Gerlisbergbach kam mit voller Wucht: Stadt und Kanton Luzern prüfen weitere Schutzmassnahmen gegen Hochwasser

Der heftige Regen sorgte in Luzern am 2. Juli für Überschwemmungen. Nun prüfen Stadt und Kanton, ob weitere Hochwasserschutzmassnahmen nötig sind.

Sandra Monika Ziegler
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Ein Selfie muss sein! Solch ein Bild bietet sich nicht alle Tage an der Haldenstrasse in Luzern.
42 Bilder
Hochwasser und Überschwemmung auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus: Die Feuerwehr war im Grosseinsatz.
Hochwasser und Überschwemmung nach einem starken Unwetter auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus am Donnerstag, 2. Juli 2020.
In diesem Audi auf der Haldenstrasse steht das Wasser im Fussbereich.
Die Haldenstrasse glich am Donnerstagabend einem kleinen Fluss mitten in der Stadt.
Ein surreales Bild: Dieser Feuerwehrmann bahnt sich den Weg durch die Fluten zu Fuss.
Hochwasser auf dem Littauerberg.
Wo ist denn bitte die Strasse? Auf der Haldenstrasse ist es schlammig und die eigentliche Strasse ist kaum mehr zu erkennen.
Hochwasser und Überschwemmung nach einem starken Unwetter auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus.
Die Feuerwehr hatte viel zu tun am Donnerstagabend. Knöcheltief steht dieser Feuerwehrmann im Wasser.
Land unter vor dem Verkehrshaus in der Stadt Luzern.
Dieser Biker nimmt's mit Humor.
Diese Beiden haben das Unwetter für ein Bad auf der Haldenstrasse genutzt.
Das Unwetter hat eine riesige Überschwemmung auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus verursacht. Autos glichen Amphibienfahrzeugen.
Es hat so heftig geregnet, dass man sogar auf der Haldenstrasse schwimmen gehen konnte.
Die Strasse beim Verkehrshaus war am Donnerstagabend komplett überflutet. Autos gleichen Amphibienfahrzeugen.
Ein einsames Velo bei der überschwemmten Haldenstrasse.
Land unter auf der Haldenstrasse.
Das Auto bei Sempach Station ist im Wasser stecken geblieben.
Wenn man mit dem Zug bei Sempach Station vorbei fährt, bietet sich dieses eindrückliche Bild des stecken gebliebenen Autos.
Die Haldenstrasse wurde vom Unwetter stark getroffen.
Kein Durchkommen mehr auf der Hellbühlstrasse in Malters.
So sah es in Neuenkirch aus.
Gefährlich: Auf der Autobahn A2 bei Rothenburg hatte es ebenfalls viel Wasser auf der Strasse.
So präsentiert sich die Schiffstation Seeburg am Donnerstagabend während dem starken Regen.
In Neuenkirch bildete sich ein See in einem Quartier.
Eindrückliche Bilder aus Neuenkirch.
Die Ron ist auf Höhe Schindler in Ebikon über die Ufer getreten.
Das Unwetter hat diverse Keller und Garagen überflutet: Gaby Blätter mit ihrem Schwiegersohn am Wasser schöpfen im Neuhof Quartier in Emmenbrücke.
Das Unwetter hat diverse Keller und Garagen überflutet: Gaby Blätter mit ihrem Schwiegersohn am Wasser schöpfen im Neuhof Quartier in Emmenbrücke.
Überschwemmung auch auf der Autostrasse Malters-Schachen.
Überschwemmung in Malters.
Überschwemmung in Malters.
Und so sah es an gleicher Stelle am Freitagmorgen aus: Starke Verwüstungen in der Sporthalle Oberei in Malters. Der Bach nebenan konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. Das Wasser wird jetzt abgepumpt.
Starke Verwüstungen nach intensiven Regenfällen in der Sportanlage Oberei. Der Fussballplatz steht unter Wasser. Der Bach nebenan konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen.
Das Unwetter vom Donnerstagabend hinterliess bei der Sporthalle Oberei in Malters starke Verwüstungen. Der Fussballplatz steht unter Wasser. Der Bach nebenan konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen.
Heftiger Niederschlag ging auch über Schachen nieder. Bäche treten über die Ufer und über die Felder bilden sich grosse Seen.
Auf diesem Bild ist gut zu erkennen, woher der See auf dem Feld in Schachen stammt.
Eine Tiefgarage stand in Inwil unter Wasser.

