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Zentralschweiz: Hoffnung für FDP, Absturzgefahr bei CVP

Die SVP holt auf, die früher dominierenden Mitteparteien CVP und FDP brechen ein. Das zeigt die Analyse der Wählerstärken in den sechs Zentralschweizer Kantonen seit 1972. Ganz so krass wird sich die Geschichte nicht fortsetzen, sagt Politologe Michael Hermann.
Lukas Nussbaumer

Ob- und Nidwalden haben in diesem Frühjahr gewählt, Zug tut es im Oktober, Luzern im kommenden März, Schwyz und Uri ein Jahr später: Die Zentralschweiz befindet sich im Wahlfieber. Grund genug, die Entwicklung der Parteistärken in den sechs Zentralschweizer Kantonen seit der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auffällig sind vor allem drei Punkte: Die grossen Verluste der CVP, die etwas geringeren der FDP – und die Riesengewinne der SVP. Ins Auge sticht daneben die unbedeutende Rolle, die andere Parteien in der Zentralschweizer Politik spielen (siehe Grafik). Der renommierte Zürcher Politgeograf Michael Hermann analysiert die Vergangenheit – und er blickt voraus.

In Luzern und Uri hat die CVP das grösste Stabilisierungspotenzial

Kann eine Partei noch tiefer fallen, als die CVP seit 1971 gefallen ist? «Ja, sie hat noch nicht alle Luft nach unten verbraucht», sagt Hermann. Es sei für die Partei der Katholiken in einer Zeit, in der die Konfession für viele an Bedeutung verliere, «extrem schwierig, sich zu erholen». Am ehesten in der Lage, den Niedergang zu stoppen, seien die Sektionen in Luzern und Uri, glaubt Hermann. Das sind auch jene Kantonalparteien, die im Zentralschweizer Vergleich am wenigsten Einbussen hinnehmen mussten.

Veränderung der Wähleranteile der Parteien im Kanton Luzern

(in Prozent)
1975
2015
CVPFDPSVPSPGrüneGLPCSPLDUSDÜbrige*01020304050

* Die Anteile aus dem Jahr 2015 (1,1 Prozent) beziehen sich auf die Parteien BDP und EVP.

Landesweit betrachtet, hat die CVP Obwalden den grössten Abstieg hinter sich, gefolgt von der St. Galler Sektion, die seit 1972 ein Minus von 27,8 Prozent hinnehmen muss. Nach wie vor am stärksten ist die CVP im Wallis, wo der seit 1971 gemessene Verlust von 18,1 Prozent ähnlich hoch ist wie in Luzern.

Veränderung der Wähleranteile der Parteien im Kanton Obwalden

(in Prozent)
1986 (erstmals Proporzsystem)
2018
CVPFDPSVPSPGrüneGLPCSP**LDUSDÜbrige*0204060

* 1986: Bauernliste, Offene Liste, Junge Liste Kerns, Wählergruppe Sachseln, Partei-Unabhängige, ** CSP-OW, IG für eine saubere Justiz

SVP kann nach Schwyz auch in Nidwalden die Nummer 1 werden

Deutlich besser gehalten als die CVP hat sich in der Zentralschweiz die FDP. Dies deshalb, weil sie für klarere Positionen stehe, sagt Hermann. Er traut den Freisinnigen denn auch zu, in der Zentralschweiz die Trendwende zu schaffen.

Der Politologe traut es der SVP hingegen nicht zu, im Kanton Luzern wählerstärkste Partei zu werden – das erklärte Ziel von Parteipräsidentin Angela Lüthold (Beitrag vom 23. Juli). So sei in der SVP nicht mehr die gleiche Dynamik zu spüren wie vor den letzten Wahlen, als die politische Grosswetterlage mit dem dominierenden Thema Migration besser auf die Volkspartei zugeschnitten gewesen sei. Zur Nummer 1 aufsteigen könnte die SVP bei den nächsten Wahlen dagegen in Nidwalden, glaubt Hermann. In Nidwalden beträgt der Abstand zwischen den drei Grossen FDP, CVP und SVP nur gerade 2,1 Prozentpunkte.

Veränderung der Wähleranteile der Parteien im Kanton Nidwalden

(in Prozent)
1982 (erstmals Proporzsystem)
2018
CVPFDPSVPSPGrüneGLPCSPLDUSDÜbrige*01020304050

* 1982: Bauernstand Dallenwil, Demokratisches NW, 2018: Unabhängig Politisieren, Parteilose

Zentralschweizer Arbeiter wählten CVP und CSP – nicht SP

Meilenweit von einer Nummer-1-Position entfernt sind in Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden sowie Zug die linken Parteien. Sowohl die SP als auch die Grünen backen kleine Brötchen. Die bürgerliche Dominanz auf besonders bittere Art erfahren musste die Luzerner SP, die ihren Regierungssitz bei den Wahlen 2015 an die SVP verlor – und die im Frühjahr grosse Mühe haben wird, das zwischen 1959 und 2015 ohne Unterbruch gehaltene Mandat zurückzuerobern.

