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HOCHSCHULE: Er bringt Mani Matters Lieder aufs Papier

Die Szenen in Mani Matters Liedern kann man sich gut vorstellen. Trotzdem existieren kaum Bilder davon. Silvan Zurbriggen hat nun Abhilfe geschaffen.
Roger Rüegger
Silvan Zurbriggen zeigt in seinem Atelier in Bern seine Illustration der Mani-Matter-Geschichte «Dr Eskimo». (Bild Pius Amrein)

Silvan Zurbriggen zeigt in seinem Atelier in Bern seine Illustration der Mani-Matter-Geschichte «Dr Eskimo». (Bild Pius Amrein)

«Kennet dir das Gschichtli scho, vo dem armen Eskimo?» Was für eine Frage. Die Geschichte, die so tragisch endet, kennen vermutlich die meisten Leute in der deutschsprachigen Schweiz. Es ist eines von zahlreichen Liedern, die der Berner Troubadour Mani Matter in Mundart verfasst hat. Vielleicht ist «Dr Eskimo» sogar das berühmteste.

Für den Hochschulabsolventen Silvan Zurbriggen ist das Gschichtli zumindest das wichtigste. Der 27-jährige Berner hat für seinen Master of Arts in Design mit Spezialisierung Illustration an der Hochschule Luzern – Design & Kunst einige Lieder von Mani Matter auf spezielle Art illustriert. «Fünf sind es bis jetzt genau. Mit dem ‹Eskimo› habe ich angefangen», präzisiert Zurbriggen.

In der Schule gesungen

Die Idee, Mani Matters Lieder in Bildform zu erzählen, fiel dem jungen Mann praktisch in den Schoss. «Die Lieder kenne ich seit meiner Kindheit. Wir haben sie in der Schule oft gesungen, und ich hörte sie immer gerne», sagt Zurbriggen. An einer Mani-Matter-Ausstellung, an der das Leben und Werk des Liedermachers auf vielfältige Weise präsentiert wurde, fiel Zurbriggen auf, dass es praktisch keine visuelle Umsetzung der Texte gibt. «Da waren ein ausgestopfter Eisbär als Symbolfigur für das Lied ‹Dr Eskimo›, ein Beduinenzelt für ‹Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama› oder ein Coiffeurstuhl für ‹Bim Coiffeur›. Aber einzig ein Kinderbuch von Oskar Weiss bebilderte die Geschichten des Liedermachers», sagt der Berner.

Zurbriggen nahm sich vor, diese Lücke zu schliessen «Ich spielte den Gedanken weiter, weil sich die Geschichten gut eignen. So entschied ich mich, vorerst fünf meiner Lieblingslieder zu illustrieren.» Am Stück «Dr Eskimo» findet er die Moral der Geschichte – Mani Matter singt «Kunscht isch gäng es Risiko» – sehr passend. Dies ist denn auch der Titel von Zurbriggens Masterarbeit. «Weil ich mich als Grafiker und Künstler selbstständig machen will und zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar ist, ob ich mich damit über Wasser halten kann, trifft diese Aussage exakt zu», sagt er.

Matters Lieder zu bebildern, war aber nicht von vornherein das Ziel. Zuerst versuchte sich Zurbriggen mit eigenen Geschichten. Bald stellte er jedoch fest, dass es zu viel Zeit kostet, Geschichten erst zu schreiben und diese dann auch noch zu illustrieren

Also hat er auf die bestehenden Geschichten von Mani Matter zurückgegriffen. «Die sind kurz, banal und haben gute Pointen», erklärt Zurbriggen. Seine Illustrationen sind so genannte One Page Comics, abgeschlossene Kurzgeschichten, auf einer Seite erzählt. Allerdings unterscheidet sich jedes von Zurbriggens Werken grundlegend von den anderen. So wirkt «S Zündhölzli» fast wie ein Wimmelbild, während «Dr Eskimo» aus mehreren einzelnen Bildern besteht.

Zurbriggens Bilder verraten die Geschichte nicht auf Anhieb. Mit Absicht. «Mein Ziel ist, die Beobachter auch vor ein Rätsel zu stellen, damit sie sich mit der Illustration auseinandersetzen und sich so praktisch ihre eigene Geschichte zusammenreimen müssen», erklärt er. Tönt etwas kompliziert, wenn man aber vor den Werken steht, kommt man der Sache relativ rasch auf den Grund.

Die bebilderte Geschichte vom «Alpeflug» – die bewusst an ein altes Tourismus-Werbeplakat erinnert – beginnt im Zentrum der Bildfläche. Dort ist ein Motor abgebildet, und grosse Lettern geben das Brummen und Dröhnen an. Der Lärm ist auf diesem Teil des Bildes fast hörbar. Je weiter der Blick aber vom Zentrum wegschweift, desto ruhiger wird die Geschichte, bis man schliesslich am unteren Rand des Plakats in die Ruhe eintaucht, dort nämlich, wo hinter dem Hügel das Flugzeug abgestürzt ist.

Die Bilder sind ähnlich wie Mani Matters Musik. Beim ersten Hinhören erscheint manches kindlich einfach. Erst bei genauerem Betrachten findet sich Tiefsinnigeres.

Spontan zu Ausstellung geladen

Für seine Arbeit erntet der junge Grafiker und Illustrator viel positives Feedback. Kurzfristig wurde er zu einer Ausstellung nach Zürich eingeladen, und auch Bekannte und fremde Leute klopfen bei ihm an. Das freut ihn, denn er will wie erwähnt das Risiko auf sich nehmen und mit Kunst seinen Lebensunterhalt verdienen. Zusammen mit zwei Freunden gestaltet er bereits regelmässig Konzertplakate für die Reitschule in Bern, und auch andere grafische Arbeiten gehören zu seinem Alltag. Von den Mani-Matter-Bildern hat er je 15 Stück angefertigt und gedruckt. Längerfristig hat er die Vorstellung, noch weitere Lieder zu illustrieren und diese womöglich in Form eins Buchs zu veröffentlichen.

Hinweis

Illustrationen der Mani-Matter-Geschichten finden Sie auf www.silvan-zurbriggen.ch

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