HORLAUI: Beschwerden nach Umsiedlung in Weggis

Nach der vom Gemeinderat angeordneten Umsiedlung im Steinschlaggebiet Horlaui setzen sich Betroffene juristisch zur Wehr. Die Bewohner zweier von fünf Häusern haben beim Kantonsgericht Beschwerde gegen die Nutzungsverbote und Abbruchverfügungen eingelegt.

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Das Gebiet Horlaui an der Seeuferstrasse zwischen Weggis und Vitznau. (Bild: Keystone)

Das Gebiet Horlaui an der Seeuferstrasse zwischen Weggis und Vitznau. (Bild: Keystone)

Die Einsprecher würden die Massnahmen als unverhältnismässig erachten und forderten teilweise höhere Entschädigungen, sagte der Weggisser Gemeindeammann Baptist Lottenbach auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Zu den konkreten Forderungen äusserte er sich nicht.

In einem Zwischenentscheid vom Montag stützte das Luzerner Kantonsgericht den Gemeinderat vorerst und bestätigte die Dringlichkeit des Betretungsverbots. Die Bewohner müssen ihre Häuser verlassen und dürfen sie ab Freitag nicht mehr betreten, wie Gerichtssprecherin Franziska Betschart Informationen von «20 Minuten» bestätigte.

06.11.2014: Die ersten Häuser in der Horlaui werden abgerissen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
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Während der letzten beiden Monate wurden die gefährlichsten Stellen an der Horlaui abgetragen und gesichert. (Bild: Gemeinde Weggis)
Der Fels wird abgetragen. Bis Mitte November sind die Arbeiten abgeschlossen. (Bild: Gemeinde Weggis)
Einblick in die Geologie oberhalb der Laugneri. (Bild: Gemeinde Weggis)
Hämmern der Presslufthammer oberhalb der Horlaui in Weggis. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die rot eingezeichneten Punkte zeigen, wo Arbeiten gemacht werden müssen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Ingenieur Alois Käslin erklärt die Baustelle. Die Firma Gasser baut oberhalb der Horlaui instabile Felsformationen ab. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Dieser lose Felsbrocke mussen abgetragen werden. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Mit schwerem Gerät wird der Fels abgetragen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die Spezialisten sind hoch über dem Vierwaldstättersee am Werk. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
4. Juli 2014: Beste Aussicht auf den Vierwaldstättersee, doch diese Häuser müssen weg. (Bild: Keystone / Urs Flueeler)
Ab dem 1. August sind die Häuser nicht mehr bewohnbar. (Bild: Keystone / Urs Flueeler)
Die Felsen oberhalb des Gebiets Horlaui drohen in absehbarer Zeit auf die Häuser zu donnern. (Bild: Keystone / Urs Flueeler)
Bild: Keystone / Urs Flueeler
Bild: Keystone / Urs Flueeler
Bild: Keystone / Urs Flueeler
Bild: Keystone / Urs Flueeler
Bild: Keystone / Urs Flueeler
An mehreren Felspaketen – hier im Bild die Formation H 16 – direkt oberhalb der Wohnhäuser im Gebiet Horlaui besteht dringender Handlungsbedarf. (Bild: pd)
H 16 seitlich: Die potentiell kurzfristig bis plötzlich auftretenden Sturzenergien würden Wohnhäuser zerstören – mit möglicher Todesfolge für Bewohnerinnen und Bewohner. (Bild: pd)
Das Gebiet Horlaui zwischen Hinder Rüti und Riedsortegg, im Osten der Gemeinde Weggis Richtung Vitznau. (Bild: pd)
Die Stabilitätsreserven mehrerer Felsobjekte – hier die Formation H 8 – werden als äusserst gering bezeichnet. (Bild: pd)
Die Horlaui im Frühjahr 2014: Einblick vom See her auf das Gefahrengebiet. (Bild: pd)

06.11.2014: Die ersten Häuser in der Horlaui werden abgerissen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Gemeinde darf die Häuser auf Anordnung des Gerichts allerdings bis mindestens am 31. Oktober nicht abreissen. Ein definitiver Entscheid über die Abbrüche sei noch nicht getroffen worden, sagte die Gerichtssprecherin. Ein Urteil werde erst im Hauptverfahren gefällt.

Anfang Juli kündigte der Gemeinderat von Weggis an, dass die zehn Bewohner von fünf Wohnhäusern im Gebiet Horlaui oberhalb des Vierwaldstättersees ihre Unterkunft bis Ende Monat verlassen müssen und sie danach nicht mehr betreten dürfen.

Kosten von sechs Millionen Franken

Die Häuser im Steilhang am Fuss der Rigi sind gemäss Behörden akut von Steinschlägen bedroht und sollen abgerissen werden. Der Gemeinderat erachtet die drastische Massnahme im Gebiet Horlaui als sicherste und günstigste Variante im Schutz vor Naturgefahren.

Die Umsiedlung, die Felssicherungen und der geplante Abbruch der Häuser kosten gemäss Schätzungen von Weggis rund sechs Millionen Franken. Rund die Hälfte davon seien für Entschädigungen der Hausbesitzer vorgesehen, wie Gemeindeammann Baptist Lottenbach sagte.

An den Kosten beteiligen würden sich die Gebäudeversicherung, der Bund, der Kanton Luzern und die Gemeinde Weggis. Im Gesamtbetrag enthalten sind auch Landerwerbe. Weggis will die Grundstücke den Besitzern abkaufen.

Am Donnerstag verlassen die letzten Horlaui-Bewohner ihre Häuser, sagte Gemeindeammann Baptist Lottenbach. Alle Betroffenen hätten im Dorf oder ausserhalb von Weggis eine Unterkunft für mindestens ein halbes Jahr gefunden. Die Gemeinde unterstütze die Betroffenen finanziell bei den Zügelkosten, Mieten und Möbeleinlagerungen.

Nach dem Auszug will die Gemeinde die Felssicherungsarbeiten in Angriff nehmen. Diese sollen im steilen Gelände teilweise per Helikopter durchgeführt werden. Einen möglichen Abbruch der Häuser plant die Gemeinde nicht vor dem 1. November, wie Lottenbach sagte. (sda)