Veränderung der Wähleranteile der Parteien im Kanton Zug

(in Prozent)
1974
2014
CVPFDPSVPSPGrüneGLPCSPLDUSDÜbrige*01020304050

* 2014: Gemeinsame Liste Grüne, Christlich-Soziale, Junge Alternative, Piratenpartei

Für die Sozialdemokraten, sagt Michael Hermann, sei eine «massive Steigerung ihres Wähleranteils in der Zentralschweiz als einer der landesweit konservativsten Regionen äusserst schwierig zu erreichen». Hermann führt die geringe Verbreitung der SP vorab auf drei Gründe zurück: Erstens sei die SP als traditionell areligiöse Partei in einer katholisch geprägten Region naturgemäss wenig populär, zweitens habe die Industrialisierung in der Schweiz vor allem in den reformierten Gebieten stattgefunden, und drittens hätten die hiesigen Arbeiter ihre politische Heimat früher bei der CVP oder der ihr nahe stehenden CSP gefunden.

Von den Kleinparteien hat nur die GLP «ein gewisses Potenzial»

Wenig Hoffnung machen auf hohen Zuspruch in der Zentralschweiz können sich die drei Kleinparteien GLP, BDP und EVP. Ein «gewisses Potenzial» spricht Hermann am ehesten der GLP zu – und zwar im Kanton Luzern. Dort also, wo die seit den letzten kantonalen Wahlen gerade noch mit Fraktionsstärke im Parlament vertretene Partei 2011 ihren grössten Erfolg feiern konnte: den Gewinn eines Nationalratssitzes durch den heutigen Parteipräsidenten und Regierungsratskandidaten Roland Fischer – auf Kosten der SVP. Ausser in Luzern haben die Grünliberalen in der Zentralschweiz bis jetzt erst in Schwyz und Zug Fuss gefasst, wo sie beidenorts im Kantonsrat vertreten sind.

Von Parlamentsmandaten können BDP und EVP als reformierte Parteien in der katholisch dominierten Zentralschweiz nur träumen. Beide sind wie die GLP nur in Luzern und Schwyz präsent. Selbst mit aussergewöhnlichen Aktionen oder besonders originellen lokalen Köpfen kämen diese beiden Parteien in absehbarer Zeit auf keinen grünen Zweig, prognostiziert Hermann: «Die Wähler identifizieren sich vor allem über nationale Themen und Figuren.» Ein gutes Beispiel dafür sei das Entlebuch. Bei den nationalen Wahlen erziele die SVP in diesem Wahlkreis jeweils Spitzenwerte, bei den kantonalen nur durchschnittliche.

Veränderung der Wähleranteile der Parteien im Kanton Schwyz

(in Prozent)
1972
2016
CVPFDPSVPSPGrüne*GLPCSPLDUSDÜbrige01020304050

* 2016: Gemeinsame Liste von SP, Grünen und Unabhängigen

Die Ergebnisse der letzten beiden Wahlen von 2015 und 2011 stützen diese Aussage: Bei den Nationalratswahlen stieg die SVP 2015 im Entlebuch zur stärksten Partei vor der CVP auf, während sie bei den Kantonsratswahlen im gleichen Jahr an Stärke einbüsste – und zwar im grösseren Umfang als die CVP, die ihre Nummer-1-Position locker verteidigen konnte.

Veränderung der Wähleranteile der Parteien im Kanton Uri

(in Prozent)
2008 (erstmals berechnet)
2016
CVPFDPSVPSPGrüneGLPCSPLDUSDÜbrige*0102030

* Übrige Parteien: 2008 – gemeinsame Liste SP, Grüne Bewegung, Juso, Gewerkschaftsbund, Vereinzelte in Majorzwahlkreisen, Parteilose im Majorzwahlkreis Realp. 2016 – gemeinsame Liste SP, Grüne, Juso Gewerkschaftsbund, Vereinzelte aus Majorzwahlkreisen.

SVP ist auch in anderen Regionen auf dem Weg zur Nummer 1

Fast nicht vorstellbar – aber eine Tatsache: Vor rund 40 Jahren war der heute nicht mehr existente LdU (Landesring der Unabhängigen) in mehreren Kantonen stärker als die SVP. 20 Jahre später zeichnete sich der Weg der SVP nach oben bereits ab, wie der Blick in die Zahlenreihen des Bundesamts für Statistik zeigt. So breitete sich die Partei in der Zentral- und Westschweiz aus.

Noch einmal 20 Jahre später stieg die SVP in neun Kantonen zur Nummer 1 auf, in der Zentralschweiz allerdings einzig im Kanton Schwyz. Bemerkenswert: Die CVP ist aktuell noch immer in sieben Kantonsparlamenten die wählerstärkste Partei. Vor 40 Jahren nahm sie die Spitzenposition in acht Kantonen ein, die SVP damals bloss im Kanton Bern. Die FDP liegt derzeit in sieben Kantonen vorne (vor 40 Jahren erst in fünf), die SP nur noch in einem (fünf vor 40 Jahren). (nus)

Hinweis: Mehr Informationen zu den Parteistärken beim Bundesamt für Statistik

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