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HOHENRAIN: Beat Wolfisberg ist der beste Lehrling im Kanton Luzern

Mit der Note 5,9 hat der frisch diplomierte Landwirt Beat Wolfisberg den besten Abschluss im ganzen Kanton erzielt. Und das mit einem speziellen Lehrmeister.
Evelyne Fischer
Noch bis Ende Jahr hilft er auf dem elterlichen Hof mit, dann zieht es Beat Wolfisberg (24) nach Kanada. Für den besten Lehrabschluss erhielt der Hohenrainer von der Schule eine Treichel. (Bild Pius Amrein)

Noch bis Ende Jahr hilft er auf dem elterlichen Hof mit, dann zieht es Beat Wolfisberg (24) nach Kanada. Für den besten Lehrabschluss erhielt der Hohenrainer von der Schule eine Treichel. (Bild Pius Amrein)

Evelyne Fischer

Er ist keiner, der seinen Erfolg an die grosse Glocke hängt. Dabei hätte er allen Grund dazu: Mit der Note 5,9 ist Beat Wolfisberg der Überflieger der Luzerner Lehrabgänger. Keiner schloss besser ab. «Ich habe für die Prüfungen in Praxis und Theorie wohl zwei gute Tage erwischt», sagt der Hohenrainer bescheiden. Was zur glatten Sechs gefehlt hat? Der frisch diplomierte Bauer zuckt mit den Schultern. «Für mich eigentlich nichts. Und was die Experten vermissten, werde ich nie erfahren.»

Nicht nur dank seinem Spitzenresultat hebt sich Wolfisberg von anderen ab. Mit 24 Jahren war er auch älter als seine Kameraden. Er absolvierte die Lehre zum Landwirt wie 26 andere im Kanton als Zweitausbildung, das Fähigkeitszeugnis zum Zimmermann hatte er bereits im Sack. «Weil es meine Zweitausbildung war, machte ich mir weniger Druck. Eine Fünf setzte ich mir aber zum Ziel», sagt Wolfisberg. Übermässig gebüffelt habe er nicht. «Wer motiviert ist, bekommt schon im Unterricht viel mit.» Vor wichtigen Examen habe er jeweils den Vorabend investiert, in der Woche der Abschlussprüfung ausnahmsweise auf die Probe mit der Musikgesellschaft Hohenrain verzichtet.

Wenn der Vater zum Chef wird

Beat Wolfisberg sitzt in der Stube des umgebauten Bauernhauses. Das karierte Kurzarmhemd ist der unruhigste Teil seines Wesens. Er antwortet besonnen, verliert kein Wort zu viel, blickt immer mal wieder auf seinen Notizzettel.

Wolfisberg wuchs mit einer Schwester und zwei Brüdern auf. Im Oberhilti, 650 Meter über Meer. Damit war Wolfisberg wohl heuer der Lehrling mit dem kürzesten Schul- und Arbeitsweg. 1200 Meter trennten ihm vom Berufsbildungszentrum, deren 20 vom Stall. Während er das erste Jahr der verkürzten Lehre auf einem 52-Hektar-Betrieb in Rickenbach absolvierte, meldete er sich im zweiten bei seinem Vater zum Dienst. «Da ich die Berufsschule von Oktober bis April in einem Block absolvierte, lag diese Lösung auf der Hand», sagt Wolfisberg. «Dann und wann mal aneinanderzugeraten, lässt sich nicht vermeiden, wenn man sich so gut kennt.» Mit seinem Chef sei er ganz zufrieden gewesen. «Er bildet schliesslich seit drei Jahrzehnten Lehrlinge aus.» Auch Vater Niklaus verliert nur gute Worte über Sohn Beat. «Er sorgte für frischen Wind, brachte neue Ideen ein.» Ganz «erschrocken» sei er, als ihm die Glanznoten mitgeteilt wurden.

21 Hektaren, 33 Kühe,120 Schweine

Beat Wolfisberg hat ein strenges Jahr hinter sich. Schule hin oder her: Sein Tag begann mit Weckerrasseln um 5.20 Uhr und dauerte bis 18.30 Uhr, wenn auf dem Tisch Mutter Pias Znacht dampfte. Der Betrieb auf Oberhilti umfasst 21 Hektaren, zählt 33 Milchkühe, 120 Mutterschweine. Ob er den Hof je zusammen mit seinem Bruder übernimmt, der ebenfalls gelernter Bauer ist, lässt Wolfisberg offen. «Das hängt auch davon ab, wie sich der Markt entwickelt.» Ihn habe vor allem die breit gefächerte Ausbildung gereizt. «Ich erarbeitete mir unter anderem Grundlagen in der Buchhaltung, um später einen Betrieb eigenständig führen zu können.» Was trieb ihn an, die Fünftagewoche eines Zimmermanns für den jetzigen Fulltimejob aufzugeben? Wolfisberg blickt aus dem Fenster, auf dem Feld wiegt Weizen im Wind. «Im Herbst haben wir das Getreide gesät, in zwei Wochen werden wir ernten. Als Landwirt sehe ich Tag für Tag, was ich leiste.»

Sichtbar ist nun ein Stück weit auch Wolfisbergs Ausbildungserfolg: An der Diplomfeier erhielt er eine Treichel überreicht. Finanziert haben diese grösstenteils seine Klassenkameraden. Mit Strafgeldern. Wer zu spät kam, musste das Zehnernötli zücken. Wer die Finken vergass, hatte dem Hauswart gar das Doppelte abzudrücken. Wolfisberg selbst kam – wen wunderts – ungeschoren davon.

Würde bringt Bürde: Wer die Treichel erhält, lädt seinen Jahrgang zum Glockenfest ein. «Diese Tradition werde ich weiterführen», sagt Wolfisberg. Das dürfte seine strafgeplagten Kameraden freuen.

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Die Namen aller Lehrabsolventen der Zentralschweizer Kantone lesen Sie heute in der Sonderbeilage zum Lehrabschluss.

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