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HOFKIRCHE: «Überzeugtes Ja zu Luzern»

Ruedi Beck ist der designierte Stadtpfarrer in der Hofkirche. Er erklärt, was die Luzerner von den Baslern unterscheidet – und was er von Guuggenmusigen in der Kirche hält.
Ruedi Beck (51) wirkt zurzeit in Basel. 2016 wird er Stadtpfarrer in Luzern. (Bild: PD)

Ruedi Beck (51) wirkt zurzeit in Basel. 2016 wird er Stadtpfarrer in Luzern. (Bild: PD)

Ruedi Beck, Sie sind der designierte neue Pfarrer der Hofkirche. Wie kam es dazu?

Ruedi Beck*: Der Bischof hat mich gefragt, und ich habe Ja gesagt. Es sprach nichts dagegen, nach 12 Jahren hier in Basel ist ein Wechsel realistisch.

Müssen oder wollen Sie nach Luzern?

Beck: Tatsächlich hätte ich mich wohl nicht aktiv auf die Stelle beworben. Ich habe mir eigentlich noch nie einen Platz selber ausgesucht oder gewünscht. Immer war da ein Ruf, auf den ich antwortete. Und die Antwort auf den Ruf von Luzern ist ein überzeugtes Ja. Der Bischof musste mich nicht lange überzeugen, unser Gespräch dauerte eine halbe Minute. Ich freue mich auf die neue Herausforderung!

Wo sehen Sie die primären Unterschiede zwischen Ihrem alten und Ihrem neuen Wirkungsfeld?

Beck: Die Mentalität ist sicher anders. Basel ist eine Stadt an der Grenze, in der die Integration von Fremden eine lange Tradition hat. Man kommt hier sehr rasch mit ganz verschiedenen Menschen in Kontakt. Die Luzerner sind diesbezüglich reservierter, traditionsbewusster, die katholische Prägung ist spürbar.

Die hiesige katholische Kirche gibt sich indes gerne progressiv. Man denke an die Kondomverteil-Aktion oder die Forderung des kantonalen Kirchenparlaments nach dem Frauenpriestertum. Wie sehen Sie das?

Beck: Da bin ich wohl eher pragmatisch. Mich interessieren mehr die konkreten Situationen und weniger das demonstrative Zeichensetzen. Ein Beispiel: Migranten, die in Not sind, finden bei uns offene Türen – auch wenn dies nicht allen Menschen gefällt. Wir vermitteln auch Unterkünfte für abgewiesene Flüchtlinge. Einmal wurden wir dafür vom Staat verklagt, bekamen aber Recht, weil der Staat seine Sorgfaltspflicht missachtet hatte.

Neben der Flüchtlingsarbeit stehen Sie auch für eine neue Form einer Mitmachkirche. In Basel wird bereits eine Kirche ganz von Laien betreut. Auch in Luzern soll es in diese Richtung gehen. Was braucht es dafür?

Beck: Eine neue Form der Bildung! Es braucht zunächst eine Gemeinschaft, die sich radikal aufeinander einlässt. Laien lernen dann zu vertrauen, dass sie vom Wort Gottes direkt angesprochen sind. Schliesslich müssen sie lernen, den eigenen Glauben zu reflektieren. Das alles dauert Jahre, erst dann übernehmen Laien auch Leitungsverantwortung.

Ob die Luzerner für so ein Engagement offen sind? Gerade die Hofkirche ist eher eine Konsumkirche, man will einfach die schöne Liturgie und die Kirchenmusik geniessen.

Beck: Zunächst komme ich selbst als Lernender. Die Luzerner werden mich bilden, zum Beispiel im Bereich der Kirchenmusik, die mir wenig vertraut ist. Ich komme mit dem Wunsch, dass wir uns zusammen auf den Weg begeben, ein Weg, von dem ich aber nicht weiss, wohin er führt. Aber ich glaube schon, dass es gut ist, wenn Projekte von den Menschen getragen sind, selbst wenn es anfangs nur wenige mit viel Leidenschaft sind. Wenn etwas nur mit Geld ermöglicht werden soll, besteht die Gefahr, dass die Kirche eine reine Konsumkirche wird.

