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HONAU: Idylle mit Einfamilienhaus

Honau ist das Dorf mit den wenigsten Einwohnern im Kanton. Und: Nirgends erfüllen sich mehr den Wunsch nach einem Eigenheim. Die Tage dieser Rekorde sind aber gezählt.
Raphael Gutzwiller
Sie haben sich den Traum vom Eigenheim erfüllt: Lotti und Kaspar Kretz mit ihren Töchtern Laura, Anja und Selina (von links). (Bild Philipp Schmidli)

Sie haben sich den Traum vom Eigenheim erfüllt: Lotti und Kaspar Kretz mit ihren Töchtern Laura, Anja und Selina (von links). (Bild Philipp Schmidli)

Raphael Gutzwiller

Ein Kreisel, eine Bushaltestelle, ein Restaurant, ein Aldi und ganz viele Einfamilienhäuser: Das ist Honau. Am Hang zwischen Gisikon und Rotkreuz nahe an der Autobahneinfahrt gelegen, ist man rasch in Zug oder Luzern. Dies zieht insbesondere Familien an, die länger hierbleiben wollen. «Wer hierherzieht, zügelt nicht so schnell wieder weg», sagt die Honauerin Lotti Kretz (42). Viele bauen in Honau ihr Eigenheim. Es überrascht also nicht, dass Honau den höchsten Anteil an Einfamilienhäusern im ganzen Kanton aufweist, nämlich 52 Prozent aller Wohngebäude. Zudem ist es auch die Gemeinde mit den wenigsten Einzelhaushalten, wie aus den Zahlen des Portals Lustat Statistik Luzern hervorgeht. Der bekannteste Rekord: Mit 381 Einwohnern ist Honau die bevölkerungsmässig kleinste Gemeinde des Kantons.

In Honau wohnen viele Familien, die bei Familiengründung zugezogen sind. Schon länger in Honau leben Lotti Kretz und ihr Mann Kaspar (48). Er ist einer der wenigen Ur-Honauer. Bereits sein Grossvater ist im kleinen Dorf gross geworden. «Als ich aufgewachsen bin, war Honau ein kleines Bauerndorf», so Kaspar Kretz. 1970 etwa hatte Honau noch 84 Einwohner. Besonders für Familien aus dem Kanton Zug wurde Honau ab dann jedoch attraktiver. Hauptsächlich wegen eines Grundes: «Hier war es günstiger, ein Einfamilienhaus zu bauen als in Zug», sagt er. Durch die zentrale Lage nahe der Autobahn ist man jedoch schnell in Zug. «Honau ist ländlich und doch zentral, das gefällt vielen», sagt Kaspar Kretz. «In einer Viertelstunde ist man etwa in Luzern oder Zug.»

100 Honauer sind minderjährig

Bis vor kurzem zählte Honau schweizweit zu den jüngsten Gemeinden überhaupt. Zwar ist das Durchschnittsalter in den letzten Jahren ein bisschen gestiegen, der Kinderanteil ist aber nach wie vor sehr hoch. Rund 100 Honauer sind minderjährig.

Und doch sieht Sozialvorsteherin Sandra Linguanti-Hurter Honau nicht als typische Familiengemeinde. «Es gibt inzwischen viele Einfamilienhäuser, die von einem Ehepaar bewohnt werden. Die Kinder sind da oft schon ausgezogen», so Linguanti. Dass es in der Vergangenheit immer wieder jüngere Familien gegeben hat, die nach Honau gezogen sind, kann Linguanti aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Vor fünf Jahren ist sie mit ihrer Familie von Büron hergezogen. «Honau ist ländlich und doch zentral gelegen. Für Familien ist es hier ideal», so Linguanti.

Der Bus fährt jede Stunde

Einziges Manko in der Gemeinde, da sind sich die Gesprächspartner einig, ist die Infrastruktur. Es gibt kein Dorfzentrum, zudem fehlen in Honau Schulen, Turnhallen oder ein Gemeindehaus. Die Gemeindeversammlungen finden deshalb jeweils in den Räumen der Einkaufsorganisation des schweizerischen Auto- und Motorfahrzeuggewerbes (ESA) statt, die ihren Geschäftssitz in Honau hat.

Zur Schule gehen Primarschüler nach Gisikon, in die Oberstufe nach Root. Dorthin müssen die Kinder und Jugendlichen mit dem Velo oder mit dem Töffli – denn die ÖV-Anbindung ist schlecht. «Wer auf den öffentlichen Verkehr angewiesen ist, hat es in Honau schwer», sagt Kaspar Kretz. «Hier besitzt deshalb fast jeder ein Auto. Die meisten Familien gar zwei.» Bis vor kurzem gab es in Honau nicht einmal eine Bushaltestelle, das hat sich zwar geändert. Vom öffentlichen Verkehr ist das Dorf dennoch immer noch schlecht erschlossen. Der Bus Richtung Rotkreuz oder Hochdorf fährt in den Hauptverkehrszeiten im Stundentakt.

