Hochwasser
Unwetter erhöht Risiko für Verunreinigungen im Trinkwasser

Weil die Pegelstände steigen, könnte unreines Wasser ins Trinkwasser gelangen. Eine Verschmutzung wird daher wahrscheinlicher. Die Abwasserreinigungsanlage in Emmen ist derweil stark ausgelastet.

Pascal Studer
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Wenn Oberflächengewässer – hier der Vierwaldstättersee – in die Kanalisation gelangen, sind Abwasserreinigungsanlagen stark belastet.

Wenn Oberflächengewässer – hier der Vierwaldstättersee – in die Kanalisation gelangen, sind Abwasserreinigungsanlagen stark belastet.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 15. Juli 2021)

Die starken Regenfälle haben auch Auswirkungen auf die Wasserqualität in Luzern. So sind bei Hochwasser Oberflächengewässer – also beispielsweise Seen, Flüsse oder Bäche – eher stärker belastet als in Normalsituationen, heisst es beim Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) des Kantons Luzern. «Es gelangen vermehrt Stoffe von Siedlungs- und Verkehrsflächen und Abschwemmungen von Düngstoffen aus landwirtschaftlichen Nutzflächen ins Gewässer», sagt Sprecherin Andrea Muff. Zudem führten Abschwemmungen zur Trübung der Gewässer.

Sobald grössere Siedlungsflächen überflutet werden, könne es auch vermehrt zu Verunreinigungen mit Heizöl oder Chemikalien aus Industrie und Gewerbe kommen, führt Muff weiter aus. Da im Moment im Kanton Luzern keine grösseren Flutungen von Siedlungsflächen bestehen, fällt diese Art von Verunreinigung im Moment aber nicht ins Gewicht.

Derweil steige jedoch das Risiko für eine Verunreinigung des Trinkwassers bei starken Regenfällen deutlich, schreibt des Gesundheits- und Sozialdepartement (GSD) des Kantons Luzern auf Anfrage. In dieser Situation könne es nämlich zu einem Eindringen von Oberflächenwasser und damit von Krankheitserregern in das Trinkwasser kommen. Daher hat die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz ihre Kontrolltätigkeiten intensiviert. Zudem treffen die Wasserversorgungen vorsorgliche Massnahmen – etwa, indem sie kritische Quellen vom Netz nehmen. Die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz fordert sie ausserdem auf, das Trinkwasser verstärkt zu untersuchen. Das GSD schreibt:

«Damit können allfällige Kontaminationen rasch erkannt werden und die nötigen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit umgehend eingeleitet werden.»

Derzeit muss das Wasser in verschiedenen Luzerner Gemeinden abgekocht werden. Die Wasserversorger haben die Konsumentinnen und Konsumenten in Absprache mit dem Kanton darüber informiert und Abkochvorschriften erlassen. Gegenwärtig laufen die Arbeiten zur Wiederinstandsetzung der betroffenen Versorgungsnetze der Wasserversorger.

Abwasserreinigungsanlage läuft auf Hochtouren

Wegen des Hochwassers dringt etliches See- und Grundwasser in die Luzerner Kanalisation ein. Daher befindet sich derzeit im Zulauf der Abwasserreinigungsanlage Buholz in Emmen viel Regen- und Seewasser. «Die Anlage reinigt bei trockenem Wetter ungefähr 1200 Liter Schmutzwasser pro Sekunde», sagt Martin Zumstein, Geschäftsleiter von Recycling Entsorgung Abwasser Luzern (Real). Da seit Dienstag allerdings die Wassermengen bis zu zehnmal so hoch sind, wird ein Grossteil des Wassers unbehandelt in die Reuss geleitet. «Aufgrund der grossen Verdünnung in der Reuss bei Hochwasser ist dies aktuell jedoch kein Problem», entwarnt Zumstein.

Dennoch ist es gegenwärtig wegen des Unwetters umso wichtiger, dass die Bevölkerung grundsätzliche Regeln einhält. So sollen weiterhin keine festen Stoffe wie Binden und Wattestäbchen oder gar Abfälle ins Abwasser geworfen werden. «Aufgrund der erwähnten direkten Entlastung von Schmutzwasser in die Reuss oder den See würden so Stoffe in die Gewässer gelangen, welche definitiv nicht dorthin gehören», sagt Zumstein. (stp)

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