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HOCHWASSERSCHUTZ: Reuss-Projekt wird nachgebessert

Die geplante Fluss-Sanierung lässt noch zu viele Fragen offen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie. Die Regierung geht daher nochmals über die Bücher – will aber nicht an den umstrittenen Landenteignungen rütteln.
Reuss-Hochwasser im Jahr 2013 zwischen Luzern und Emmen. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 1. Juni 2013))

Reuss-Hochwasser im Jahr 2013 zwischen Luzern und Emmen. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 1. Juni 2013))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Es ist ein Jahrhundertprojekt – und diese Bezeichnung ist für einmal nicht übertrieben: 176 Millionen Franken will der Kanton Luzern in den nächsten Jahrzehnten in den Hochwasserschutz der Reuss zwischen Luzern und Honau investieren. Damit soll verhindert werden, dass sich verheerende Überschwemmungen wie im ­August 2005 wiederholen.

Auch wenn dieses Ziel völlig unbestritten ist, scheiden sich die Geister bei der Frage nach dem Wie. Kritisiert wird neben den enormen Kosten vor allem der Plan, der Reuss viel mehr Platz zu geben, auf Kosten von Wald und fruchtbarem Land. So würden beispielsweise 42 Hek­taren landwirtschaftliche Fruchtfolgeflächen geopfert. Im September hat der Kantonsrat die Luzerner Regierung deshalb zu einem Marschhalt verdonnert, verbunden mit der Aufforderung, das Projekt nochmals zu überprüfen.

Erfüllen die Dämme ihre Schutzfunktion?

Das hat die Regierung inzwischen gemacht, indem sie das Hochwasserschutzprojekt durch ein externes Büro evaluieren liess. Die Experten kommen zum Schluss, dass die Stossrichtung des Projekts grundsätzlich stimmt. Sie üben aber auch Kritik am bisherigen Vorgehen des Kantons und fordern Korrekturen in verschiedenen Bereichen. Eine grosse Schwäche ist dabei, dass zahlreiche Details noch nicht präzise geklärt sind. Was passiert, wenn sich das Wasser bei den Zuflüssen staut? Sind die geplanten Dämme wirklich in der Lage, ihre Schutzfunktion zu garantieren? Solche Fragen muss die Regierung nun vertiefter behandeln. Unter anderem wird auch die Höhe der neuen Dämme nochmals überprüft. Das führt dazu, dass das Reuss-Projekt nochmals öffentlich aufgelegt wird. Gemäss Mitteilung der Regierung wird die Überarbeitung mindestens ein halbes Jahr dauern. Danach soll das Projekt neu aufgelegt werden.

Auch wenn die Studienverfasser dem Regierungsrat nun zusätzliche Hausaufgaben verschreiben, so bleiben sie bei einer zentralen Forderung der Projektgegner hart: Bei der Verbreiterung der Reuss können keine Abstriche gemacht werden, stellt die Studie klar. Die 42 Hektaren Landwirtschaftsland müssen also für die Aufweitung des Flussbetts hergegeben werden. Der Grund dafür liegt allerdings nur zum Teil beim Hochwasserschutz selber, sondern eher bei der geplanten ökologischen Aufwertung des Gewässers. Das ist ein weiterer Kritikpunkt der Gegner: Die Hochwassermassnahmen seien zwar nötig, über die ökologische Aufwertung hingegen müsse man diskutieren. Doch dem Kanton sind hier quasi die Hände gebunden: Der Bund, der 80 Prozent der Baukosten übernehmen soll, zahlt nämlich nur, wenn das Projekt auch ökologische Kriterien erfüllt. Der kantonale Baudirektor Robert Küng (FDP) sagt dazu: «Unser Projekt erfüllt die Vorgaben des Bundes sogar nur knapp – Handlungsspielraum für eine Verkleinerung des Gewässerraums gibt es nicht.» Die Regierung sehe den Expertenbericht denn auch als Bestätigung des bisherigen Vorgehens und nicht als grundsätzliche Kritik am Hochwasserprojekt. Einzig der technische Bericht zum Reuss-Projekt müsse noch präzisiert werden.

Möglichst rasch Kauf­verhandlungen aufnehmen

Die Studienverfasser (ein Schwyzer Ingenieurbüro sowie die ETH Zürich) sehen im Megaprojekt auch eine kommunikative Herausforderung für den Kanton. Es gelte, allen Betroffenen aufzuzeigen, dass das Hochwasserschutzprojekt einem guten Zweck diene. Aufgabe des Kantons sei daher auch, Ängste abzubauen. Das sei bisher allgemein zu wenig gemacht worden.

Weiter empfehlen die Verfasser, dass die Regierung möglichst rasch Kaufverhandlungen mit den betroffenen Landwirten aufnimmt, damit die zentrale Frage der Reuss-Verbreiterung bald geklärt werden kann.

Am 1. Juni 2103. Die Reuss führt in Perlen sehr viel Wasser. (Bild: Keystone)

Am 1. Juni 2103. Die Reuss führt in Perlen sehr viel Wasser. (Bild: Keystone)

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