HOLZ: Luzerner Sägereien geraten unter Druck

Die Bauindustrie braucht Holz wie selten zuvor. Trotzdem harzt das Geschäft bei einheimischen Produzenten und Sägereien gewaltig.

Luzia Mattmann
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Josef Hodel ist im Wald bei Schwarzenberg am Holzen. Generell wird im Kanton deutlich weniger Holz geschlagen als in früheren Jahren. (Bild Boris Bürgisser)

Josef Hodel ist im Wald bei Schwarzenberg am Holzen. Generell wird im Kanton deutlich weniger Holz geschlagen als in früheren Jahren. (Bild Boris Bürgisser)

«Die Situation ist paradox: Der Holzbau boomt wie noch nie, aber die Sägewerke sind nicht voll ausgelastet, und die Forstwirtschaft drosselt die Ernte, weil der Inlandabsatz nachgelassen hat.» Das sagt Hansruedi Streiff, Geschäftsführer des Branchenverbandes Holzindustrie Schweiz, im Fachorgan der Holzindustrie.

Sägereiensterben droht

Auch der Kanton Luzern ist von diesem Phänomen betroffen, wie René Bühler, Präsident des Verbandes Luzerner Waldeigentümer, bestätigt. «Aus der EU kommt viel konfektionierte Ware, also verarbeitetes und verleimtes Holz, das für die moderne Systembauweise gebraucht wird, hierher. Gleichzeitig wird hier bedeutend weniger Holz geerntet als noch vor einigen Jahren.» Die Gründe dafür sind einerseits der starke Franken, der das ausländische Holz um bis zu 25 Prozent günstiger macht als vor einigen Jahren, andererseits aber auch die Struktur der Sägereien.

«Vor allem bei der Massenware und bei den vorgefertigten Holzteilen und den Mehrschichtplatten, können unsere Sägereien nicht mithalten», sagt Bühler. Dies, weil viele Sägereien von alters her vor allem zugeschnittenes Holz anbieten, das heute nicht mehr so stark gefragt ist. «Es gibt einige Sägereien wie etwa Tschopp Holzindustrie AG in Buttisholz, die sich spezialisiert haben. Aber vor allem bei den mittleren Sägereien wird es in der nächsten Zeit auch im Kanton Luzern eine Strukturbereinigung geben.» Kritisch werde es vor allem für die mittelgrossen Betriebe, sagt Bühler: «Die kleinen können sich noch eher spezialisieren, und die grossen können sich mit Nebenprodukten wie Pellets oder über die Masse über Wasser halten.» Streiff zweifelt an den Prognosen von René Bühler – die Waldwirtschaft habe sich bezüglich Sägereien schon oft verschätzt. Im Kanton Luzern gibt es um die 30 Sägereien.

Holz bleibt im Wald stehen

Josef Wyss von den Säge- und Hobelwerken Josef Wyss AG in Büron kennt die angespannte Marktsituation aus eigener Erfahrung. «Derzeit ist der Rohstoff Holz für uns sehr teuer, wir können den Lieferanten keinen so hohen Preis bezahlen, wie sie dies gern hätten.» Die Konsequenz: Es wird weniger geholzt, und die Sägereien, die schon mit der ausländischen Konkurrenz zu kämpfen haben, sind nicht einmal mehr ausgelastet. «Manche Sägereien werden das nicht überleben», prophezeit Wyss. «Auch in die Produktionstechnik wurde zu spät investiert, besonders im Holzleimbau», sagt Wyss weiter. Er hat 2006 mehrere Millionen Franken in die Modernisierung seines Sägewerks investiert – hätte er das nicht getan, könnte er den Laden wohl schliessen, sagt Wyss, dessen Sägewerk zu den drei grössten im Kanton gehört. Wyss kritisiert das Verhalten mancher Zimmereien: «Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus, das rund 10 Kubikmeter Holz benötigt, käme Schweizer Holz nur rund 300 Franken teurer als ausländisches – das sollte man sich doch leisten können.»

Spezialisierte Betriebe im Vorteil

Pirmin Jung von der Organisation Proholz Lignum Luzern will die Situation nicht schwarzmalen: «Luzern ist in der Holzindustrie führend in der Schweiz, mit Betrieben wie Tschopp Holzindustrie Buttisholz, Perlen Papier, Schilliger Holz oder Kronospan Menznau», sagt er. Aber auch er verhehlt nicht, dass die Sägereiindustrie mit einem Strukturproblem zu kämpfen hat.

Er kritisiert die ungleichen Spiesse, welche die Schweiz im Vergleich zur EU habe: «Im Thüringer Wald und anderen Gebieten der EU wurden Sägereien, Platten- und Leimwerke eröffnet, die bis zu 50 Prozent von der EU subventioniert sind – da können wir schlicht nicht mithalten.» Kommt dazu, dass der Boden, die Arbeitskräfte und die Transportkosten für Rohholz in der Schweiz teurer sind. Ausserdem sind die Strukturen für die Beschaffung von Holz im Ausland viel grossräumiger als etwa im Kanton Luzern, wo ein Grossteil der Waldfläche zersplittert in Privatbesitz ist. Etwas Abhilfe schaffen sollen diesbezüglich die neuen Regionalorganisationen. Das einzige halbwegs EU-konkurrenzfähige Sägewerk der Schweiz in Domat Ems ging Konkurs: wegen des hohen Bodenpreises – und weil die Forstwirtschaft weniger Holz geliefert hat als versprochen.

Lawa will Studie in Auftrag geben

Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) und der Waldeigentümerverband wollen nun eine Marktanalyse zum Thema Schweizer Holz in Auftrag geben. Ausserdem sind laut Hansruedi Streiff vom Branchenverband Holzindustrie Bestrebungen im Gange, Schweizer Holz mit dem Holz des Nachhaltigkeitslabels FSC gleichzustellen. «Es kann nicht sein, dass das sogenannt nachhaltige Holz über Hunderte Kilometer herangekarrt wird und gegenüber dem Schweizer Holz bevorzugt wird.»