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HOCHWASSER: Private handeln auf eigene Faust

In Dierikon kamen 2015 zwei Menschen ums Leben. Während das Schutzprojekt des Kantons blockiert ist, werden die Hausbesitzer aktiv. Mieter zu finden, ist aber schwierig.
Beatrice Vogel
Der damalige Dieriker Gemeindepräsident Hans Burri gibt nach dem Unwetter vom 7. Juni 2015 den Medien Auskunft. (Bild Corinne Glanzmann)

Der damalige Dieriker Gemeindepräsident Hans Burri gibt nach dem Unwetter vom 7. Juni 2015 den Medien Auskunft. (Bild Corinne Glanzmann)

Beatrice Vogel

Es ist ein Erlebnis, das die Bevölkerung von Dierikon noch lange beschäftigen wird: Vor knapp einem Jahr überflutete der Götzentalbach das Dörfli. Die Strasse war aufgerissen wie nach einem Erdbeben, Keller und Wohnungen mit Wasser und Schlamm gefüllt. Besonders tragisch: In einem Keller ertranken eine 32-jährige Mutter und ihre 5-jährige Tochter. Das Wasser war durch die Tiefgarage eingedrungen und hatte den Keller bis unter die Decke gefüllt.

Die Tiefgarage ist Teil von zwei Mehrfamilienhäusern, die der Dörfli Immobilien AG gehören. Deren Besitzer liessen die beiden Häuser mit Garage vor rund zweieinhalb Jahren bauen. «Es lebten lauter Familien hier, die alle wunderbar miteinander auskamen», erinnert sich die Eigentümerin. Das Erlebnis sei traumatisch gewesen für die Bewohner. «Es herrschte eine traurige Stimmung.» Deshalb würden sie es verstehen, dass alle weggezogen seien. Für die Bauherrschaft sei deshalb klar gewesen, dass sofort gehandelt werden müsse.

Viertelmillion für Schutz

Gesagt, getan. Neben der Instandsetzung der Häuser, die von der Gebäudeversicherung übernommen wurde, haben die Eigentümer aus eigener Tasche 250 000 Franken in die Hand genommen und Hochwasserschutzverbauungen errichten lassen. So wurden bei der Einfahrt der Tiefgarage anstelle des Zauns, der als Sturzschutz gedient hatte, massive Betonmauern hochge­zogen. Dasselbe geschah beim Notausgang der Garage. Bei der Garageneinfahrt wurde zudem eine Schranke erstellt, die automatisch hochfährt, wenn grössere Wassermengen kommen. Die Entlüftungskamine wurden erhöht, sodass kein Wasser hineinlaufen kann. Und die grossen Lüftungsschächte wurden zugemauert. «Als das Haus gebaut wurde, musste man Lüftungsschächte bei Tiefgaragen dieser Grösse einbauen», erklärt der Bauleiter der Hochwasserschutzmassnahmen. «Mittlerweile haben die Vorschriften geändert, und wir konnten die Schächte schliessen.» Um zu verhindern, dass Wasser in die Wohnungen hineinläuft, können zudem manuell Barrikaden vor Fenster und Türen geschoben werden.

Angst ist noch da

«Es ist jetzt sicher, hier zu wohnen», betont die Eigentümerin, «das Wasser hat keine Chance mehr einzudringen.» Bei potenziellen Mietern scheint dennoch Angst zu herrschen, dass wieder etwas passieren könnte. Denn von acht Wohnungen sind derzeit nur drei vermietet. Immerhin: Eine Familie, die schon vor dem Unwetter hier wohnte, ist zurückgekehrt. «Sie hat erkannt, dass es jetzt sicher ist», so die Besitzerin.

Neuzuzüger wussten nicht Bescheid

Laut dem zuständigen Bauführer gibt es vielerorts Einstellhallen, die eine ähnliche Gefahrensituation aufweisen. «Trotzdem gibt es keine Auflagen für Hochwasserschutz bei der Baubewilligung.» Auch nicht an Orten wie dem Dörfli Dierikon, wo schon öfter der Bach über die Ufer getreten ist. Hinzu kommt, dass gerade Neuzuzüger oft nicht über die Gefahr informiert werden. Dies belegen die Reaktionen an einer Orientierungsversammlung nach dem Unwetter vom Juni 2015, als sich mehrere Anwohner von der Gefahr überrascht gezeigt hatten (Ausgabe vom 10. Juni 2015).

Für viele Dörfli-Bewohner bleibt die Unsicherheit bestehen. Denn die Hochwassergefahr ist nach wie vor nicht ge­bannt. Nach dem Hochwasser wurde zwar das Nötigste in Stand gesetzt. Doch gegen das Projekt des Kantons Luzern sind Einsprachen hängig. Bis zur öffentlichen Auflage wird es Herbst, wie es bei der kantonalen Abteilung Naturgefahren heisst. Die Sanierung des Spechtenbachs, der in der Vergangenheit ebenfalls immer wieder Überschwemmungen angerichtet hat, wurde jedoch vom Kanton sistiert (Ausgabe vom 4. April).

Heute befinden sich dort Hochwasserschutz-Schranken. (Bild Beatrice Vogel)

Heute befinden sich dort Hochwasserschutz-Schranken. (Bild Beatrice Vogel)

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