Lehre aus «Notre Dame»-Brand: In den Luzerner Hofkirchetürmen wird der Brandschutz verstärkt

In den Glockenstuben und hölzernen Turmhelmen der Hofkirche Luzern gab es bis jetzt keine Brandmelder. Das wird jetzt nachgeholt. Sprinkleranlagen wird es aber keine geben.

Hugo Bischof
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Vor gut einem Jahr, am 15. April 2019, kam es zum verheerenden Brand in der Kathedrale Notre Dame in Paris. Erinnern Sie sich noch?

Die Schäden waren immens, der Wiederaufbau wird Jahre dauern. Das Ereignis löste weltweit Entsetzen und Trauer aus. Kann so etwas auch bei uns passieren, fragte man sich vielerorts – auch in Luzern.

Der Fokus in Luzern richtete sich auf die Hofkirche, die ähnlich wie «Notre Dame» einen hölzernen Dachstock hat. Einer, der sich immer wieder mit Vorschlägen für die Erhaltung von Luzerner Kulturgütern zu Wort meldet, ist der in der Luzerner Hofpfarrei aufgewachsene und mit ihr stark verbundene Unternehmensjurist Loris Fabrizio Mainardi. Auch in Sachen Brandschutz wies er schon kurz nach dem «Notre Dame»-Brand auf Verbesserungsmöglichkeiten hin. Die Brandmelder in den Hofkirchetürmen reichten nur bis unter die Glockenstuben, monierte er: «Sowohl in den hölzernen Glockenstuben mit ihren Elektroanlagen wie auch in den hölzernen Turmhelmen, die ihrerseits 40 Meter hoch sind, gibt es keinen Brandschutz.»

In den hölzernen Turmhelmen der Hofkirche gab es bis jetzt keine Brandmelder.

In den hölzernen Turmhelmen der Hofkirche gab es bis jetzt keine Brandmelder.

Bild: Nadia Schärli,
Luzern, 20. April 2020

Überprüfung der Elektroinstallationen

Eine Überprüfung der Elektroinstallationen und eine Nachrüstung der Türme mit Brandmeldern und allenfalls auch Sprinkleranlagen dränge sich auf, forderte Mainardi. Ein weiteres Ereignis bestärkte ihn in seiner Ansicht, nämlich der Brand in der Kirchturmspitze der reformierten Kirche von Herzogenbuchsee am Heiligabend 2019, der einen Schaden in Millionenhöhe verursachte. Mainardi betonte:

«Gerade ein Feuer in den schwer zugänglichen Türmen stellt bei deren Einsturz eine Gefahr für das ganze Kirchengebäude dar.»

Das hätten die beiden erwähnten Fälle deutlich gezeigt. Stefan Meyer, Leiter Fachbereich Bau und Infrastruktur der Katholischen Kirche Stadt Luzern, sagt dazu auf Anfrage:

«Grundsätzlich entspricht die Brandmeldeanlage in der Hofkirche dem gültigen, in Zusammenarbeit mit der Gebäudeversicherung erarbeiteten Konzept.»

Der gesamte Dachstock bis zum First, inklusive der Seiten-Estriche, sei seit Jahren komplett mit Brandmeldern ausgerüstet, die bei Rauchentwicklung einen Alarm auslösen. Meyer bestätigt aber, dass Brandmelder zurzeit nur «bis unterhalb der Glockenstube» installiert sind. Auch das entspreche jedoch dem gültigen Konzept.

Dennoch soll der Brandschutz in der Luzerner Hofkirche nun «weiter optimiert» werden, sagt Meyer – nicht zuletzt aufgrund der Erkenntnisse aus dem Brand von Paris. Dazu werden die Brandmelder im Verlauf dieses Jahres bis zu den Turmspitzen erweitert. Meyer: «Wir stehen im Zusammenhang mit diesen Arbeiten im Austausch mit Brandschutzexperten der Gebäudeversicherung sowie mit der Denkmalpflege.»

Die bestehende Brandmeldeanlage in der Hofkirche sei 2019 erneuert und auf den neuesten Stand gebracht worden, betont Meyer: «Ältere Brandmelder wurden ersetzt, alle Installationen entsprechend gewartet.» Im Juni 2019, also kurz nach dem Brand in der Kathedrale Notre Dame, sei in den Glockenstuben mit den Elektroanlagen überdies der Überspannungsschutz erneuert worden: «Sobald die Spannung im Stromnetz eine gewisse Grenze überschreitet, zum Beispiel verursacht durch Blitzeinschlag, wird die Sicherung ausgelöst, und der Strom fällt aus.» Es könne in diesem Bereich also keinen Brand durch Kurzschluss geben.

Andere Kirchtürme in der Schweiz sind besser geschützt

Gemäss Loris Fabrizio Mainardi sind die Kathedraltürme in St. Gallen, Bern und Solothurn bis zuoberst mit Brandmeldern ausgestattet, zum Teil auch mit Sprinkler-Anlagen. Er betont:

«Meines Erachtens ist das Schadenpotenzial in der Hofkirche – aufgrund der verhältnismässig viel grösseren Holzkonstruktion in den langen Turmhelmen – noch um einiges grösser als in den genannten Kirchen.»

Mainardi verweist auf die schweizweit gültigen Normen und Richtlinien der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen (VKF). Gemäss diesen sind Bauten und Anlagen «mit ausreichend dimensionierten Einrichtungen für den technischen Brandschutz auszurüsten». In «grossen und komplexen Bauten und Anlagen» seien Brandmelde- und Sprinkleranlagen zu installieren.

«Ich kenne die Situation in den genannten Kirchen nicht und kann sie daher nicht beurteilen und auch nicht mit der Hofkirche vergleichen», sagt Stefan Meyer. Dennoch: Könnten Sprinkleranlagen allenfalls auch in der Hofkirche ein Thema werden? Dazu sagt er: «Durch die Überwachung mit einer direkt zur Feuerwehr geschalteten Brandmeldeanlage ist der Schutz genügend gewährleistet.» Zudem, so Meyer:

«Eine Sprinkleranlage könnte durch einen Fehlalarm ausgelöst werden und grossen Schaden verursachen.»

Fehlalarme gibt es gemäss Meyer ab und zu, etwa ausgelöst durch Handwerker oder durch Staubentwicklung.

Gemäss Meyer sind die anderen grossen Kirchen in Luzern, die Jesuiten- und die Franziskanerkirche, bereits seit längerem bis zuoberst in die Türme mit Brandmeldern ausgestattet. Der Brandschutz in der Peterskapelle wurde bei deren Renovierung im Jahr 2018 erneuert. Alle Brandmeldeanlagen in den Luzerner Kirchen sind scharf geschaltet. Meyer betont: «Wenn ein Alarm losgeht, ist innert kürzester Zeit ein Grossaufgebot der Feuerwehr vor Ort.»