Kolumne

Homeoffice, wir müssen reden: Wie mich das Büro-Aus in eine Krise stürzte

Redaktorin Evelyne Fischer und Homeoffice: Die Geschichte einer schwierigen Beziehung.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Wie oft habe ich den lärmigen Newsroom verflucht. Den lästigen Klingelton meines Pultnachbarn («The Telephone Is Ringing» von Alice Cooper), das schallende Lachen eines Vorgesetzten (man hört es noch in 20 Metern Entfernung), den herumtigernden Blattmacher im Augenwinkel. Müsste man das Grossraumbüro und mich in einem Beziehungsstatus beschreiben, wär's wohl: «Es ist kompliziert».

Insofern war ich überzeugt: Das Büro-Aus wird mir gut tun. Ich freute mich auf ein wenig Abstand. Redete mir ein, es gäbe nichts Schöneres, als daheim an einem Fensterplatz zu arbeiten, ungestört, in Stille. 

Tag 1 startete mit Zuversicht am Esszimmertisch und endete in einer Züglete: Der Küchentisch kam als Pult in die Stube, das Bügelbrett an seine Stelle. (Faltenfreie Hemden sind im Homeoffice ohnehin überschätzt.) 

Tag 2 brachte die Einsicht: Ein Pult macht noch kein Grossraumbüro; Telefonieren, Chatten und Skypen sind keine Heilmittel gegen die soziale Isolation. Ich brauchte einen Feierabend-Schnaps. (Und griff zu einem süssen. Denn wenn ich schon das Fastengebot breche, dann richtig.)

Tag 3 setzte ich vor lauter Kummer auf Ablenkung. Weil Frustfuttern im Homeoffice verheerend wäre, versuchte ich es mit Kräftigungsübungen. Doch die Krise zehrt an den Kräften. Zwei Liegestützen, und die Luft war draussen.

Zeit heilt alle Wunden, heisst es in Ratgebern jeweils nach schwierigen Trennungen. Ich aber will die Büro-Zwangsscheidung nicht einfach so hinnehmen – und hoffe daher auf ein baldiges Liebescomeback. Denn mir fehlt jetzt sogar Alice Cooper. Jedenfalls ein bisschen.

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