Ein Selfie muss sein! Solch ein Bild bietet sich nicht alle Tage an der Haldenstrasse in Luzern.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 2. Juli 2020

Die heftigen Regenfälle von Anfang Juli haben im Würzenbachquartier erneut grossen Sachschaden angerichtet. Wohnungen wurden geflutet, Keller überschwemmt. Bei der Gebäudeversicherung seien über 400 Schadensmeldungen eingegangen. Die Versicherung schätzt den Schaden im ganzen Kanton auf 2,5 Millionen Franken, wie sie am 3. Juli mitteilte.

Allein aus dem Würzenbachquartier sind 40 Schadensfälle gemeldet worden, wie Markus Clerc von der Gebäudeversicherung Luzern auf Anfrage sagt. Die Schadenssumme sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer einschätzbar, werde aber mindestens auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt. Die Detailabklärungen sind noch am Laufen.

100 Prozent Sicherheit gibt es nicht

Das Problem Hochwasser ist im Quartier und bei der Stadt Luzern bekannt. Massnahmen wurden bereits umgesetzt. Damit ein besserer Schutz gewährleistet werden kann, wurden an der ETH Zürich etwa Modellversuche zum Würzenbach durchgeführt. Dies, nachdem im Sommer 2015 massive Schäden entstanden waren.

Doch dieses Mal sorgte vor allem der Gerlisbergbach für Schäden. Dieser schoss am Abend des 2. Juli über die Betonmauer beim kanalisierten Bach an der Schlösslistrasse über die Schädrütistrasse hinaus. «Wir waren sehr überrascht ob der Wassermassen, die mit dem Gerlisbergbach hinunterkamen», sagt Miriam Asanger, Bereichsleiterin Siedlungsentwässerung und Naturgefahren der Stadt Luzern.

Erste Priorität habe nun, alles wieder instand zu stellen, damit alles wieder funktioniere. Wobei Asanger betont: «Eine 100-prozentige Sicherheit vor der Kraft der Natur gibt es nicht.» Die Ereignisdaten zeigten, dass der heftige Regen sehr kleinräumig war. «Jetzt wird abgeklärt, um was für ein Ereignis es sich gehandelt hat», erklärt Asanger.

Stadt besorgt den Unterhalt

Abhängig von der Auswertung der analysierten Daten können dann die weiteren Schritte eingeleitet werden. Der Gerlisbergbach führte nach dem heftigen Regen auch enorm viel Geschiebe mit sich. Dazu Asanger: «Das Ausmass im Vorfeld abzuschätzen ist enorm schwierig.» Hier gelte es zu evaluieren, von welchen Grundlagen und Annahmen man ausgegangen ist. Diese Daten werden dann mit dem Ereignis vom 2. Juli verglichen.

Bisher kann Asanger nur von ihren Feldbeobachtungen ausgehen, der Bachlauf wurde von Experten abgelaufen. «Eine solch ausgeleckte Sole hatten wir nicht erwartet. Auf weite Strecken wurde alles mobilisiert und es entstand eine enorme Schleppkraft», sagt Asanger. Die Stadt entfernt in regelmässigen Abständen das Geschiebe.

Stadt und Kanton ergreifen Massnahmen

Wurde die Gefahr des Gerlisbergbachs unterschätzt? Dazu sagt Michael Schluh, Projektleiter Verkehr und Infrastruktur Kanton Luzern: «Das Ereignis kam überraschend, wurde aber nicht unterschätzt. Die kurzen, sehr kräftigen lokalen Niederschläge respektive Abflüsse sind für kleine Einzugsgebiete, wie diejenigen des Gerlisbergbachs, nur sehr schwer vorhersehbar.»

Schluh bestätigt weiter, dass aktuell eine Ereignisanalyse erstellt wird und der Kanton in ständigem Kontakt mit der Stadt Luzern stehe: «Danach wird sich zeigen, ob und welche Massnahmen getroffen werden müssen.»

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