Hohe Dividende und tiefe Tarife schmälern Gewinn

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Jahresbericht Die Luft wird für das Luzerner Kantonsspital (Luks) immer dünner. Es hat im letzten Jahr bei einem Umsatz von 905,4 Millionen einen Gewinn von 26,5 Millionen Franken erzielt, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Das sind 18,4 Millionen oder 41 Prozent weniger als 2015. Für den Rückgang sind drei Gründe verantwortlich, führt Spital­direktor Benno Fuchs auf Anfrage aus: «Die ambulante Vergütung sowie die Baserate im stationären Bereich sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunken.»

Zweitens sei der Personalaufwand gestiegen, weil das Arbeitsgesetz neu umgesetzt worden ist, die Mehrleistungen einen höheren Stellenbedarf mit sich brachten und die Stellenbesetzung am Luks allgemein gut sei. Drittens hätten wegen dringender Ersatz- und Neuinvestitionen höhere Abschreibungen getätigt werden müssen. «In Anbetracht dieser Einflüsse sind wir mit dem Ergebnis gut zufrieden», bilanziert Fuchs. «Wir sind medizinisch und wirtschaftlich eines der ­erfolgreichsten Spitäler der Schweiz.»

8,8 Millionen Franken bleiben übrig

Getrübt wird das Ergebnis durch die Tatsache, dass der Kanton als Eigner des Spitals vom Gewinn 17,7 Millionen Franken als Dividende abzieht (2015: 17,9). Damit bleiben dem Spital nur noch 8,8 Millionen Franken übrig. «Wir anerkennen den Anspruch des Kantons auf einen Gewinnanteil», sagt Fuchs dazu diplomatisch. Allerdings räumt er ein, dass das Luks für die geplanten Investitionen von rund 2,1 Milliarden möglichst viele Eigenmittel erarbeiten muss. Und jeder Franken, der als Dividende abfliesst, müsse wieder durch Fremdkapital beschafft werden.

Denn das Luks sei 2008 ohne ausreichend liquide Mittel verselbstständigt worden. Heutzutage sei das Beschaffen von Krediten aufgrund der Negativzinsen zwar kein Problem. In einigen Jahren könne das aber anders aussehen. Auch in politischer Hinsicht dürfte der Druck im Gesundheitswesen weiter zunehmen. So hat Bundesrat Alain Berset (SP) bereits angekündigt, den sprichwörtlichen Tarif durchzugeben, da sich Spitäler, Krankenkassen und Arztverbände nicht auf einen neuen ambulanten Tarif einigen konnten. «Die Diskussion ist damit für die nächsten Monate lanciert, da mit der Verordnung des Bundes rund 700 Millionen Franken eingespart werden sollen», sagt Spitaldirektor Benno Fuchs.

Immerhin: Bei den eigenen Projekten ist das Luks auf Kurs, wie der Spitaldirektor erklärt. Beim Neubau in Wolhusen seien Planerteams nun daran, bis Ende 2017 Studien auszuarbeiten. Am Hauptstandort in Luzern werde die Gesamtplanung vorangetrieben, mit Fokus auf das Kinderspital. Und in Sursee, wo die Region um ihren Standort bangt (Ausgabe vom Mittwoch)? Fuchs: «Ein Neubau am bestehenden Standort oder in der Region Sempachersee ist unbestritten.» Die Investitionen sind angesichts der steigenden Patientenzahlen auch dringend nötig. 42 760 Patienten wurden letztes Jahr stationär betreut, 1318 mehr als 2015. Zudem gab es 596 798 ambulante Patientenkontakte, ein sattes Plus von 24 724 gegenüber 2015. Ein Rekord in beiden Bereichen.

Dass der ambulante Teil stärker wächst, ist politisch gewollt. «Wir werden aber auch in Zukunft nur dann ambulante Eingriffe vornehmen, wenn es medizinisch vertretbar ist», ergänzt Fuchs mit Blick auf die Pläne von CVP-Gesundheitsdirektor Guido Graf (siehe Artikel oben). Mehr Patienten bedeuten auch mehr Beschäftigte. 6853 Angestellte zählte das Luzerner Kantonsspital an allen Standorten per Ende 2016, 246 mehr als ein Jahr zuvor.

 

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch