HOCHSCHULE: Designer aus aller Welt mögen Luzerner Stoffe

Studentinnen an der Hochschule Luzern haben ein eigenes Design- Label gegründet. Ihre Stoffe waren schon auf einem Pariser Laufsteg anzutreffen.

Roseline Troxler
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Die Textildesignerinnen Cornelia Stahl (links) und Emanuela Zambon mit Muster ihrer Stoffkollektionen an der Hochschule Luzern. (Bild Pius Amrein)

Die Textildesignerinnen Cornelia Stahl (links) und Emanuela Zambon mit Muster ihrer Stoffkollektionen an der Hochschule Luzern. (Bild Pius Amrein)

Roseline Troxler

Klare Formen, analoge Studien, fotografische Elemente und Strukturen aus der Natur statt romantisch Verschnörkeltes: So beschreiben Cornelia Stahl (28) aus Bern und Emanuela Zambon (31) aus Zürich ihr Design-Label. Die Masterstudentinnen der Hochschule Luzern – Design & Kunst haben 2014 das Label Zambon & Stahl Textile Design (www.zambonstahl.ch) gegründet.

Aus Zufall zum Team geworden

Seit zwei Jahren zeigt der Weg für die Textildesignerinnen steil nach oben. Obwohl sie schon während des Bachelorstudiums zusammengearbeitet haben, wurden sie durch einen Zufall zum Team. Sie wurden ausgewählt, die Hochschule an der Première Vision, einer Textilfachmesse, in Paris zu repräsentieren. «Wir hatten Bammel und hofften, dass wir zumindest ein Muster aus unserer Stoffkollektion verkaufen», erzählt Emanuela Zambon. Doch die Studentinnen haben den Geschmack der Designer getroffen. Schliesslich verkauften sie zehn Entwürfe. «Das war für uns ein Riesenerfolg», erzählt Cornelia Stahl. Der belgische Designer Christian Wijnants hat gar eines ihrer Muster für eine Kollektion für den Herbst und Winter 2014/15 verwendet, die er auf dem Laufsteg der Pariser Fashion Week 2014 präsentierte. «Es ist spannend, zu sehen, was aus unseren Stoffen entstehen kann», sagt Emanuela Zambon.

Anders war dies bei ihrem aktuellen Projekt. Die Designerinnen haben eine Schalkollektion entworfen und auf den Markt gebracht. Zurzeit entwerfen die Frauen Bettwäsche für eine Schweizer Firma. Nicht nur in Frankreich und der Schweiz sind Muster von Zambon & Stahl Textile Design zu sehen. Gar ein Hongkonger Label wurde auf die Schweizerinnen aufmerksam und verwendet ein Design für seine Kollektion. Eine Herausforderung ist es, an die richtigen Kontakte zu kommen. «Das ist eine grosse Knacknuss», sagen sie.

Foren und Messen für Recherche

Doch wie wissen die Studentinnen, was Frau und Mann gefällt? Cornelia Stahl erklärt: «Zunächst beginnen wir mit einer Trendrecherche: Wir informieren uns in Trendforen, bei Textilverbänden, lassen uns an Messen inspirieren, studieren Tendenzen und ermitteln, welche Farbstimmungen und Materialien gefragt sein werden.» Zum Entwurfsprozess gehöre vor allem auch das Sammeln, das Skizzieren und das Fotografieren von inspirierenden Motiven. Der Fundus wird dann ins Atelier gebracht, in dem an neuen Stoffen getüftelt wird. Emanuela Zambon erzählt: «Unser Ziel ist es, zu spüren, was in der Luft liegt, und danach zu greifen.» Und sie ergänzt, dass sie mit ihren Stoffen einen persönlichen Bezug schaffen und dadurch Geschichte erzählen wollten.

Unterschiedliche Ausbildungen

Die Designerinnen betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit beim Entwicklungsprozess ihrer Kollektionen ist. «Es kommt oft vor, dass eine einen Entwurf aufgibt und die andere eine Lösung findet, wie daran weitergearbeitet werden kann.» Die beiden schätzen aneinander ihre Ehrlichkeit und ihre Kritikfähigkeit. Auch aufgrund ihrer Ausbildung vor dem Studium ergänzen sie sich gut. So absolvierte Emanuela Zambon bei PKZ eine Lehre als kaufmännische Angestellte. Cornelia Stahl machte ihre Lehre als Dekorationsgestalterin bei Manor. Während Emanuela Zambon die administrativen Aufgaben besser liegen, hat Cornelia Stahl das Auge für die Ausstellungsgestaltung. Weil sie in anderen Städten leben, besprechen sie sich oft über Skype. «Wir tauschen uns intensiv aus, bis eine Idee steht.»

Während sie noch in den Räumen an der Hochschule ihre Muster entwerfen, haben die Designerinnen ein grosses Ziel: ihr eigenes Atelier. Während des Masterstudiums setzen sie nun zunächst aber alles daran, ihr Design-Label auf dem Markt zu positionieren. «Es ist toll, dass das Studium in Luzern einen solch grossen Praxisbezug schafft – so können wir die Inhalte der Vorlesungen direkt auf unser Label anwenden.»