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HOHENRAIN: Sturm Burglind zerstört Wald – Sie stehen erneut vor dem Wiederaufbau

1967 zerstörte ein Sturm den Wald von Bauer Jakob Oehen. Nachdem er ihn wieder angesetzt und aufgebaut hatte, wiederholte sich mit «Burglind» die Geschichte.
Martina Odermatt
Die Landwirte Guido (39) und Jakob Oehen (75) in ihrem Wald. (Bild: Pius Amrein (Hohenrain, 8. Januar 2018))

Die Landwirte Guido (39) und Jakob Oehen (75) in ihrem Wald. (Bild: Pius Amrein (Hohenrain, 8. Januar 2018))

«Ich hätte heulen können, als ich den Wald nach dem grossen Sturm von vergangener Woche das erste Mal gesehen habe», sagt Jakob Oehen (75) aus Lieli, Hohenrain. «Es tut sehr weh, das eigene Lebenswerk so zu sehen.» Überall liegen entwurzelte Bäume im Weg, andere stehen schräg in der Landschaft. Um dem Trampelpfad folgen zu können, muss man mehrmals über den ausgetrockneten Graben springen. «Burglind» hat hier gewütet.

Als er nach dem Sturm vom vergangenen Mittwoch zu seinem Grundstück ging und lichte Stellen sah, wurde Jakob Oehen das Ausmass der Schäden sofort bewusst. «Dort, wo jetzt eine Lichtung ist, war früher überall dichter Wald.» Für Jakob Oehen ein Déja-vu. Der 1,5 Hektaren grosse Wald in Lieli bei Hohenrain fiel bereits 1967, also vor genau 50 Jahren, einem Sturm zum Opfer. Oehen nahm sich damals die Zeit und Musse, den Wald wieder aufzubauen. Mittlerweile gehört die Parzelle seinem Sohn, Landwirt Guido Oehen (39). «Das Grundstück wäre jetzt endlich so weit gewesen, dass man hätte ernten können. ‹Burglind› hat uns da einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht», sagt Guido ­Oehen und schaut das Chaos an, dass um ihn herum liegt.

Profi-Räumer gehen ins Geld

Nun stehen Vater und Sohn vor einer grossen Herausforderung: Mehr als die Hälfte des Waldes ist laut Jakob Oehen kaputt. «Wir wissen im Moment gar nicht recht, wo wir anfangen sollen», so der Sohn. Den Wald bewirtschaften beide gemeinsam, externe Hilfe gibt es in Form des Försters. Dieser gibt Tipps und berät die Bauern über das weitere Vorgehen. Doch tatkräftige Unterstützung könne man nicht erwarten. Sie hätten sich überlegt, den Wald von Profis räumen zu lassen, erklärt der Sohn. Jedoch würde dies mehr kosten, als man durch das Verkaufen des Holzes einnehmen würde. Und dann kommen noch die Kosten für die neuen Setzlinge hinzu. Aber Oehen sagt auch: «Alleine schaffen wir das nicht.» Sein Vater helfe ihm zwar mit dem Wiederaufbau. Doch dieser ist, auch wenn immer noch rüstig, nicht mehr der jüngste. Es tue ihm vor allem seinetwegen leid, dass «Burglind» so getobt habe. «Nachdem er vor 50 bereits seinen Wald wieder aufbauen musste, hilft er mir jetzt bei der gleichen Arbeit.» Doch es habe auch sein Gutes: So könne man das Leid teilen.

Auch mit dem Wiederaufbau ist die Gefahr noch nicht gebannt: Durch die jetzige Lage der Bäume hat der Wind in Zukunft mehr Angriffsfläche. Weitere Verluste sind also wahrscheinlich. Wie hoch der Schaden ist, welcher «Burglind» angerichtet hat, kann Oehen noch nicht genau sagen.

Woher nimmt man nach so einem Schicksalsschlag die Zuversicht und die Motivation, das Grundstück wieder auf Vordermann zu bringen? Guido Oehen: «Am Anfang ist man wirklich nicht so motiviert, die ganzen Aufräumarbeiten in Angriff zu nehmen.» Doch mit jedem Tag werde dies etwas besser. Nun machten sich Vater und Sohn dar­an, den Zugang der Parzelle zu räumen. «Sonst kommen wir mit dem Traktor gar nicht rein.» Dann müssten wohl zusätzlich noch ein paar Bäume gefällt werden, damit ausreichend Lagerplatz für die kaputten Tannen zur Verfügung steht.

Die nächsten 20 Jahre gelten dem Wiederaufbau

Auch wenn es noch ein langer Weg ist: Guido Oehen wartet auf den Moment, wenn alles geräumt ist und er und sein Vater mit dem Aufbau beginnen können. Er werde mit dem Förster schauen, welche Bäume man hier in Zukunft anbauen möchte. Bis es so weit ist, dauert es wohl aber noch eine Weile. Oehen rechnet nicht damit, dass er diesen Frühling etwas ansetzen kann. «Wahrscheinlich sind wir erst in einem Jahr so weit, dass wir Setzlinge pflanzen können.» Dann gelten die nächsten zwanzig Jahre der Pflege und dem Aufbau dieses neuen Waldes.

Etwas weiter entfernt hört man eine Kettensäge dröhnen. «Hörst du das? Normalerweise wären wir die einzigen, die jetzt sägen würden», sagt er. Dass sie nicht alleine sind, sei ein kleiner Trost. Es dauert nicht lange, da greift auch Guido Oehen zur lauten Maschine und sägt einem gestürzten Baum die Äste ab.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Blick von einer Drohne in den zerstörten Wald. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Blick von einer Drohne in den zerstörten Wald. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Entwurzelte und umgestürzte Bäume: Hier hat Sturm Burglind gewütet. (Bild: Pius Amrein (Hohenrain, 8. Januar 2018))

Entwurzelte und umgestürzte Bäume: Hier hat Sturm Burglind gewütet. (Bild: Pius Amrein (Hohenrain, 8. Januar 2018))

Blick in den zerstörten Wald. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Blick in den zerstörten Wald. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Zahlreiche lichte Stellen im Wald. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Zahlreiche lichte Stellen im Wald. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Andere Bäume liegen schräg in der Landschaft. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Andere Bäume liegen schräg in der Landschaft. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Überall liegen entwurzelte Bäume im Weg. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

Überall liegen entwurzelte Bäume im Weg. (Bild: Pius Amrein (Lieli, 8. Januar 2018))

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