«Homeoffice kann die Gesundheit fördern und die Produktivität erhöhen» – fünf Tipps für stressfreies Arbeiten 

Sylvia Manchen Spörri und Leila Gisin von der Hochschule Luzern analysieren die Auswirkungen von Homeoffice. Und sie geben Tipps, wie Mann und Frau sich bei dieser Art des Arbeitens am besten verhalten.

Lukas Nussbaumer
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Homeoffice wird sich nach der Coronakrise etablieren, sind Wirtschaftspsychologinnen überzeugt.

Homeoffice wird sich nach der Coronakrise etablieren, sind Wirtschaftspsychologinnen überzeugt. 

Bild: Sebastian Gollnow/Keystone

Zehntausende von Zentralschweizerinnen und Zentralschweizern arbeiten nun die sechste Woche in Folge zu Hause. Ganz viele von ihnen waren sich diese Art zu arbeiten vorher nicht gewohnt – aber sie werden sich in Zukunft laut Professorin Sylvia Manchen Spörri und Psychologin Leila Gisin von der Hochschule Luzern wohl damit anfreunden müssen.

Manchen Spörri, die Leiterin des Studiengangs Wirtschaftspsychologie, sagt nämlich: «Die Erfahrungen aus der Coronakrise werden dieser zeitgemässen Arbeitskultur Vorschub leisten und stellen eine grosse Chance dar, die digitale Transformation voranzubringen.» Gisin ist Expertin im Thema mobil-flexibles Arbeiten und ist der Überzeugung, die Pandemie verlange von der Gesellschaft eine grosse Lernfähigkeit. «Um auf ähnliche Szenarien in der Zukunft besser vorbereitet zu sein, muss die Arbeitswelt zu einer Kultur finden, die weniger Pendeln und Reisen erfordert.»

Spielräume klar definieren, Vertrauenskultur schaffen

Doch ist ein geringerer Zeitaufwand für den Arbeitsweg gleichbedeutend mit mehr Effizienz? Gemäss Sylvia Manchen Spörri «weisen bisherige Studien darauf hin, dass sich mobil-flexibles Arbeiten gesundheits- und produktivitätsförderlich auswirken kann». Dafür müssten sich Führungskräfte und Mitarbeiter jedoch weiterentwickeln und beispielsweise Entscheidungsspielräume klar definieren. Auch brauche es eine Vertrauenskultur, und selbstverständlich müssten die technischen Voraussetzungen für Homeoffice geschaffen werden.

Sehr wichtig werde das sogenannte Boundary Management, glaubt Leila Gisin. Also die Fähigkeit, die Grenzen zwischen dem Arbeits- und privaten Bereich gesundheitserhaltend und produktivitätssteigernd bewirtschaften zu können.

Umstellung war unvorhersehbar und unbeeinflussbar

Exakt dies, nämlich die Überlagerung von Arbeits- und Privatwelt, sei die grösste Herausforderung für Leute, die vom einen auf den anderen Tag zu Hause arbeiten mussten. Gisin: «Es fehlt die klare zeitliche und örtliche Trennung, es haben beide Lebensbereiche gleichzeitig ihre ursprüngliche Form verloren.» Die Umstellung sei für die meisten unvorhersehbar und unbeeinflussbar gewesen, was erst einmal Stress ausgelöst habe.

Um zu Hause möglichst stressfrei arbeiten zu können, rät Sylvia Manchen Spörri, folgende Punkte einzuhalten:

  • Den Tag strukturieren. Mit dem Team und den Vorgesetzten vereinbaren, wann und wie kommuniziert wird.
  • Eine «To-do»-Liste führen und so klar festlegen, was an diesem Tag erledigt werden soll. So ist am Abend ersichtlich, was alles «geschafft» wurde. Das führt zu einem höheren Zufriedenheitsgefühl.
  • Einen geeigneten Arbeitsplatz einrichten und die Arbeit möglichst auf einen Raum beschränken. So fällt das Abschalten nach der Arbeit leichter. Wenn immer möglich, auf das Arbeiten im Schlafzimmer zu verzichten; dieser Raum sollte der Ruhe vorbehalten sein.
  • Rituale finden, um den Arbeitstag zu beginnen und abzuschliessen.
  • Ganz wichtig: Regelmässige Pausen nicht vergessen.

Für den Arbeitsplatz zu Hause gelten die gleichen Anforderungen wie im Büro. Worauf es ankommt, zeigt folgender Film:

Tipps der Suva zur Ergonomie am Bildschirm-Arbeitsplatz

Umgebung

– Sorgen Sie dafür, dass Sie in Ruhe und ungestört arbeiten können.
– Stellen Sie den Bildschirm so auf, dass Sie nicht durch Reflexionen und Blendungen gestört werden. Das Licht soll von der Seite einfallen.

Stuhl und Tisch

– Die Ellbogenhöhe muss ungefähr der Tischhöhe entsprechen. Wenn Sie keinen höhenverstellbaren Tisch besitzen, sollte mindestens der Stuhl in der Höhe einstellbar sein, damit Sie die Ellbogenhöhe einstellen können.
– Damit die Füsse nicht in der Luft hängen, benötigen kleinere Personen eine Fussstütze.
– Achten Sie beim Kauf eines Bürostuhls auf eine gute Grundausstattung.

Hilfsmittel

Wenn Sie im Homeoffice mit dem Laptop oder Notebook arbeiten, sind zusätzlich Hilfsmittel einzusetzen:
– Maus und externe Tastatur
– externer Bildschirm (bei kleinen Laptop-Bildschirmen)
– Notebookständer (z.B. Dokumentenauflage, Ordner), um den Laptop hinten ca. 5 cm anzuheben
– Ordnen Sie Bildschirm, Tastatur und Papier so auf dem Pult an, dass Sie entspannt arbeiten können. Die Distanz Augen–Bildschirm sollte etwa eine Armlänge betragen, bei Bildschirmen ab 21 Zoll etwas mehr. Weitere Infos finden Sie im Factsheet «Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz: Arbeitsplatz einrichten»

Arbeitsorganisation

– Vereinbaren Sie mit Ihrem Arbeitgeber die Arbeitszeiten und wann Sie erreichbar sein müssen. Halten Sie dies schriftlich fest.
– Auf eine gute Tagesstruktur achten. Planen Sie die Mittagszeit und Pausen und halten Sie diese ein. Nutzen Sie Pausen, um ein paar Schritte zu gehen.

Beim Telefonieren sein Bild dazuschalten

Manchen Spörri und Gisin haben auch Ratschläge für die freie Zeit nach der Arbeit, die aktuell für viele vorab in den eigenen vier Wänden stattfinden muss. So sei es wichtig, mit Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben und sich so zu unterstützen. Wer beim Telefonieren sein Bild dazuschalten könne, solle dies tun. «Stimme und Gesichtsausdruck lassen Befindlichkeiten wahrnehmen und intensivieren den Austausch», sagt Gisin.

Ausserdem seien bewusst geplante Meetings per Videokonferenz sowohl für den privaten als auch für den Arbeitsbereich bereichernd.