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HOMESCHOOLING: Lernen ohne Schule: Sie lehrt ihre Kinder zuhause in Oberkirch

Martina Amato (41) geht mit ihren beiden Töchtern einen eigenen Bildungsweg. Was bei ihr erst eine kleine Welt einstürzen liess, entwickelte sich im Nachhinein zum absoluten Glücksfall.
Martina Amato hat ein Buch mit dem Thema «Schule einfach anders» geschrieben. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 17. Januar 2018))

Martina Amato hat ein Buch mit dem Thema «Schule einfach anders» geschrieben. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 17. Januar 2018))

Magazinartikel, Zeitungsausschnitte, sogar ein Leserbrief und selbstverständlich ihr soeben erschienenes Buch «Schule einfach anders» – der mit vielen Schriftstücken übersäte Tisch verrät: Martina Amato (41) kniet tief in einem Thema drin, welches sie hautnah beschäftigt.

Mittlerweile kann die Mutter von eineiigen Zwillingen (8) wieder lachen, versprüht viel Lebensfreude. Das war nicht immer so. Als vor zwei Jahren eine ihrer beiden Töchter eines Morgens nach nur wenigen Wochen Schule nicht mehr aufstehen wollte, stürzte für die Mutter eine kleine Welt ein. Dem Verzweifeln nahe, rang sie zusammen mit ihrer Familie nach einem Ausweg. «In der Schweiz besteht ja eine Bildungspflicht», sagt Amato. Bei einem Krisengespräch mit der Kinderärztin erwähnte diese die Möglichkeit des Homeschoolings. Im Januar 2016 wurde das entsprechende Gesuch um Privatunterricht – so wird diese Lernform in der Schweiz genannt – vom Kanton Luzern bewilligt. «Die Erleichterung war gross», sagt Amato.

Zwei Jahre sind seither vergangen. Am Samstag spricht Martina Amato aus dem Leben einer Home­school-Familie und stellt um 17 Uhr ihr Buch an der Vernissage im Pfarreizentrum Sursee vor.

«Mut machen, neue Wege einzuschlagen»

Die verheiratete Mutter erzählt auf 144 Seiten etwa in Form eines Tagebuchs authentisch, erfrischend, berührend, aber auch zum Denken anregend über den neuen (Lern-)Alltag. Es geht um Leben, Begeisterung, Mut, Loslassen, aber auch um Ängste. So sagt sie: «Niemand weiss, was morgen ist. Die Sicherheit, an die wir uns oft klammern, ist immer eine vermeintliche.» So will sie Wert darauf legen, im «Jetzt» zu leben – genauso wie ihre beiden Kinder. Zudem beantwortet das Buch Fragen zum Schulmodell. Der Leser findet Antworten, ob Homeschool-Kinder einsam sind, wie deren Integration gelingt, welche Kosten anfallen oder wie jemand vorgehen muss, wenn er diese Alternative wählen möchte. Im Kanton Luzern wurden im letzten Schuljahr 38 Kinder zu Hause unterrichtet.

«Viele kleine Mosaiksteinchen haben letztlich zu einem stimmigen Ganzen geführt», erklärt eine dankbare Martina Amato. Denn aufgrund ihrer langjährigen beruflichen Erfahrung im Kinder- und Jugendschutz wusste sie, was passiert, wenn ein Kind die Schule nicht mehr besuchen will. Abklärungen, Schulpsychologischer Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst, möglicherweise eine Diagnose, oft Medikamente: Für Kind und Eltern kann das Prozedere zur Tortur werden.

Zur Verarbeitung dieser für die ganze Familie sehr schwierigen, teilweise von Ohnmacht geprägten Lebenssituation hatte Amato begonnen, Notizen und Einträge zu machen. Bald keimte in ihr die Idee auf, ein Buch zu schreiben. Mit dem vorliegenden Werk will sie andern «Mut machen, in solchen Situationen neue Wege einzuschlagen». Wege, die zwar nicht einfach zu gehen seien, bei denen das Kind aber sein dürfe, wie es ist. «Manchmal fordert uns das Leben dazu heraus, frech und mutig, also ‹frechmutig› zu agieren.» Doch Leser sollten auch dazu ermuntert werden, alte, abgetretene Pfade zu verlassen. «Nur so darf man neue entdecken», sagt die Lernbegleiterin, die nach der Matura an der Universität Fribourg Rechtswissenschaften studierte.

Amato hält jedoch fest: «Ich bin keineswegs gegen das heutige öffentliche Schulsystem. Es gibt viele wunderbare und engagierte Lehrpersonen, welche die Kinder für das Lernen und das Leben begeistern können.» Vielmehr setzt sie sich dafür ein, «dass sich Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend entwickeln, entfalten und lernen dürfen». Daher engagiert Amato sich als Vorstandsmitglied der Elternlobby Schweiz «für eine freie Schulwahl und für Bildungsvielfalt». Und sie sagt auch: «Wenn es passieren darf, dass mein Buch Menschen berührt, ist das für mich ein grosses Geschenk.»

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Anmeldungen zur Vernissage erwünscht an Buchhandlung Untertor, Sursee, 041 921 52 51 oder untertor@bluewin.ch. Eintritt frei. Das Buch kann man auch online mit ISBN 978-3-903155-80-0 beziehen. Es kostet Fr. 29.90.

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