Sie sind Mitglied der Fokolar-Bewegung, einer frommen Gemeinschaft, die sich stark im interreligiösen Diskurs engagiert. Welchen Einfluss hat sie auf Sie?

Beck: Die Fokolar-Bewegung lehrt mich, dass alle Menschen Geschwister und Söhne und Töchter des einen Gottes sind. Sie impft mir eine Radikalität des Dialogs ein. Dank dieser Überzeugung kann ich zum Beispiel auch komplett offen auf Muslime zugehen.

Die Fokolari gelten als sehr liebe Menschen, die kaum je streiten. Wie konfliktfähig sind Sie?

Beck: Ich gehöre nicht zu jenen, die finden, Streit gehöre sich in der Kirche nicht. Vom Temperament her habe ich Konflikte nicht ungern, hier in Basel hatte ich während schwieriger Jahre der Umstrukturierung einige davon. Bei den Fokolari ist es so, dass man lange in grosser Einmütigkeit der Gründerin Chiara Lubich folgte. Seit ihrem Tod vor sieben Jahren gibt es durchaus leidenschaftliche Richtungsdiskussionen.

Trotz Konflikten: Sie wirken ausgesprochen gelassen. Wie machen Sie das?

Beck: Ja, ich bin ein sehr zufriedener Mensch. Nach dem konfliktreichsten Tag kann ich auf dem Velo nach Hause fahren, und alle Sorgen sind weg. Manchmal frage ich mich gar, ob ich das Leben zu wenig ernst nehme.

Wie gut verstehen Sie Menschen, die sich viele Sorgen machen?

Beck: Das nervt mich tatsächlich manchmal, gerade in der Kirche macht man sich wahnsinnig viel Sorgen. Aber ich bin daran, mehr Verständnis dafür zu entwickeln. Die wenigsten wählen sich das aus.

Vom Typ her sind Sie wohl eher der christliche Aktivist als der Seelsorger?

Beck: Ja. Ich könnte wohl tatsächlich kaum als Spitalseelsorger arbeiten. Ich habe eher das Talent, Menschen zu aktivieren, zu ermächtigen, in die Freiheit zu führen. Oft kommen Menschen zu mir, die in Zwängen gefangen sind. Sie haben das Gefühl, jeden Sonntag in die Kirche zu müssen. Da geht es zuerst darum, frei von Idealen und Regeln zu werden, frei für einen eigenen tiefen und ehrlichen Entscheid. Diese Befreiung ist die Kernbotschaft des Evangeliums.

Obwohl Sie also selbst kirchliche Regeln nicht absolut sehen, begleitet Sie der Ruf eines Konservativen. Wie kommt das?

Beck: Sagen wir es so: Ich habe grosse Achtung vor kollektiven Errungenschaften. Zum Beispiel der Liturgie, wie sie über Jahrhunderte gewachsen ist. Da bin ich tendenziell konservativ, wenn vorschnell etwas geändert werden soll.

Wie stehen Sie demnach zu den fasnächtlichen Guuggenmusig-Gottesdiensten?

Beck: Wenn das ein Bedürfnis ist, soll das ruhig bleiben. Auch wenn ich selber kein Fan von Guuggenmusig bin. Ich werde es ertragen (lacht).

Interview Remo Wiegand

Zur Person

Ruedi Beck (51) wuchs in Lenzburg auf und studierte Theologie in Luzern und Freiburg. Er arbeitete als Vikar in Sursee und Grenchen und wurde 2003 Pfarrer in Basel. Seine neue Stelle in der Hofkirche tritt Beck am 15. August 2016 an.

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