HOCHWASSERSCHUTZ: Grosse Baustellen an der Kleinen Emme

Nach der Ausweitung der Flussmündung am Seetalplatz für 39 Millionen Franken soll flussaufwärts bereits das nächste Millionenprojekt realisiert werden. An einem anderen Ort harzt es allerdings noch.

Stefan Dähler
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Die Kleine Emme im Bereich der Swiss Steel in Emmenbrücke: Dank neuer Ufermauern soll der Fluss hier sicherer werden. (Bild: Boris Bürgisser (22. Februar 2017))

Die Kleine Emme im Bereich der Swiss Steel in Emmenbrücke: Dank neuer Ufermauern soll der Fluss hier sicherer werden. (Bild: Boris Bürgisser (22. Februar 2017))

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

 

Der Kanton Luzern steckt viel Geld in den Hochwasserschutz der Kleinen Emme zwischen Wolhusen und Emmenbrücke/Luzern. Dabei erhält die Kleine Emme auf weiten Strecken ein völlig neues Erscheinungsbild. Erste Massnahmen wurden bereits umgesetzt, weitere stehen unmittelbar bevor.

Das grösste Teilprojekt, die Umgestaltung der Mündung in die Reuss am Seetalplatz für 39 Millionen Franken, wurde letztes Jahr realisiert. Dabei wurde ein zweiter Flussarm mit einer neuen Insel angelegt. Das gesamte Gebiet Reusszopf wurde zum Naherholungs­gebiet aufgewertet. Schon seit 2011 ist zudem bei Malters das Holzrückhaltebecken Ettisbühl in Betrieb. Dank diesem gibt es in Malters einen kleinen See. Dieser ist das Resultat eines gemeinsamen Projekts von Kanton und der Steiner Energie AG, einer Tochterfirma der CKW. Letztere hat für 10 Millionen ein Wasserkraftwerk gebaut, der Kanton als Schutzmassnahme das danebenliegende Holzrückhaltebecken für 7,5 Millionen Franken. Bei Hochwasser wird die Kleine Emme um das Kraftwerk herumgeleitet, im Becken halten lange Rechen das Schwemmholz auf. Damit soll verhindert werden, dass das Holz Abflüsse verstopft.

Als Nächstes ist nun der Abschnitt entlang des Swiss-Steel-Geländes an der Reihe. Dabei sollen auf der rechten Flussseite neue Ufermauern und steilere Böschungen entstehen. Um den Fluss für die Tiere durchlässiger zu gestalten, werden die Schwellen zurückgebaut. Die Kosten betragen 14 Millionen Franken. Der Kantonsrat muss das Projekt noch bewilligen. Falls er dies tut, beginnen die Arbeiten in der zweiten Augusthälfte dieses Jahres.

Derzeit blockiert ist das Teilprojekt Stägmättli. Auf diesem Abschnitt soll das Flussbett verbreitert und ökologisch aufgewertet werden. Zudem soll ein attraktives Naherholungsgebiet entstehen. Am rechten Flussufer ist ein kleiner Damm geplant. Der Kanton und die Gemeinde Malters können sich jedoch nicht über die finanzielle Beteiligung einigen (Ausgabe vom 20. Juni 2016). Beide sollen je 2,8 Millionen Franken zahlen, was der Gemeinde zu viel ist.

Fluss wird 15 Meter breiter

Im Abschnitt Thorenberg sollen oberhalb der Thorenbergbrücke die Uferbereiche abgeflacht werden. Angrenzende erosionsexponierte Bäume werden entfernt oder gesichert. An der Thorenbergbrücke selbst ist geplant, das Querprofil um rund 8 Meter zu verbreitern. Unterhalb der Brücke soll die Kleine Emme um etwa 15 Meter aufgeweitet werden. Zudem wird die Östliche Bergstrasse in eine Dammlage gebracht – das heisst, sie liegt zukünftig gut 50 Zentimeter über dem bestehenden Terrain. Kosten und Zeitplan sind noch nicht bekannt.

Beim Abschnitt Renggschachen sind eine Aufweitung und eine ökolo­gische Aufwertung geplant. Wann die Arbeiten beginnen und wie viel sie kosten, ist auch hier noch offen.

Die erste Etappe im Abschnitt Rotewald ist im Juni 2016 abgeschlossen worden und hat rund 9 Millionen Franken gekostet. Eine zweite Etappe steht noch an, der Kanton rechnet dafür nochmals mit Kosten von rund 14 Millionen Franken. Die zweite Etappe muss der Kantonsrat noch bewilligen, auch das Vergabeverfahren steht noch an. Rechtsufrig werden im Abschnitt steilere Ufermauern und Böschungen gebaut, linksufrig Sitzstufen, ein Gehweg sowie eine Trockenmauer. Die Schwellen im Flussbett werden teilweise zurückgebaut und der Viscose-Steg verlängert. Weiter werden Lenkbuhnen für die Strömungslenkung gebaut.

Ursprünglich rechnete der Kanton für sämtliche Massnahmen an der Kleinen Emme mit Kosten von 161 Millionen Franken. «Die erwähnten Gesamtkosten waren zur Zeit der Projektausarbeitung aktuell. Je länger man wartet, desto teurer werden die zu realisierenden Massnahmen», sagt Urs Zehnder, Projektleiter in der kantonalen Abteilung Naturgefahren. Ziel ist, die Abflusskapazität auf 750 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu steigern – jene Menge, die beim Hochwasser 2005 gemessen wurde. Zum Vergleich: Durchschnittlich sind es je nach Jahreszeit zwischen 7 und 25 Kubik­meter pro Sekunde.

Grafik Hochwasserschutzmassnahme «Kleine Emme». (Bild: Kanton Luzern / Grafik: Martin Ludwig, Lea Siegwart)

Grafik Hochwasserschutzmassnahme «Kleine Emme». (Bild: Kanton Luzern / Grafik: Martin Ludwig, Lea Siegwart)