Stallgeruch in Hohenrain: Die Gemeinde kämpft für bessere Luft

Ein neu lanciertes Projekt in der Gemeinde Hohenrain soll Stallgeruch eindämmen. Für dieses werden derzeit noch Probanden gesucht.

Roseline Troxler
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Unter anderem der zunehmend tierfreundliche Auslauf vor den Ställen sorgt für mehr Gestank in ländlichen Regionen. (Symbolbild: Melanie Duchene/Keystone, 13. Juni 2018)

Unter anderem der zunehmend tierfreundliche Auslauf vor den Ställen sorgt für mehr Gestank in ländlichen Regionen. (Symbolbild: Melanie Duchene/Keystone, 13. Juni 2018)

Stallgeruch sorgt in Luzerner Gemeinden immer wieder für Ärger. So ist in Meggen zwischen einem Schweinebauer und Anwohnern ein Streit entbrannt und in Schachen muss ein Landwirt seinen Betrieb im Dorf einstellen, weil es zu stark stinkt.

Auch in Hohenrain stören sich Einwohner am Gestank der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Der Gemeinderat will nicht, dass sich der Konflikt zwischen Anwohnern und Bauern zuspitzt und hat aus diesem Grund ein Projekt lanciert. Gemeindevizepräsident Fredy Winiger (SVP) erklärt: «Wir erhoffen uns davon, dass die landwirtschaftlichen Produktionsstätten weitergeführt werden können, ohne dass die private Bevölkerung sich übermässig gestört fühlt.»

Wohnzonen sind näher an die Betriebe gerückt

Der Gemeinderat von Hohenrain erhält teils mehrere Beschwerdeanrufe pro Tag – je nach Witterung und Wind. Fredy Winiger sagt: «Die besondere Situation in Hohenrain vermuten wir aufgrund der topografischen Begebenheiten, der Witterungsverhältnisse und der thermischen, fast nicht wahrzunehmenden Winde.» Bei den Landwirtschaftsbetrieben, von denen Geruchsemissionen ausgehen, handelt es sich laut Winiger um angestammte Betriebe. Diese hätten sich in den letzten Jahrzehnten den wirtschaftlichen Bedingungen anpassen müssen. Winiger sagt:

«Auf der einen Seite halten sie mehr Tiere, auf der anderen haben sie auf tierfreundliche Stallhaltung umgestellt. Die Ställe haben somit Auslauf, verursachen aber auch mehr Emissionen.»

Doch es gibt noch einen weiteren Grund: «Die Wohnzonen haben sich vergrössert und sind näher an die Betriebe herangerückt.» Wegen Beanstandungen aufgrund des Geruchs, welche seit Jahrzehnten vorkommen, sei bereits viel unternommen worden. «Die Landwirte waren immer bemüht und haben zur Minderung der Emissionen Investitionen getätigt», so Winiger. Er nennt Luftwaschanlagen, die in Ställen installiert wurden, den Bau von Sprinkleranlagen oder Güllezusätze mit Eukalyptus, welche die Emissionen mindern sollten. «Ausserdem wurden bei allen Ausläufen Beschattungsnetze montiert, welche auf der einen Seite die Sonneneinstrahlung mindern und auf der anderen die Aussenluft für die Luftwaschanlage besser erfassen.»

Trotz der Vielzahl an Massnahmen und eines guten Austausches mit den Bauern betont Winiger, der selber Landwirt ist: «Die Situation ist nicht befriedigend gelöst. Das hat den Gemeinderat dazu bewogen, zusammen mit den kantonalen Ämtern und Fachorganisationen ein Projekt zu starten.» Dieses wird von Sibille Jenni von der Agrofutura AG operativ geleitet. Sie erklärt: «Beklagt sich die Bevölkerung über unangenehme Gerüche, kann dies meist auf eine Hauptquelle zurückgeführt werden. Stammen die störenden Gerüche jedoch aus mehreren Quellen wie in Hohenrain wird es deutlich komplexer.»

«Menschliche Nase ist der beste Sensor»

Mit dem Projekt will Hohenrain nun die Stallgerüche gezielt messen und Massnahmen ableiten. Zum Projekt gehört, dass an 308 potenziell betroffene Haushaltungen Fragebögen gesendet wurden. So will man ermitteln, wo die Bewohner von Gerüchen gestört werden. «Bisher sind 177 Fragebögen bei der Gemeindeverwaltung Hohenrain eingetroffen», sagt Sibille Jenni zum Rücklauf. Ausserdem sollen zehn Probanden zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten auf Begehungstour gehen und die Gerüche an definierten Messpunkten beurteilen. «Gerüche aus Tierhaltungsanlagen können bis heute nicht verlässlich mit einem Messgerät gemessen werden. Die menschliche Nase ist nach wie vor der beste Sensor», erklärt Jenni.

Voraussetzung für die Probanden ist, dass diese nicht in Hohenrain leben, über ein durchschnittliches Riechvermögen verfügen und verschiedene Gerüche auseinanderhalten können. Derzeit fehlen noch vier geeignete Probanden. «Die Fragebögen werden im Herbst ausgewertet, Resultate aus den Begehungen werden zirka im Juli 2020 vorliegen.»

Hohenrain hofft auf Unterstützung durch Bund

Die Pilotgemeinde Hohenrain hat das Projekt gemeinsam mit den Innerschweizer Kantonen und dem Luzerner Bauernverband beim Bund eingereicht und hofft nun auf eine Unterstützung durch diesen. Wie hoch der Beitrag wäre, kann Winiger derzeit noch nicht sagen. Die Rückmeldung wird im Oktober erwartet. «Es gibt weitere Zentralschweizer Gemeinden, welche sich für das Projekt interessieren», sagt Jenni, nennt aber noch keine Namen.

Obwohl die Gemeinde viele Anstrengungen unternimmt, können Gerüche laut Fredy Winiger nie beseitigt werden. «Schlussendlich ist die Gemeinde Hohenrain eine Landgemeinde, wo die Landwirtschaft ihren Platz hatte und immer haben soll.»

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Sandra Monika Ziegler