HOOLIGANS: Der FC Luzern redet erstmals Klartext

Bisher hat sich der FC Luzern um klare Stellung­nahmen gedrückt. Doch nach den jüngsten Ausschreitungen ist FCL-Präsident Ruedi Stäger der Kragen geplatzt.

Christian Hodel
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Ruedi Stäger, Präsident FC Luzern: «Wer sich nicht distanziert, solidarisiert sich mit den Kriminellen.» (Archivbild Dominik Wunderli / Neue LZ)

Ruedi Stäger, Präsident FC Luzern: «Wer sich nicht distanziert, solidarisiert sich mit den Kriminellen.» (Archivbild Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der FCL hat einen Fehlstart hingelegt. Nicht nur sportlich. Im Spiel gegen den FC Zürich am 16. August kam es zu Krawallen. Chaoten bedrohten nach der Partie einen Buschauffeur mit einer Eisenstange, bevor es beim Luzerner Bundesplatz zu weiteren Ausschreitungen kam. Fünf Polizisten wurden verletzt (wir berichteten). Während sich die Verantwortlichen des FCL bisher extrem zurückhaltend zu Fussballgewalt äusserten, scheint nun FCL-Präsident Ruedi Stäger genug zu haben. In der aktuellen «Matchzytig» vom Wochenende schreibt er über die Chaoten: «Sie beschmutzten unseren Verein.» Und: «Sponsoren und Partner wenden sich von uns ab», die «kriminellen Machenschaften» werde der FCL mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen. Alle friedlichen Fans sollen sich von den «Schädlingen» distanzieren.

Ruedi Stäger, waren die jüngsten Ausschreitungen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte?

Ruedi Stäger*: Ich bin nicht nur FCL-Präsident, sondern auch Steuerzahler und Familienvater. Es ist für mich in keiner Weise nachvollziehbar, dass zu Lasten des Fussballs kriminelle Aktionen durchgeführt werden.

Versucht der FCL das Problem also in den Griff zu kriegen?

Stäger: Das versuchen wir schon lange. Wir haben die Lage im Stadion unter Kontrolle, und wir unterstützen die Polizei und Behörden, wo wir können. Die Chaoten müssen dingfestgemacht werden. Solche Aktionen, wie sie vor zwei Wochen passiert sind, verurteile ich aufs Schärfste. Wir stehen darum auch mit allen Beteiligten, wie der Polizei, dem Kanton, der Stadt, Fanarbeit und Fans sowie den Transportpartnern im ständigen Dialog, um Gewaltexzesse künftig zu verhindern.

Wäre es anstelle des Dialogs nicht an der Zeit, endlich zu handeln?

Stäger: Als Club können wir nicht die Verantwortung für die paar wenigen Personen übernehmen, die sich ausserhalb des Stadions nicht richtig verhalten. Auch wenn es ernüchternd klingt: Letztlich hat der FCL keine Mittel, solche Taten zu verhindern. Die Vorfälle sind nicht im Stadion passiert, sondern ausserhalb, auf öffentlichem Grund. Betreffend den Massnahmen der Polizei bin ich der falsche Ansprech­partner.

Nochmals: Was macht der FCL konkret, um das Problem in den Griff zu kriegen?

Stäger: Wir führen nun noch stärker den Dialog mit allen Beteiligten. Bisher konnten aber noch keine Lösungen gefunden werden, die besser wären, als wir es heute haben. Bezüglich den Ausschreitungen muss man beachten: Wir wissen noch zu wenig über diese Chaoten. Diese müssen nicht zwingend im Stadion gewesen sein. Die Angriffe auf die Busse waren von langer Hand geplant. Wie sollen wir als Fussballclub solche Taten verhindern?

Beim FCZ-Spiel ist es aber auch im Stadion zu Gewalt gekommen.

Stäger: Das ist nicht ganz korrekt. Wir hatten die Eingangskontrollen verschärft und die Fans verstärkt auf Pyros kontrolliert. Als Folge dieser Massnahmen wurden in den Gästetoiletten einzelne WC-Schüsseln mutwillig beschädigt. Direkte gewaltsame Auseinandersetzungen gab es im Stadioninnern, wie auch in den vorangehenden Spielen, nicht.

Die Fanorganisation United Supporter Luzern (USL) hat sich nie von den Krawallen distanziert. Warum?

Stäger: Mein Appell ist klar. Alle friedlichen Fans sollen sich von den Chaoten distanzieren. Wer dies nicht tut, solidarisiert sich in gewisser Weise mit den Kriminellen. Zwingen kann ich dazu aber niemanden.

