Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Höchste Frauenquote der Schweiz

Luzern portiert für die Nationalratswahlen schweizweit am meisten Frauen. Besonders zwei haben gute Chancen, gewählt zu werden.
Martina Odermatt
Andrea Gmür (rechts) hat laut einem Politologen gute Chancen, den CVP-Ständeratssitz zu verteidigen. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 31. März 2019)

Andrea Gmür (rechts) hat laut einem Politologen gute Chancen, den CVP-Ständeratssitz zu verteidigen. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 31. März 2019)

Die Frauenfrage in der Luzerner Politik war während den Kantons- und Regierungsratswahlen ein grosses Thema. Verschiedene Organisationen machten mobil und die Öffentlichkeit übte Druck aus. Mit Erfolg: Bei den Kantonsratswahlen stieg der Frauenanteil um fünf Prozentpunkte auf 34,2 Prozent. Die ­Regierung hingegen blieb rein männlich. Die grüne Kandidatin Korintha Bärtsch verpasste den Einzug bekanntlich knapp.

Der vergangene Wahlkampf wirkt sich nun auch auf die Listen für die nationalen Wahlen im Herbst aus. Denn für diese ist Luzern in Sachen Frauenquote Schweizer Meister. Zwar dürfen die Parteien ihre Listen noch bis am 26. August bearbeiten. Was bisher aber kommuniziert wurde, ist klar: Nirgends stellen sich mehr Frauen zur Wahl. SP, Grüne, GLP, FDP und CVP setzen je fünf Frauen und vier Männer auf die Hauptliste. Die FDP tritt gar mit einer reinen Frauenliste an. Einzig die SVP tanzt etwas aus der Reihe. Aktuell stehen auf ihrer Nationalratsliste drei Frauen und sechs Männer.

Unter den portierten Kandidatinnen befindet sich etwa auch die GLP-Frau Claudia Huser. Sie ist auf dem zweiten Platz, nach Ständeratskandidatin Michèle Graber, was die Liste der GLP auszeichne. «Es genügt nicht, aufgrund des Hypes für mehr Frauen in der Politik, Frauen zu portieren. Entscheidend ist, auf welche Listenplätze die Frauen gesetzt werden.» Damit zeige die GLP, dass es ihr ernst sei, so Huser.

«50 Prozent gewählte Frauen sind das Ziel»

Claudia Huser weibelte bereits im überparteilichen Frauenförderungsnetzwerk «Frauen Politik Luzern» bei den Luzerner Wahlen für eine höhere Vertretung der Frauen im Luzerner Parlament – und deutete an, dieses Ziel auch bei den nationalen Wahlen weiter zu verfolgen. Claudia Huser ist «hocherfreut», dass Luzern in Sachen Frauenrekrutierung an der Spitze ist. «Gerade für unseren Kanton, ohne Frau in der Regierung, ist ein solches Zeichen umso wichtiger. Ich finde es toll, dass – wohl bisherig einmalig in der Geschichte – mehr Frauen auf der Liste sind.» Die Parteien hätten verstanden, dass das Volk Frauen und Männer zur Auswahl haben wolle, und dass es für einen Erfolg im Herbst genügend Frauen auf den Listen brauche. Ist das denn nun erreicht? «Das Ziel haben wir wohl erst erreicht, wenn die Frauen auch gewählt werden. Im Rückblick auf die Regierungsratswahlen wissen wir ja: es nützt nichts, Frauen zu portieren, wenn sie am Schluss nicht gewählt werden. Wir möchten 50 Prozent gewählte Frauen – das wäre das Ziel.»

Überdurchschnittliche weibliche Vertretung

50 Prozent Luzerner Frauen in Bundesbern – dieses Ziel ist wohl noch etwas fern. Allerdings sind in Bern bereits überdurchschnittlich viele weibliche Vertreter aus Luzern, wie Politologe Mark Balsiger sagt. «Zurzeit beträgt der Frauenanteil der Nationalratsvertretung Luzerns 40 Prozent. Das ist deutlich höher als der Durchschnitt.» Der Frauenanteil liegt im Nationalrat bei 32 Prozent, im Ständerat sind es 13 Prozent. Luzerner Frauen haben in Bundesbern also Tradition. Das bestätigt auch der Politologe Iwan Rickenbacher. «Von den Frauen der ersten Stunde wie Josy Meier und Judith Stamm, etwas später Cécile Bühlmann und Rosmarie Dormann bis heute, mit Prisca Birrer Heimo, Yvette Estermann, Ida Glanzmann, Andrea Gmür.» Frauen hätten gute Wahlchancen, auch auf Grund des sehr guten Leistungsausweises der bisherigen Nationalrätinnen. «Und weil sie weniger als Vertreterinnen von Spezialinteressen gelten», sagt Rickenbacher.

Dennoch überrascht die Verteilung der Geschlechter auf den Hauptlisten. Mark Balsiger vermutet hierfür verschiedene Ursachen: «Dass die Luzerner Regierung seit den Wahlen letzten Frühling weiterhin aus fünf Männern besteht, hat Teile mehrerer Parteien ins Grübeln gebracht. Vermutlich haben auch alle Respekt davor, als wenig frauenfreundlich gebrandmarkt zu werden.» Ausserdem habe auch der lange Vorlauf des Frauenstreiks viel Druck aufgebaut. Die Chancen der portierten Frauen sieht Balsiger als intakt - aber dennoch schwierig. «Der Glaube, dass sich nun eine riesige Frauensolidarität entfaltet, die mehrere neue Kandidatinnen in den Nationalrat trägt, ist naiv. Das funktioniert in einem Kanton wie Luzern nicht.» Die Statistik belege, dass gut 85 Prozent aller Bisherigen jeweils wieder gewählt würden.

Dennoch schätzt er, dass die Grüne Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch dem Bisherigen Parteikollegen in Bern, ­Michael Töngi, einheizen wird. Gewinnen SP, Grüne und Grünliberale aufgrund ihrer Listenverbindung einen Sitz dazu, würde dieser wohl auf Kosten der SVP gehen. «Sollte der dritte Sitz Tatsache werden, geht er vermutlich an die GLP. Die besten Chancen haben Kantonsrätin und Ständerätin Michèle Graber sowie Kantonsrat und Parteipräsident Roland Fischer, der schon 2011 bis 2015 Nationalrat war», so Balsiger. CVP-Nationalrätin Andrea Gmür hingegen habe gute Chancen, den traditionellen Sitz der CVP im Ständerat von Konrad Graber zu übernehmen. «Der dritte CVP-Sitz im Nationalrat wackelte schon 2015 kräftig. Verliert ihn die Partei und wird Gmür tatsächlich neue Ständerätin, könnte aber eine Abwahl verhindert werden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.