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HOOLIGANS: Luzerner Chaoten sind brandgefährlich

Jeder sechste Vorfall in und um Fussballstadien geht auf Chaoten aus dem Umfeld des FC Luzern zurück. Grösstes Problem: Pyros. Verein und Polizei sind machtlos.
Alexander von Däniken
Pyros brennen im Super League-Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen am 21. Februar 2016 in der Swissporarena. (Bild: Philip Schmidli / Neue LZ)

Pyros brennen im Super League-Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen am 21. Februar 2016 in der Swissporarena. (Bild: Philip Schmidli / Neue LZ)

Alexander von Däniken

Übermorgen beginnt für den FC Luzern mit dem Spiel in Lugano die neue Saison in der Super League. Über der sportlichen Vorfreude liegt allerdings eine dicke Rauchwolke. Denn wie aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) zeigen, haben die Polizeikorps im letzten Kalenderjahr 214 Vorfälle in und um Schweizer Fussballstadien gemeldet. Das sind etwas weniger als in den Vorjahren. Anders ist der Trend beim FCL. Aus dessen Umfeld haben sich letztes Jahr 32 Vorfälle ereignet – etwa gleich viele wie in den Vorjahren (siehe Tabelle).

Neben einer Handvoll Vorfälle, in denen es zu Gewalt gekommen ist – darunter die Krawalle vom Pfingstmontag 2015 in Luzern –, fällt vor allem der hohe Gebrauch an pyrotechnischem Material auf. Es gab kaum ein Spiel, ohne dass einzelne Chaoten mit Knall- oder Leuchtpetarden das Leben anderer gefährdet haben.

Extremlösung: Flughafenkontrolle

Beim FCL ist der Missbrauch von Pyros ein Dauerthema, wie Mediensprecher Max Fischer erklärt: «Die einzige Lösung wären Kontrollen wie am Flughafen: mit Scannern, viel Personal und Spürhunden. Doch das ist finanziell und bei durchschnittlich über 11 000 Zuschauern auch zeitlich nicht realistisch.»

Der Verein setze darum weiterhin auf den Dialog über die Fanarbeit, Stichprobenkontrollen am Stadioneingang «und konsequente Verfolgung, wenn wir über Beweismaterial verfügen», so Fischer. So habe der Verein in der abgelaufenen Saison 50 Stadionverbote erlassen. Bei den Chaoten handle es sich um einen kleinen, harten Kern. «Es kommen aber laufend junge Leute nach, was die Identifizierung entsprechend schwierig gestaltet.» Während 13- bis 15-Jährige den Älteren etwas beweisen wollten, würden Letztere oft vernünftiger. Zwar widme sich die Fanarbeit mit dem Projekt Ragazzi gezielt den jüngeren Anhängern. Ob die jungen Chaoten damit erreicht werden, stehe auf einem anderen Blatt. «Wir sind aber überzeugt davon, dass die Selbstregulierung am erfolgversprechendsten ist», hält FCL-Sprecher Fischer fest.

Eine zusätzliche Herausforderung für die Sicherheitskräfte: Die Chaoten werden immer kreativer. «Zum Teil werden die Pyros erst im Stadion zusammengemischt. Das macht Kontrollen noch schwieriger», so Fischer. Gleichzeitig hält er fest, dass der FCL alles Mögliche unternehme, um das Abbrennen von Pyros im Stadion einzudämmen. Auch aus finanziellem Interesse. «Wir haben in der Saison 2015/16 43 300 Franken an Bussen für Pyros bezahlt.»

Polizei setzt auf Videobilder

Bernhard Aregger, Chef Planung und Einsatz der Luzerner Polizei, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung die gemeinsame Strategie von Verein und Kanton: «Wir unterstützen den FCL wenn nötig bei den Stichprobenkontrollen am Eingang und setzen auf eine möglichst hohe Erfolgsquote bei der Strafverfolgung.» Ein zentrales Element dafür seien die Videokameras im Stadion. Diese sollen, wie durch den FCL angekündigt, demnächst durch noch bessere Modelle ersetzt werden.

Die komplette Hooligan-Liste finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bonus

Kommentar: Durchgreifen oder aufgeben

Alexander von Däniken

Sie sind heiss und verboten – trotzdem zünden reihenweise Chaoten in und um Fussballstadien Pyros an. Die bis zu 1000 Grad heissen Fackeln gefährden vor allem dann Unbeteiligte, wenn sich in unmittelbarer Nähe viele Menschen aufhalten. Das hält die Chaoten nicht davon ab, den Ordnungsdiensten der Vereine und der Polizei auf der Nase herumzutanzen: Indem sie sich vermummen, die Pyros gut verstecken oder sie sogar erst auf den Rängen aus verschiedenen Pulvern zusammenmischen, wie der FC Luzern weiss.

Praktisch an jedem Spiel des grössten Zentralschweizer Spitzenclubs werden Pyros gezündet. Dies zeigen Zahlen der Bundespolizei aus dem letzten Jahr. Auch Knallpetarden, die das Gehör nachhaltig schädigen können, sind oft im Spiel. Das dürfte sich in der neuen Saison, die am kommenden Wochenende beginnt, nicht ändern. Nicht nur der FCL – und die Mehrheit der friedlichen Matchbesucher – hat mit Pyro-Chaoten zu kämpfen, sondern auch alle grösseren Super-League-Clubs. Keiner hat bis jetzt ein Patentrezept.

Stattdessen wird an einer Pflästerlipolitik festgehalten, die keine Brandwunde heilen kann. Die Fanarbeit setzt auf Dialog und Selbstregulierung unter den Fans, erreicht aber die Chaoten nicht. Der Verein will seine Stadionregeln – Abbrennen von Pyromaterial verboten! – durchsetzen, ohne die friedlichen Fans zu vergraulen und die Chaoten zu provozieren. Die Polizei kann auf privatem Grund nur beratend eingreifen. Und allerorts fehlt das Geld.

Mit jeder heissen Saison steigt der Druck. Werden jetzt keine Fortschritte erzielt, bleiben nur noch zwei Optionen: ein knallhartes Sicherheitsregime – oder Pyros legalisieren.

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