Interview

Hornbach-Schweiz-Chef Alessandro Pellegrini: «Rabatte gibt es bei uns nicht»

Die Baumarktkette Hornbach spürt die Konkurrenz der Discounter. Alessandro Pellegrini, Chef der Schweizer Niederlassungen, erklärt, wie er damit umgeht.

Maurizio Minetti
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Alessandro Pellegrini, Schweiz-Chef von Hornbach. (Bild: Philipp Schmidli, Littau, 27. Juni 2019)

Alessandro Pellegrini, Schweiz-Chef von Hornbach. (Bild: Philipp Schmidli, Littau, 27. Juni 2019)

Der sogenannte Do-it-yourself-Markt wächst in der Schweiz laut dem Marktforscher GfK nur leicht. Wie läuft das Geschäft bei Ihnen?

Grundsätzlich ist das Baumarkt-Geschäft wetterabhängig. Ein guter Frühling kurbelt das Gartengeschäft an, das bei uns rund einen Drittel ausmacht. Letztes Jahr war diesbezüglich ein gutes Jahr, heuer war der Frühling zwar regnerischer, ich rechne aber dennoch mit guten Zahlen auch für dieses Jahr.

Baumarkt-Produkte gibt es mittlerweile auch in herkömmlichen Läden wie Aldi oder Lidl. Spüren Sie diese Konkurrenz?

Es ist tatsächlich so, dass der traditionelle Do-it-yourself-Markt von allen Seiten angegriffen wird. Wir merken es vor allem, wenn Lebensmitteldiscounter mit ihren zahlreichen Filialen aggressive Tiefpreis- oder Rabattaktionen lancieren.

Und was ist Ihre Antwort darauf?

Unsere Philosophie ist eine ganz andere als diejenige der Discounter. Rabatte oder Aktionen gibt es bei uns nicht. Wir fahren eine Dauertiefpreis-Strategie. Beim Lebensmitteldiscounter kaufen Sie vielleicht spontan einen Gartenschlauch oder eine Giesskanne, wenn Sie ohnehin den Wocheneinkauf dort erledigen. In den Hornbach geht man gezielt hin, um ein Projekt im Garten oder im Haus zu starten. Und dann bekommt man auch qualitativ gute Produkte und Beratung dazu.

Ihr Geschäft steht aber auch online unter Druck. Online-Shop-Anbieter aus dem Ausland können ebenfalls tiefere Preise anbieten.

Wir müssen uns im Internet nicht verstecken. Unseren Online-Shop mit aktuell über 100'000 Produkten betreiben wir seit 2014. Mittlerweile erwirtschaften wir einen zweistelligen Prozentanteil unseres Umsatzes über den Online-Kanal. Wir stecken da sehr viel Energie rein und investieren entsprechend.

Aktuell können Sie aber nicht viel investieren: Die Hornbach-Gruppe hat im jüngsten Geschäftsjahr einen Gewinneinbruch erlitten und muss jetzt sparen.

Das stimmt, wir sind Teil der Gruppe und müssen wie alle anderen Gesellschaften unseren Beitrag leisten und ebenfalls auf die Kosten achten. Aber ich habe keinen spezifischen Sparauftrag für die Schweiz.

Man könnte den Eindruck bekommen, dass die Schweizer Expansion von Hornbach stockt: Konzernchef Albrecht Hornbach sagte vor vier Jahren, er habe Ideen für rund 15 Standorte in der Schweiz. Vor einem Jahr haben Sie in Affoltern am Albis erst den siebten Baumarkt eröffnet.

Unsere Expansion ist vielleicht ein bisschen verzögert, aber das Ziel von 15 Baumärkten besteht nach wie vor. Derzeit evaluieren wir drei bis vier Standorte. Im thurgauischen Sirnach haben wir die Mietverträge für unsere achte Filiale unterschrieben; wir werden Ankermieter in einem Einkaufszentrum. Ich rechne damit, dass wir dort in zwei Jahren eröffnen werden.

Sie wären damit wesentlich schneller als in Affoltern, wo Sie ganze zwölf Jahre lang auf die Eröffnung warten mussten. Was war da los?

Der Standort Affoltern war noch nicht zonenkonform, als wir den Boden gekauft haben. Das war von Anfang an ein Risiko. Wir haben 32 000 Quadratmeter gekauft und wussten nicht, ob wir dort überhaupt einen Baumarkt betreiben können. Dann gab es Einsprachen, Probleme mit den Verkehrskonzepten und andere Stolpersteine.

Was unternehmen Sie, um ein solches Szenario in Zukunft zu verhindern?

Einen solchen Fall kann man nie gänzlich ausschliessen. Es gibt grundsätzlich zwei Arten für eine Expansion: Man sichert sich Land und wartet auf die Zonenkonformität. Das kann Jahre dauern wie in Affoltern, dafür hat man die benötigte Fläche. Oder man wartet auf die Zonenkonformität und erhält dann unter Umständen die Fläche, die halt übrig bleibt. Wir brauchen auf jeden Fall rund 30 000 Quadratmeter Fläche und etwa 450 Parkplätze. Darum ist für uns die Fläche eines der wichtigsten Kriterien.

Mit diesen Voraussetzungen sind Sie gezwungen, in der Peripherie zu bleiben. Haben Sie nie an eine Expansion in die Städte gedacht?

Natürlich wären wir gerne in den Städten präsent. Aber unser Konzept sieht nun mal grosse Flächen vor, um unser breites und tiefes Sortiment sowie Servicekompetenz bieten zu können. In der Stadt wird das schwierig. Wir haben rund ein Dutzend Abteilungen in jedem Hornbach. Das bringt man auf tausend Quadratmetern nicht unter.

Zur Person

Der gebürtige Baarer Alessandro Pellegrini, 49, ist seit Januar 2015 Chef von Hornbach Schweiz. Die börsenkotierte deutsche Baumarktkette ist seit 2002 in der Schweiz präsent. Damals eröffnete in Littau der erste Markt. Später kamen die Filialen in Galgenen, Biel, Etoy, Villeneuve, Riddes und jüngst Affoltern am Albis hinzu. Länderspezifische Umsatzzahlen gibt Hornbach nicht bekannt. Schweizweit beschäftigt das Unternehmen rund tausend Personen, davon knapp hundert am Hauptsitz in Sursee.