HOOLIGANS: Polizei will neu auf Facebook setzen

26 GC-Anhänger konnten dank des «Internetprangers» verurteilt werden. Dessen Wirkung lässt aber nach. Deshalb will die Luzerner Polizei auf Social Media aktiv werden.

Alexander von Däniken
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20. März 2012: Beim Spiel Luzern gegen GC wird in der Swissporarena Feuerwerk gezündet. Später liefern sich GC-Fans beim Bahnhof Scharmützel mit der Polizei. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

20. März 2012: Beim Spiel Luzern gegen GC wird in der Swissporarena Feuerwerk gezündet. Später liefern sich GC-Fans beim Bahnhof Scharmützel mit der Polizei. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der Bahnhof Luzern glich am 20. März letzten Jahres einem Schlachtfeld. Statt den Extrazug nach Zürich zu besteigen, lieferten sich GC-Anhänger nach dem Fussballspiel in Luzern ein Gefecht mit der Polizei. Die Chaoten warfen Schottersteine vom Bahntrassee nach den Polizisten, welche mit Gummischrot antworteten. Schon zuvor kam es zu Ausschreitungen am Bundesplatz, und während des Matches wurden zahlreiche Pyros gezündet. Weil die Luzerner Polizei die Chaoten mit konventionellen Mitteln nicht identifizieren konnte, stellte sie die Bilder von 34 mutmasslichen Hooligans ins Netz. Das zeigte Wirkung: Schon einen Tag danach meldeten sich 17 Personen, 15 weitere konnten in den Monaten danach dank Hinweisen identifiziert werden.

Geldstrafen bis 23 000 Franken

26 der Randalierer sind in der Zwischenzeit rechtskräftig verurteilt worden – unter anderem wegen Gewalt und Drohung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und Vermummung. Die Verurteilten sind zwischen 20 und 36 Jahre alt und erhielten Geldstrafen bis zu 23 000 Franken – allerdings alle bedingt. Dazu kommen aber Bussen bis zu 4600 Franken. Zudem müssen sie die Untersuchungskosten bezahlen. Für alle Verurteilten wurden zudem Rayon- und Stadionverbote ausgesprochen. Zwei Verfahren wurden eingestellt: In einem Fall wurde eine Person fälschlicherweise verzeigt. Im zweiten Fall reichte die Qualität der Videos für eine Verurteilung nicht aus.

Doch warum dauerte es zwischen der Internetfahndung und den Verurteilungen so lange? «Wir wollten erst kommunizieren, nachdem alle Verurteilungen rechtskräftig geworden waren», erklärt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft. Unter den Verurteilungen befindet sich kein Fall von Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz, obwohl beim betreffenden Fussballspiel in der Swissporarena Pyros gezündet wurden. Kopp erklärt dies damit, dass das Zünden von Pyros alleine für die Internetfahndung nicht ausreicht. Schliesslich sei die Internetfahndung nur in schweren Fällen zulässig, wie eben Gewalt gegen Behörden und Beamte. Der FC Luzern zeigt sich zufrieden mit dem Fahndungserfolg, wie Kommunikationschef René Baumann auf Anfrage erklärt: «Über Vorfälle wie denjenigen vom 20. März 2012 sind wir sehr besorgt und unterstützen die Polizeiarbeit. Umso besser ist es, wenn möglichst viele Täter zur Rechenschaft gezogen werden.» Bei GC war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Erfolgsquote von 76 Prozent

Die Bilder von 34 im Internet pub­lizierten Hooligans führten also zu 26 rechtskräftigen Verurteilungen. Das ergibt eine Erfolgsquote von rund 76 Prozent. Das ist zwar hoch, aber nicht mehr so hoch wie zu Beginn der Internetfahndungen. Zumal laut Simon Kopp die Anzahl Klicks auf der Website der Luzerner Polizei ebenfalls zurückging. Als die Luzerner Polizei 2007 erstmals Bilder von fünf Hooligans ins Netz stellte, konnten alle identifiziert und verurteilt werden. Die sinkende Quote erklärt sich Simon Kopp mit dem zunehmenden Gebrauch der Internetfahndung in anderen Kantonen: «Die Bevölkerung spricht dadurch wohl nicht mehr mit gleichem Interesse auf dieses Instrument an.» Ausserdem benutzt das Umfeld der Hooligans längst nicht mehr nur das Internet. Darum überlegt man sich, künftig die sozialen Netzwerke für die Fahndung nach Hooligans zu nutzen. Entschieden sei noch nichts. Allerdings blicke man gespannt zur Stadtpolizei Zürich, welche vermehrt Facebook nutze, um die junge Bevölkerung zu erreichen, sagt Kopp. Die Zürcher haben im Gegensatz zur Luzerner Polizei eine umfangreiche Facebook-Seite und stellen dort auch Videobilder von gesuchten Fussballchaoten aus.

Zurzeit werden 7 Hooligans gesucht

In Luzern bleibt die Fahndung vorerst aber auf die eigene Polizei-Homepage (www.polizei.lu.ch) beschränkt. Dort wurden bisher fünfmal Bilder von Hooligans aufgeschaltet, das letzte Mal im Juni 2012 nach Ausschreitungen im Anschluss an ein Public Viewing eines EM-Fussballspiels beim KKL. Von diesem Vorfall sind derzeit noch Bilder von sieben Personen online.