Sie schreiben, dass sich Sponsoren vom FCL abwenden.

Stäger: Das ist verständlich. Bisher haben zwar noch keine Sponsoren oder Partner die Verträge gekündigt. Aber die negativen Vorfälle sind schädlich für unseren Verein. Verhandlungen mit Partnern habe ich die vergangenen Tage bewusst auf die lange Bank geschoben.

Mit den Massnahmen des verschärften Hooligan-Konkordates scheint man sich beim FCL schwer zu tun.

Stäger: Das tun wir nicht. Diese kriminellen Machenschaften ausserhalb des Stadions können mit keiner verschärften Auflage des Konkordats verhindert werden. Die Konkordats-Massnahmen betreffen nämlich im Wesentlichen die Eingangskontrollen. Wir unterstützen jede Massnahme, die Gewalt und Pyros im Stadion verhindern hilft.

Am vergangenen Samstag gab es wieder Pyros.

Stäger: Leider. Solche Aktionen schaden dem FCL. Gerade jetzt, da noch immer die Ausschreitungen das Thema sind.

Thema sind auch die speziellen Fantransporte. In Bern etwa sorgt der Club selber für Ordnung in den SBB-Zügen. Können Sie sich ein solches Modell für Luzern vorstellen?

Stäger: Das Berner-Modell ist für uns keine Lösung. Unsere Fantransporte funktionieren in der Regel reibungslos.

* Der Unternehmer Ruedi Stäger (57) ist seit Anfang 2014 Präsident des FC Luzern.

Sponsoren verlieren die Geduld

Die Krawalle von FCL-Anhängern sorgen auch bei den Partnern und Sponsoren des Clubs für Unmut. «Wir überlegen uns, wie die Zusammenarbeit künftig weitergeht», sagt Brigitte Heggli, Mitglied der Geschäftsleitung der Heggli AG Kriens. Die Transportfirma fährt die Spieler des FCL jeweils zu den Auswärtsspielen. Man sei nicht nur Reisepartner des FCL, sondern von den Krawallen auch direkt betroffen. So sei etwa bei einem Auswärtsspiel in St. Gallen in der vergangenen Saison der Mannschaftsbus massiv beschädigt worden. Ein Sachschaden von rund 50 000 Franken entstand. Die Schuldigen wurden nie ermittelt. Die Heggli AG musste für einen Grossteil der Kosten selbst aufkommen. «Wenn es weiterhin zu solchen Vorfällen kommt, lohnt sich unser Engagement nicht mehr», so Heggli. Gefordert sei vor allem die Politik. «Denn im nahen Ausland hat man das Problem mit Krawallen meist im Griff.»

Situation ist «unangenehm»

Seit sieben Jahren sponsert auch die Gebrüder Amberg Bauunternehmen AG in Kriens den FCL. «Mit unserem Sponsoring wollen wir einerseits den Jugendsport und andererseits auch die Bekanntheit unserer Firma fördern», sagt Bruno Amberg, Mitglied der Geschäftsleitung. Jedoch sei es «unangenehm», dass immer wieder einzelne FCL-Anhänger Krawalle verursachen. «Das Problem in den Griff zu kriegen ist schwierig, Lösungen müssen aber gefunden werden», so Amberg. Und was, wenn nicht? «Dann müssen wir schauen, ob die negativen Schlagzeilen zu einer Rückkoppelung auf unsere Firma führen.» Im Moment sehe man aber noch keinen Grund, sich vom FCL abzuwenden.

Polizei soll härter durchgreifen

Ausschreitungen an Fussballspielen seien nicht ein spezifisches Problem des FCL, sondern eines der Gesellschaft, sagt Franz Bussmann, Inhaber der Makro Art AG in Grosswangen. Sein Unternehmen unterstützt den FCL als Partner. Für ihn ist klar: «Die Politik muss der Polizei mehr Handlungsspielraum geben, um gegen die Chaoten vorzugehen.» Den FCL nicht mehr zu unterstützen, sei derzeit aber kein Thema.

Maulkorb für Swisspor-Chef

Als Co-Sponsor tritt derzeit auch die Firma Swisspor auf. Inwiefern dies auch künftig der Fall sein wird, bleibt nach Anfrage unserer Zeitung unklar. Bernhard Alpstaeg, Verwaltungsratspräsident der Swisspor Gruppe möchte sich zurzeit nicht zu den Ausschreitungen rund um den FCL äussern. Sein Stillschweigen sei mit dem Verein so abgemacht, sagt Alpstaeg.