«Honau ist zweigeteilt»

Seit 17 Jahren in Honau wohnt der gebürtige Chamer Daniel Bösch, der Präsident des Dorfvereins Gisikon-Honau. Mit der Idee dieses Textes konfrontiert, fragt er: «Was soll ich sagen? Über Honau gibt es wenig zu erzählen. Hier passiert nicht so viel», sagts und lacht. Dann erzählt er aber doch.

Honau sei zweigeteilt: dort die Einfamilienhäuserbesitzer, deren Kinder inzwischen das Hotel Mama verlassen haben; dort diejenigen Familien mit kleinen Kindern. «In den letzten Jahren sind einige neue Familien dazugekommen. Sie beleben das Dorf, aber nicht alle nehmen am Dorfleben teil.» Es gebe viele, die ihr Umfeld noch dort hätten, von wo sie hergezogen seien.

Zwischen Luzern und Zürich nahe der Autobahn gelegen, orientieren sich viele weg vom Dorfleben in die grösseren Städte der Schweiz. Das Bett steht zwar in Honau, das Leben spielt aber oft anderswo. «Der Dorfverein ist deshalb sehr wichtig, damit etwas läuft in der Gemeinde», ist Daniel Bösch überzeugt. Die meisten Aktivitäten finden in Gisikon statt, weil dort die Infrastruktur besser ist. Eine Ausnahme ist die Chilbi Gisikon-Honau, die auf Honauer Boden auf dem Aldi-Parkplatz durchgeführt wird. «In den beiden Gemeinden gibt es sonst nirgends eine ebene Fläche», sagt Daniel Bösch. Das Publikum sei jeweils von den beiden Dörfern durchmischt. Eine typische Honauer Tradition fand gestern wieder statt: die alljährliche 1.-August-Feier.

In Honau sei es schon noch so, dass jeder jeden kenne. Allerdings kenne man gerade die neu Hergezogenen nicht immer gut, sagt Daniel Bösch. Das sei einer der Nachteile der vielen Einfamilienhäuser. «Man trifft sich selten per Zufall.» Im Sommer sehe man sich noch eher. «Wenn jemand im Garten Pflanzen giesst oder draussen grilliert, sieht man sich.» Anders sei dies im Winter.

Einfach spitze

Fast jede(r) ist in irgendeinem Bereich spitze. Das gilt auch für so manche Luzerner Gemeinde. In einer Serie spüren wir speziellen Rekorden nach. Heute berichten wir über Honau, wo es am meisten Einfamilienhäuser gibt. Nächste Woche zeigen wir Ihnen auf, in welcher Beziehung Gisikon und Flühli unschlagbar sind.

Die ganze Serie finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/serien.

red

Dem stimmt das Ehepaar Kretz zu. Aber: «Wenn man Kinder hat, kommt man durch sie durchaus mit den anderen Honauern in Kontakt», so Lotti Kretz.

Fusion momentan kein Thema

381 Einwohner und eine eigenständige Gemeinde. Kein Wunder, verstummt die Diskussion um eine Fusion mit Nachbar Gisikon nie ganz. «Das Thema ist immer da», sagt Kaspar Kretz. Doch für viele sei eine Fusion unvorstellbar. Deshalb ist diese in den letzten Jahren trotz mehreren Versuchen nie zu Stande gekommen. Gemeinderätin Linguanti sagt: «Zurzeit ist eine Fusion kein Thema, allerdings ist sie nie ganz ausgeschlossen.» Ein Grund für eine Fusion wäre auch die Tatsache, dass es schwierig ist, Leute zu finden, die sich für die Gemeinde engagieren. Eigentlich war Sandra Linguanti-Hurter als Gemeinderätin bereits zurückgetreten, weil aber kein Nachfolger gefunden werden konnte, blieb sie dennoch im Amt.

Riesenprojekt im Bau

So oder so steht für die kleine Gemeinde Honau eine grosse Veränderung an: Es entsteht nämlich die neue Überbauung Oberdorfstrasse/Hir­schenmatt. Bereits Ende Jahr soll die erste Etappe fertig sein. Neben Büro- und Gewerbeflächen entstehen 22 Mietwohnungen. In den nächsten sieben bis zehn Jahren werden insgesamt rund 100 Wohnungen erstellt.

Damit wächst Honau massiv. «Das wird uns sicher vor eine grössere Herausforderung stellen», sagt Linguanti. Honau wird damit aller Voraussicht nach von Ebersecken (401 Einwohner, Stand Ende 2015) oder Altwis (410 Einwohner, Stand Ende 2015) als bevölkerungsmässig kleinste Gemeinde des Kantons Luzern abgelöst. «Wir rechnen mit über 500 Einwohnern», sagt Gemeinderätin Linguanti. Durch die Wohnungen verliert Honau dann auch den Einfamilienhausrekord.

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