

Überzeugungskraft wird von der Vorsitzenden der Geschäftsleitung in naher Zukunft speziell gefragt sein. Momentan läuft für insgesamt 31 Millionen Franken der Umbau der beiden Häuser Sonnmatt und Rosenhügel. Beim Neubau Rosenhügel West entstehen 38 Pflegezimmer. Zudem werden Cafeteria und Speisesaal neu gebaut. Im Sonnmatt wird der Wohnheimteil abgerissen, und es gibt 44 neue Pflegezimmer. «Vor allem der Umzug der Bewohner», glaubt Erika Stutz, «dürfte anspruchsvoll werden und mit Emotionen verbunden sein.» Der 14. September ist für den Tag der offenen Tür reserviert.

Dass Erika Stutz praktisch wöchentlich mit dem Tod in Berührung kommt, sieht sie keineswegs als Belastung. «Der Tod gehört bei uns dazu wie das Leben auch». Ihre Tätigkeit verfolgt das Ziel, mit den Mitarbeitenden den 170 Bewohnern einen schönen und würdigen Lebensabend zu ermöglichen.

Wer jedoch glaubt, die 35-Jährige sehne sich nach intensiven Tagen jeweils nach viel Ruhe, täuscht sich. Sie sei privat ebenfalls ein belebter und aktiver Mensch, sagt sie. Ob bei der Musikgesellschaft Geuensee die Bassposaune spielend oder als Aktivmitglied beim Badminton-Club Sursee: Erika Stutz schätzt den Austausch mit Menschen. Auch die Unterstützung des Partners und der Familie sei sehr wichtig. Und neben Wandern ist sie auch einem feinen Essen oder einem guten Glas Wein nicht abgeneigt.

Berufsziel 15 Jahre früher erreicht

Und wie steht es um ihre berufliche Zukunft? Erika Stutz schmunzelt erneut. Mit 25 hätte sie gesagt, sie wolle mit 50 Heimleiterin werden, verrät sie. Jetzt, mit jungen 35 Jahren, ist dieses Ziel erreicht.

«Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich viele Jahre in Hochdorf bleibe.» Noch stehen Projekte wie der Hotellerieservice auf den Pflegeabteilungen oder die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern an. Und dabei wird sie sich – wie oft in ihrem Leben – von ihrem Bauchgefühl mitleiten lassen.