Hochwasserschutz: Hergiswald-Brücke in Kriens heisst neu «Conrad-Escher-Brücke»

Zu Ehren desjenigen Mannes, auf den die Renggbachverbauungen zurückgehen, hat die Gemeinde Kriens die Hergiswald-Brücke in «Conrad-Escher-Brücke» umbenannt.

Hugo Bischof
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Die neue Brücke über den Renggbach. Hinten die alte Hergiswald-Holzbrücke.

Die neue Brücke über den Renggbach. Hinten die alte Hergiswald-Holzbrücke.

Bild: Roger Grütter, Kriens, 2. Juni 2016

Die vor vier Jahren erstellte neue Autobrücke über den Renggbach heisst ab sofort «Conrad Escher-Brücke». Dies hat der Stadtrat von Kriens beschlossen. Er ehrt damit den Wasserbaupionier, Gelehrten und national bedeutenden Staatsmann Hans Conrad Escher von der Linth (1767-1823). Dieser spielte bei den Verbauungen am Renggbach eine wichtige Rolle. Die neue Brücke steht etwas oberhalb der 200-jährigen, unter Denkmalschutz stehenden Hergiswald-Holzbrücke, die nicht mehr dem Autoverkehr dient.

Escher hatte 1819 den Renggbach untersucht. Er erkannte als erster, dass beim Renggbach die Wasser- und Geschiebemenge schon im Oberlauf reduziert werden müsse, um die früher berüchtigten Überschwemmungen durch den Renggbach in Kriens und der Stadt Luzern zu verhindern.

Die alte Hergiswaldbrücke und im Hintergrund die neue.

Die alte Hergiswaldbrücke und im Hintergrund die neue.

Bild: Roger Grütter, Kriens, 2. Juni 2016

Über 700 Bachsperren am Renggbach

Eschers Grundidee wurde später umgesetzt. Am Renggbach entstand ein noch heute sichtbares, aufwändig zu unterhaltendes System von gut 700 Bachsperren aus Holz, Stein und Beton. Die Eidgenossenschaft realisierte es ab 1920 für den schon damals sehr hohen Betrag von 1,7 Millionen Franken. Im Unterlauf hält ein Damm zwischen Hergiswaldbrücke und Renggloch das Wasser im Bachbett. Den Unterhalt des im Wald versteckten Bauwerks besorgt die Renggbachgenossenschaft. Der letzte grössere Ausbauschritt wurde nach dem Unwetter von 1980 realisiert. Damals wurden alte Sperren durch neue Betonsperren ersetzt. Für 17,1 Millionen Franken wurde damals das Bachsperrensystem so umgebaut, dass den Bächen schon im Oberlauf die Energie genommen wird, damit sie im Unterlauf einfach vor einem Ausbruch bewahrt werden können. Die Kosten teilten sich damals die Renggbachgenossenschaft zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Kanton Luzern.

Renggbach mit grosser Zerstörungskraft

Rund 30 Bäche fliessen vom Hang des Pilatus oberhalb der Stadt Kriens in den Hauptarm des Renggbachs. Er bringt das Wasser vom Pilatus nach Norden durch das mit Sprengungen vergrösserte «Renggloch» zur Kleinen Emme. Bei heftigen Gewitterstürmen über dem Pilatus kommen ungeheure Wassermassen zusammen. Bei einem Gefälle dieser Bäche von bis zu 850 Metern wächst der Renggbach innert Minuten zum reissenden Strom und entwickelt eine immense (Zerstörungs-)Kraft. Letztmals hat er 1738 sein Bachbett in Richtung Krienbach verlassen und sorgte in Kriens, Horw sowie dem linksufrigen Teil der Stadt Luzern (mit Bahnhof und Pauluskirche) für viel Leid und grosse Schäden.

Die «Schutzgenossenschaft für die Verbauung des Renggbaches und seiner sämtlichen Nebenflüsse in der Gemeinde Kriens» wurde 1920 gegründet. Mitglieder waren damals wie auch heute noch die Einwohner- und Ortsbürgergemeinde Luzern, die Einwohnergemeinde Kriens, die Einwohnergemeinde Horw, die Schweizerischen Bundesbahnen, die Korporationsgemeinde Luzern, die Kirchgemeinde Luzern sowie die Zwinggemeinden Littau und Blatten. 100 Jahre lang sorgte die Renggbachgenossenschaft für den Unterhalt des Hochwasserschutzsystems am Fusse des Pilatus. Jetzt wird die Genossenschaft aufgelöst – die Aufgabe geht mit dem neuen Wasserbaugesetz zurück an den Kanton. Der Ingenieur Conrad Escher und die Renggbachgenossenschaft sind auf der neuen Tafel am Brückenkopf vermerkt. «Sie bleiben so für deren Verdienste in Erinnerung», hält der Krienser Stadtrat fest.