Digitale Themen erreichen die Luzerner Hörsäle

Heute Montag starten Hochschule und Universität Luzern ins Herbstsemester. Gross ist nicht nur die Zahl der Studenten, sondern auch die Auswahl an neuen Studiengängen. Interdisziplinäre Angebote werden wichtiger.

Martina Odermatt
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Auch die Hochschule Luzern hat in den vergangenen Jahren ihr Studienangebot ausgebaut – etwa im Bereich «Cyber Security». (Bild: Philipp Schmidli (Horw, 14. September 2015))

Auch die Hochschule Luzern hat in den vergangenen Jahren ihr Studienangebot ausgebaut – etwa im Bereich «Cyber Security». (Bild: Philipp Schmidli (Horw, 14. September 2015))

Ob Soziale Arbeit, Recht oder Pädagogik: An der Hochschule Luzern (HSLU), der Uni und der Pädagogischen Hochschule studieren rund 19000 Personen (Ausgabe vom 13. September). Ab heute werden viele von ihnen wieder in den Hörsälen erwartet. Der Unterricht an der Pädagogischen Hochschule Luzern läuft bereits. Auffällig: In den vergangenen Jahren ist nicht nur die Zahl der Auszubildenden, sondern auch diejenige der Studiengänge stetig angewachsen. Das zeigt die folgende Übersicht.

Die Hochschule Luzern hat etwa dieses Jahr besonders zu den Themen Informationssicherheit und digitale Transformation aufgerüstet. Ab heute können Studenten einen Master in Applied Information and Data Science antreten. «Daten sind die Ressourcen des 21. Jahrhunderts», sagt René Hüsler, Ressortleiter Ausbildung der Hochschule Luzern. «Die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften mit Datenkompetenzen steigt bei allen Organisationen stetig.»

Neuer Studiengang in Information & Cyber Security

Neu seit diesem Herbst ist auch der Bachelorstudiengang in Information & Cyber Security. Viren wie «WannaCry», der im Mai 2017 über 230 000 Computer infiziert hatte, unter anderem auch Spitäler, zeigten die Gefahr der Digitalisierung. «Heute sind alle Lebensbereiche von vernetzten Computersystemen durchdrungen, woraus völlig neue Anforderungen an die Sicherheit entstehen», sagt Hüsler. Mit dem schweizweit ersten Fachhochschul-Studiengang seiner Art wolle das Departement diese Entwicklung aufnehmen.

Weil IT-Fachleute auch in einem immer internationaleren Umfeld arbeiten, sind interkulturelle Kompetenzen und eigene internationale Erfahrungen laut Hüsler zudem essenziell. Der Studiengang Bachelor in IT Management soll Ausgebildeten helfen, IT-Projekte auf internationaler Ebene voranzutreiben. Das Departement Informatik verzeichnet mit fast 12 Prozent mehr Studierenden den höchsten Anstieg aller sechs Departemente der Hochschule Luzern. Aktuell werden dort 25 Bachelor und 15 Master-Studiengänge angeboten.

Zusammenarbeit wird immer wichtiger

Eine besondere Bedeutung hat auch an der Hochschule Luzern die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen gewonnen. Beim Studiengang in Applied Information and Data Science sind die Departemente Wirtschaft, Technik & Architektur, Informatik sowie Design & Kunst involviert. «Der moderne Datenwissenschaftler muss in der Lage sein, Datenprojekte in unterschiedliche Kontexten zu leiten», begründet Hüsler. Auch zwischen den Hochschulen findet eine Zusammenarbeit statt. Der neue Masterstudiengang Fachdidaktik Medien und Informatik für Lehrpersonen ist eine Kooperation zwischen der Hochschule Luzern, der Pädagogischen Hochschule Luzern, der Pädagogischen Hochschule Schwyz und der Universität Zürich.

Bereits 2015 lancierte die Hochschule Luzern den Bachelorstudiengang Medizintechnik, 2016 den Bachelorstudiengang Digital Ideation und die Studienrichtung XS Schmuck. Die Schaffung neuer Studiengänge schlägt sich auch in der Studierendenzahl nieder: Die Hochschule Luzern verzeichnet seit 2013 ein leichtes aber stetiges jährliches Wachstum. Dieses Jahr haben 6568 Personen ihr Studium angetreten.

«Ein Fach allein kann die vielschichtigen Fragen, die sich in einer zunehmend komplexen Welt stellen, oft nicht mehr beantworten.» 

Lukas Portmann, Uni Luzern

Auch die Universität Luzern baut ihr Angebot laufend aus. Aktuell bietet sie 14 Bachelor- und 25 Masterstudiengänge an. An der Uni Luzern werden ab diesem Jahr zum ersten Mal Studierende den Master in Philosophie, Politik und Wirtschaft absolvieren können, nachdem schon seit 2013 eine entsprechender Bachelor-Studiengang angeboten wird. Ein interdisziplinärer Studiengang, den es bereits seit rund hundert Jahren in Oxford gibt und der in die Welt exportiert wurde. In der Schweiz ist dieser bislang einzigartig. «Ein Fach allein kann die vielschichtigen Fragen, die sich in einer zunehmend komplexen Welt stellen, oft nicht mehr beantworten», sagt Lukas Portmann, Sprecher der Uni Luzern auf Anfrage. Studierende erhielten in allen drei Disziplinen eine fundierte Ausbildung.

Zudem gibt es ab diesem Semester den Dual Master Degree in Politikwissenschaft, ein zweifacher Abschluss also. Politikwissenschaftsstudenten absolvieren ihr Studium an der Carleton University im kanadischen Ottawa und der Universität Luzern. Am Ende ihres Studiums erhalten sie ein kanadisches und ein schweizerisches Diplom.

Kommendes Jahr bietet die Uni Luzern zudem neu einen Master in Wirtschaftswissenschaften mit drei Spezialisierungen an. Und auch für 2020 ist bereits ein neuer Studiengang geplant, der Joint Master Medizin: Rund 40 Studenten können diese gemeinsame Ausbildung der Universitäten Luzern und Zürich absolvieren.

Eine Brücke zwischen Didaktik und Fachwissen

Auch die Pädagogische Hochschule Luzern lancierte heuer neue Angebote: Neben dem Master in Fachdidaktik Medien und Informatik, wo die PH Schwyz den Lead hat, startete auch jener für Fachdidaktik in Natur, Mensch, Gesellschaft und nachhaltige Entwicklung. «Es gibt Kantilehrer, die zwar das Fachwissen haben, aber didaktisch nicht so versiert sind, und es gibt Primarlehrer, die super mit den Kindern umgehen können», aber denen das Fachwissen fehlt. Fachdidaktische Studiengänge schlagen hier eine Brücke», erklärt Markus Wilhelm, der den Studiengang im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung von Swissuniversities in Luzern aufgebaut hat. «Mit diesem Studium kann man nicht nur als Dozentin oder Dozent an einer Pädagogischen Hochschule arbeiten, sondern etwa auch in Museen.» Ein Angebot, das gleich von Anfang an auf viel Resonanz stiess: 30 Studierende haben sich eingeschrieben. Seit 2014 hat die PH Luzern 9 neue Studiengänge eingeführt.