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HOCHSCHULE: Dieser Forscher lüftet das Geheimnis jeder Orgel

Niemand wusste bisher exakt, wie viele und welche Orgeln im Kanton Luzern stehen. Dies ändert nun dank der Arbeit des Orgel­experten Marco Brandazza.
Susanne Balli
Marco Brandazza (oben) beobachtet die Orgelrevision durch Christian Musch in der Magdalenenkirche in Meggen. (Bild Nadia Schärli)

Marco Brandazza (oben) beobachtet die Orgelrevision durch Christian Musch in der Magdalenenkirche in Meggen. (Bild Nadia Schärli)

«Sehen Sie diese winzigen Pfeifen?» Kirchenmusiker Marco Brandazza (53) steht zwischen den grossen und kleinen Pfeifen aus Metall und Holz im Innern der Orgel in der Magdalenenkirche in Meggen. «Diese Orgel ist ein ganz besonderes rares Schmuckstück, denn es handelt sich um eine der wenigen noch fast komplett erhaltenen Goll-Orgeln», sagt Brandazza (siehe Kasten). Derzeit wird die Orgel der Magdalenenkirche, die der Luzerner Orgelbauer Friedrich Goll 1889 gebaut hat, während rund zweier Monate durch die traditionsreiche Luzerner Orgelbaufirma Goll revidiert und teilrestauriert. Die beiden Orgelbauer Christian Musch und Theo Zuber montieren die einzelnen Pfeifen ab, um sie zu reinigen, zu richten und kaputte Teile zu ersetzen. «Die Orgel hat in den vergangenen Jahren besonders stark unter Schimmelpilz gelitten und musste speziell behandelt werden», sagt Musch.

Rund 250 Orgeln im Kanton Luzern

Marco Brandazza verfolgt die Orgelrevision mit grossem Interesse. Er leitet das Orgeldokumentationszentrum (ODZ) der Hochschule Luzern, welches 2006 gegründet wurde. Dieses hat zum Ziel, die Orgeln der Schweiz an einem Ort zu erfassen und zu inventarisieren. Damit werden diese Daten für Forscher und für die interessierte Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht. Unter www.orgeldokumentationszentrum.ch kann nach einem bestimmten Orgeltyp oder Orgelbauer gesucht werden. Zudem sind die Bestände des ODZ in der Bibliothek der Hochschule Luzern Musik integriert und dort konsultierbar. Derzeit ist Bran­dazza dabei, das Orgelinventar des Kantons Luzern zu erstellen. «Ich ging davon aus, dass wir im Kanton Luzern auf zirka 180 Orgeln kommen – jetzt sind uns schon 250 Orgeln bekannt, davon habe ich bisher zirka 220 inventarisiert.» Die Datenbank des ODZ führt alleine in der Stadt Luzern 48 Orgeln auf.

Bis im Sommer soll das Luzerner Orgelinventar abgeschlossen sein. Die kantonale Denkmalpflege zahlt 30 000 Franken an die Inventarisierung. Dank des ODZ kann der Kanton die Schutzwürdigkeit der einzelnen Orgeln besser beurteilen. Langfristiges Ziel ist es laut Bran­dazza, die Orgeln aller Schweizer Kantone zu erfassen.

Viele Daten gingen verloren

Dokumentiert werden unter anderem die Baugeschichten, technische Daten sowie Bilder der Orgeln. Um an diese Daten zu kommen, muss Brandazza jedes Instrument persönlich begutachten und über intensive Archivarbeit die Baugeschichten der Orgeln aufzeigen. «Das ist nicht immer einfach, denn lange verlief die Orgelforschung unkoordiniert, zum Teil durch Privatpersonen, die in ihrer Gemeinde als Organisten amteten. Leider gingen mit der Zeit viele Privatarchive vergessen und verloren», sagt Brandazza. Hilfe erhält er bei seiner «Feldforschung» von Orgelfreunden und -kennern, die ihm ihre Entdeckungen mitteilen. «Mit dem ODZ wollen wir ein bedrohtes Schweizer Kulturgut bewahren. Leider ist das historische Bewusstsein vieler Schweizer sehr klein. Aber ohne Geschichte gibt es keine Zukunft», ist Bran­dazza überzeugt.

Im ODZ sind derzeit zwölf kantonale Orgel-Inventare zu finden, einige sind noch in Bearbeitung. Die Erfassung der Kantone Zug, Uri, Tessin und Solothurn hat Brandazza abgeschlossen. In Arbeit sind derzeit die vorhandenen Informationen zu den Kantonen Nidwalden und Obwalden.

Orgel und Gebäude als Einheit

Die Frage, welche Orgel seine Lieblingsorgel ist, hört Brandazza nicht gerne. Seine Antwort: «Orgeln sind wie Frauen, jede ist anders, aber auf ihre Art etwas ganz Besonderes.» Dennoch zählt er einige «Schätze» auf. «Speziell schön ist die Orgel in der Jesuitenkirche, wo eine gelungene Einheit zwischen Klang, Raum und Optik anzutreffen ist.» Auch die Orgel in Triengen bezeichnet Bran­dazza als interessant. Die Orgel im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum gefällt dem Orgelexperten, «obwohl akustisch hinter dem schönen Instrument eine Kathedrale fehlt. Eine Orgel bildet immer ein Gesamtkunstwerk mit dem Gebäude, in dem sie steht.»

Überrascht wurde er von der Orgel in Willisau. «Dort habe ich kleinste Pfeifen, sogenannte Buntzimbeln, entdeckt. Die Klangart dieser Pfeifen kannte ich bis anhin gar nicht.» Was Brandazza besonders aufgefallen ist: «Im Kanton Luzern findet man überall stattliche Kirchen mit stattlichen Orgeln auch in kleinsten Ortschaften.» Als Beispiel nennt er Hergiswil am Napf. Von Rekorden hält der Orgelexperte nicht viel, nennt dann aber etwas widerwillig noch einige Beispiele.

So steht die grösste Orgel der Schweiz mit ihren fast 10 000 Pfeifen und 137 Registern in der Kirche des Klosters Engelberg.

Auch im Kanton Luzern gibts einen Rekordhalter. In der Hofkirche in der Stadt Luzern steht die grösste und schwerste Prospektpfeife (so heissen die sichtbaren Orgelpfeifen) der Welt. Sie ist über 9 Meter lang, hat einen Durchmesser von 57 Zentimetern und wiegt 383 Kilogramm.

Orgelschatz in Meggen

Wichtiger als solche Rekorde sind Brandazza andere Orgelschätze, wie eben jene Orgel in der Magdalenenkirche in Meggen. «Die historische Balganlage ist bei dieser Orgel noch komplett erhalten», schwärmt er. Über ein von Hand betriebenes Holzrad wurde früher die Luft zu den Pfeifen befördert. Heute erfolgt die Luftzufuhr über ein elektrisch betriebenes Gebläse.

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