Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Höhere Effizienz durch Zeitlimite? «Das ist eine Illusion»

Abrechnung Die Tarifstruktur Tarmed, die der Abrechnung von ambulanten ärztlichen Leistungen in Arztpraxen und Spitälern mit einem Einzelleistungstarif dient, muss überarbeitet werden. Bundesrat Alain Berset will mit der Anpassung 470 Millionen Franken sparen. Dass dies Einschränkungen für die Ärzte zur Folge hat, liegt auf der Hand. Besonders betroffen sind Spezialärzte, also auch Psychiater. Andreas Hirth (48) führt in der Stadt Luzern seit 2009 eine Praxis für Kinder- und Jugend- sowie Erwachsenenpsychiatrie. Er stört sich an neuen Limitationen und an der Lohneinbusse.

Andreas Hirth, häufig ist der Lohn der Ärzte in den Tarifdiskussionen ein Thema. Man könnte argumentieren, Mediziner seien gut bezahlt.

Ich beklage mich nicht über meinen Lohn. Ich habe mein Spezialgebiet aus Freude am ganzheitlichen Zugang zum Menschen gewählt. Eigentlich wäre es wünschenswert, genau diese Art von Medizin zu fördern, die den Patienten als Ganzes – also sowohl die psychologische als auch die körperliche Komponente – betrachtet und entsprechend behandelt.

Weniger Geld ist also nicht das Argument. Was stört Sie dann?

Ich sehe vor allem den Punkt mit der «neuen Tarifierung der Leistung in Abwesenheit des Patienten» sehr kritisch. Also jene Arbeit, die wir tätigen, wenn der Patient nicht bei uns ist.

Was wird sich ändern?

Die Nachbearbeitungszeit für Telefonate, Dokumentationen und die Gesamtdauer für Besprechungen ist limitiert. Wir können – vereinfacht – ab 2018 für solche Leistungen pro drei Monate und pro Patient noch maximal drei Stunden abrechnen. Ursprünglich waren sogar nur 1,5 Stunden vorgesehen. Dies, obwohl der Bundesrat angekündigt hat, die neuen Regelungen für Behandlungen von kleinen Kindern, alten Menschen und psychisch Kranken nicht umzusetzen.

Reichen denn drei Stunden nicht?

Es gibt sicher Fälle, wo diese Zeit ausreicht. Aber es gibt auch Patienten, für die man mehr Zeit aufwendet. Wenn ich beispielsweise ein Kind betreue, welches die Schule verweigert, dann stehe ich in engem Austausch mit Lehrern, Eltern, Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen. Diese Gespräche finden auch oft ohne Kind statt. In einem solchen Fall sind drei Stunden zu wenig. «Leistung in Abwesenheit» ist eben nicht nur Aktenstudium. Das ist zu kurz gegriffen. Besonders bei den Psychiatern spielt die Vernetzung eine zentrale Rolle.

Was meinen Sie damit?

Der Psychiater muss im Austausch mit allen Beteiligten stehen. Ich behandle auch Patienten, die chronische Krankheiten haben und die anderweitig ärztlich begleitet werden. Ein Beispiel: Wird mir eine Person zugewiesen, um abzuklären, ob sie an einer Depression leidet, konsultiere ich zumindest ihren Hausarzt. Der depressiven Verstimmung könnten auch medizinische Ursachen zugrunde liegen. Viele Krankheitsbilder benötigen interdisziplinäre Beratung. Wollen wir Patienten mit bestem Wissen betreuen, dann braucht es diese enge Zusammenarbeit. Solche Gespräche sollten nicht limitiert sein. Diese Effizienzsteigerung durch Limitationen ist eine Illusion.

Wie muss man das verstehen?

Ein Beispiel: Eine Patientin hat ein akutes Problem und ruft an, bittet um Hilfe. Wenn ich das Gespräch dann nach zwanzig Minuten beende – so viel werde ich ab 2018 abrechnen können –, habe ich ihr vielleicht nicht helfen können. Es geht darum, dass der Psychiater in solchen Situationen Sicherheit vermitteln kann. Das braucht Geduld und Zeit. Habe ich diese nicht, tut sich die Person schlimmstenfalls etwas an, endet auf der Notaufnahme und generiert dort Kosten. Beim Psychiater ist das Gespräch das A und O. Das soll nicht limitiert sein.

Interview: Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.