Hochschule Luzern
«Sarnetz»: Mit diesem Computergame lässt sich spielend ein CO2-neutrales Dorf errichten

Wie kann die Energieversorgung einer Gemeinde nachhaltiger werden und trotzdem bezahlbar bleiben? Um diese Frage kreist «Sarnetz» – ein neues Online-Computerspiel. Umgesetzt wurde es von einem interdisziplinären Forschungsteam der Hochschule Luzern.

Stefanie Geske
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Reicht es, für wenig Geld Gebäude zu sanieren? Oder ist es doch besser, die Gebäude mit Solaranlagen zu bestücken? Wo soll das neue Holzschnitzelheizwerk im Dorf platziert werden? Diese und weitere CO2-relevanten Fragen stellen sich die virtuellen Spieler im neuen HSLU-Computergame «Sarnetz».

Protagonistin des Spiels ist die kleine Engadiner Gemeinde Zernez. Das Spiel wird dieser Tage an der Weltausstellung in Dubai der globalen Öffentlichkeit vorgestellt, teilt die Hochschule Luzern am Freitag mit. Umgesetzt wurde das Game von einem interdisziplinären Forschungsteam der Hochschule Luzern. Als Basis dafür diente ein Brettspiel der ETH Zürich:

Vom Tisch auf den Bildschirm

Seinen Anfang nahm Sarnetz als Brettspiel: 2015 entwickelte es die ETH Zürich als Teil des Projekts «Zernez ENRGIA 2020». Die im Spiel genutzten Daten zu Gebäudegrössen, Energieverbrauch und den Gebäudeheizungen basieren auf realen Werten.

Auf Initiative der Schweizer Botschaft in Japan kreierte das Forschungsteam um Uwe W. Schulz und Richard Wetzel eine digitale Variante des Spiels für den Schweizer Pavillon an den Olympischen Sommerspielen 2021 in Tokio, der aber Corona-bedingt abgesagt wurde. Weltpremiere feierte Sarnetz daher im September an mehreren japanischen Universitäten, wo Studierende es testen konnten. Das Spiel läuft seit Anfang November an der Weltausstellung in Dubai. Die nächste Vorführung findet am 6. Januar 2022 statt.

Das Computerspiel entstand im Rahmen des Interdisziplinären Themenclusters Raum und Gesellschaft, mit dem die Hochschule Luzern departementsübergreifende Forschungsprojekte fördert. Es wurde von der Schweizerischen Botschaft in Japan sowie vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI des Bundes finanziell unterstützt.

Und so wird gespielt

In Sarnetz treten mindestens zwei Fünfer-Teams unter der Leitung eines Moderators gegeneinander an. Ihr Ziel: Die gesamte Energieproduktion der Gemeinde Zernez nach den Vorgaben der Energiestrategie 2050 des Bundes umbauen. Gewinner ist, wer die CO2-Emissionen innerhalb eines Zeitlimits auf null reduziert, dabei möglichst viel erneuerbare Energie aus lokalen Quellen produziert – und dies alles mit minimalen Investitionen erreicht.

Pro Team übernehmen drei Spielerinnen oder Spieler die Rolle des Zernezer Gemeinderates. Eine weitere Person leitet den lokalen Energielieferanten, eine fünfte Person vertritt die Interessen der Einwohnerschaft und der Tourismusbranche. Gespielt wird im Internet-Browser. Als Spielfeld dient eine dreidimensionale Karte von Zernez. Jedes einzelne Gebäude der Gemeinde wird simuliert, vom Wohnhaus bis zum Heizwerk.

Im Computerspiel Sarnetz gilt es, in Fünfer-Teams die Energieversorgung der Gemeinde Zernez zu revolutionieren.

Im Computerspiel Sarnetz gilt es, in Fünfer-Teams die Energieversorgung der Gemeinde Zernez zu revolutionieren.

Screenshot: HSLU
«Die technischen Details der Energieproduktion stehen nicht im Vordergrund, sondern die gemeinsame, spielerische Suche nach Strategien zu ihrem nachhaltigen Umbau»

, sagt Co-Projektleiter Uwe W. Schulz vom Departement Technik & Architektur der Hochschule Luzern.

Per Maus werden digitale Spielfiguren übers Spielfeld bewegt; man «zeigt» also mit seinem Avatar, wo man beispielsweise ein neues Holzschnitzelheizwerk bauen möchte. So können Menschen aus der ganzen Welt mitspielen, ohne an einem gemeinsamen Tisch sitzen zu müssen, wie es bei der Brettspielvariante der Fall ist.

Video: Youtube

Spiel soll zum Lernwerkzeug für Jedermann weiterentwickelt werden

Wie es in der Mitteilung weiter heisst, wollen die Forscher das Spiel weiterentwickeln: In einem nächsten Schritt soll das Spielprinzip auf andere Gemeinden und auf Stadtquartiere übertragen werden. Geplant seien auch zusätzliche Funktionen wie eine integrierte Chatfunktion (aktuell tauschen sich Spielerinnen und Spieler über die Kommunikationsplattform Zoom aus). Fernziel sei die Entwicklung einer Spielvariante als Lernwerkzeug für die breite Öffentlichkeit.

Das Spiel kann auf der Website sarnetz.ch unter der Leitung eines Moderators gespielt werden. Interessierte können sich bei info@sarnetz.ch melden.