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Hochwasserschutz: Was Luzern vom Wallis lernen kann

Vor 150 Jahren wurde die Rhone im Wallis kanalisiert, jetzt wird sie für über 2 Milliarden Franken saniert. Dazu wird im Stattkino nun ein Dokumentarfilm gezeigt. An der Premiere schlugen Podiumsteilnehmer Brücken zum Reussprojekt.
Gabriela Jordan
Die Podiumsteilnehmer im Stattkino (von links): Moderator Urs Steiger, Regisseurin Mélanie Pitteloud, Emmer Gemeinderat Josef Schmidli, Reuss-Projektleiter Urs Zehnder und WWF-Gewässerexperte Urs Brütsch. Bild: Museng Fischer

Die Podiumsteilnehmer im Stattkino (von links): Moderator Urs Steiger, Regisseurin Mélanie Pitteloud, Emmer Gemeinderat Josef Schmidli, Reuss-Projektleiter Urs Zehnder und WWF-Gewässerexperte Urs Brütsch. Bild: Museng Fischer

Vergleichbar sind die beiden Fluss-Projekte hinsichtlich ihrer Dimensionen nicht: Im Kanton Wallis wird die Rhone auf einer Länge von 160 Kilometern für über 2 Milliarden saniert. Im Kanton Luzern soll die Reuss auf einer Länge von 13 Kilometern für rund 176 Millionen Franken saniert werden. Abgesehen davon sind die Schwierigkeiten und die politischen Diskussionen jedoch die gleichen. Dies ging aus dem Podium im Luzerner Stattkino vom Mittwochabend hervor. Es fand im Anschluss an die Vorstellung des Dokumentarfilms «Dans le lit du Rhône» von Mélanie Pitteloud statt. Nebst der Regisseurin diskutierten Urs Zehnder (Abteilungsleiter Naturgefahren der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur), Josef Schmidli (Baudirektor Emmen) und Urs Brütsch (Gewässer-Experte WWF Zentralschweiz).

Dass sich vieles von der Rhone auf die Reuss übertragen lässt, darin waren sich die vier Redner einig. Auch beim Rhone-Projekt mussten Forderungen der Umweltverbände, Besitzansprüche der Landwirte und Bedürfnisse der Bevölkerung unter einen Hut gebracht werden. Wie im Film zu sehen ist, kämpften zum Beispiel Spargelbauer gegen das Projekt, weil sie dadurch einen Teil ihres fruchtbaren Landes verlieren würden. Das Hauptargument der Regierung vermochte die Mehrheit der Walliser aber zu überzeugen: Um katastrophale Überschwemmungen und Schäden in Millionenhöhe wie im Jahr 2000 zu verhindern, brauche der kanalisierte Fluss mehr Platz. 2015 stimmte die Bevölkerung dem Riesen-Projekt mit 57 Prozent Ja schliesslich zu. Bis 2045 wird der Fluss nun verbreitert und renaturiert, die Bauarbeiten sind bereits im Gang.

Politiker fordern Kompromissbereitschaft

Von einer Abstimmung über das Reuss-Projekt ist man in Luzern noch weit entfernt. Aktuell wird es überarbeitet, um dann das zweite Mal öffentlich aufgelegt zu werden. Auch bei der Reuss ist eine Verbreiterung und Renaturierung vorgesehen. Dass der Kanton erneut mit Beschwerden rechnet, daran liess Urs Zehnder keine Zweifel. Die Ankündigung von Urs Brütsch, dass der WWF weiter für mehr Lebensraum für Fische kämpfen werde, bestätigte dies. «Wir sind nicht gegen das Projekt», betonte er. «Wir wünschen uns aber einige Verbesserungen.» Urs Zehnder führte derweil dasselbe Argument wie damals die Walliser Regierung ins Feld: Die Zeit drängt und ein verbesserter Hochwasserschutz muss so schnell wie möglich realisiert werden. Man erinnere sich an die Überschwemmungen von 2005, die Schäden in Höhe von 345 Millionen Franken angerichtet hätten.

«Grosse Bauprojekte sind immer auch Kommunikationsprojekte», sagt der Emmer Gemeinderat Josef Schmidli.

Unterstützung erhielt Zehnder von Josef Schmidli. Der Emmer Gemeinderat appellierte an die Kompromissbereitschaft der verschiedenen Betroffenen. «Jeder Zustand ist um Welten besser als der jetzige. Nichts machen ist die schlimmste Variante.» Umweltverbände wie auch Land- und Waldbesitzer müssten sich das vor Augen führen. «Diese Überzeugungsarbeit zu leisten, liegt an uns», fügte er hinzu. «Grosse Bauprojekte sind immer auch Kommunikationsprojekte». Auf die Frage von Moderator Urs Steiger, ob denn angesichts des Widerstands gegenüber dem Projekt zu spät kommuniziert wurde, antwortete Urs Brütsch vom WWF: «Die Politik hat viele Versäumnisse gemacht. Realersatz für die Bauern ist auch heute noch keiner da.» Daran arbeite der Kanton im Moment mit Hochdruck, versicherte wiederum Urs Zehnder.

Im Anschluss wurden noch kritische Fragen aus dem Publikum gestellt. So wollte jemand wissen, ob die dringende Sanierung der Reuss an der Kantonsgrenze enden würde und «wieder einmal der Kantönligeist vorherrsche würde». Dem sei nicht so, antwortete Urs Zehnder. «Die Aargauer sind mit der Planung gleich weit wie wir, wenn nicht sogar schon weiter.» Im weniger dicht besiedelten Aargau habe die Reuss ausserdem bereits heute mehr Platz als in Luzern.

Walliser nutzen Rhône nicht als Erholungsraum

Auch ohne Podiumsdiskussion ist der Film «Dans le lit du Rhône» sehenswert. Er wird im Stattkino noch bis anfangs Juni gezeigt. Interessant ist er insbesondere mit Blick auf die Beziehung der Menschen mit dem Fluss. Im Wallis habe die Rhône jahrzehntelang die Rolle eines Feindes gespielt, den man bekämpfen müsse. Thematisiert werden im Film zum Beispiel zahlreiche Ertrunkene sowie Talbewohner, die aufgrund von Überschwemmungen einst ausgewandert sind. Anders als die Reuss werde die Rhone von den Wallisern deshalb kaum als Erholungsgebiet angesehen. Dass der Fluss jetzt aus «seinem Korsett befreit» wird, freue deshalb sowohl Fischer und Naturliebende als auch Ingenieure und Politiker.

Für die Regisseurin Mélanie Pitteloud ist es ihr erster abendfüllender Film. Wie sie an der Premiere sagte, besucht sie stets den Fluss in der Stadt, in welcher ihr Film gezeigt wird. «Als ich an der Reuss stand, kam mir der Gedanke, dass die Reuss und die Rhone nur wenige hundert Meter voneinander am Furkapass entspringen. Eine Schneeflocke könnte somit genauso gut in der Reuss wie in der Rhône landen.» Danach legt die Schneeflocke aber ganz unterschiedliche Wege zurück: Die Reuss mündet über die Aare und den Rhein in die Nordsee, die Rhone fliesst durch Frankreich ins Mittelmeer.

Der Film «Dans le lit du Rhône» wird bis anfangs Juni im Stattkino im Bourbaki gezeigt. Vorstellungen sind am 20./21./27./31. Mai (11 Uhr), am 3. Juni (11 Uhr) sowie am 9./10. Juni (16 Uhr). Mehr Infos gibt es hier, um den Trailer zu schauen, klicken Sie hier.

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