HORW: 81-jähriger Horwer holt den WM-Titel

An den Schwimm-Weltmeisterschaften der Senioren in Kanada hat Josef Krejci fünf Medaillen geholt. Diese bewahrt er an einem speziellen Ort auf.

Raphael Gutzwiller
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Gestern nach dem Training im Hallenbad Luzern: Der weltmeisterliche Schwimmer Josef Krejci zeigt stolz seine WM-Medaillen. (Bild Boris Bürgisser)

Gestern nach dem Training im Hallenbad Luzern: Der weltmeisterliche Schwimmer Josef Krejci zeigt stolz seine WM-Medaillen. (Bild Boris Bürgisser)

«Ich brauche das einfach», sagt der 81-jährige Josef Krejci. Wieder einmal ist der Horwer von einer Masters-Weltmeisterschaft (siehe Kasten) mit einem imposanten Medaillensatz nach Hause gekommen. Im kanadischen Montreal erkämpfte er sich in verschiedenen Disziplinen zwei goldene, eine silberne und zwei bronzene Medaillen. Er sagt aber: «Es geht mir nicht um die Medaillen.» Um seine Aussage zu unterstützen, zeigt er den Ort seiner riesigen Medaillensammlung: Diese befindet sich an einem Haken in der Waschküche in seiner Wohnung im Felmisquartier in Horw.

In der Sammlung finden sich insgesamt 120 Medaillen, darunter 50 goldene, die er und seine Frau Olga (79) geholt haben. Einige der Medaillen hat das Ehepaar auch schon an Freunde und Vereine verschenkt. «Was soll man sonst mit ihnen machen?», fragt Olga Krejci schon fast entschuldigend.

Seit 1994 dabei

Gemeinsam nimmt das Ehepaar seit 20 Jahren an den Masters-Schwimmmeisterschaften statt. Fleissig gewinnen die Krejcis in ihrer Altersklasse fast alles, was es zu gewinnen gibt. Aber nicht in diesem Jahr: Olga musste die Masters- Weltmeisterschaften nach nur einem Wettkampf, den sie auf dem 9. Rang beendet hatte, aufgrund von Rückenproblemen abschreiben. «Klar war es bitter für sie; auch sie hat sich das ganze Jahr darauf vorbereitet», erklärt Josef Krejci.

Dass es keine Selbstverständlichkeit ist, in diesem Alter noch so fit zu sein, weiss auch der mehrfache Weltmeister: «Ich habe nie geraucht und immer viel Sport getrieben. Aber natürlich gehört auch viel Glück dazu.» Dennoch geht das Alter auch am Ehepaar nicht spurlos vorbei. «Jedes Alter hat seine Grenze», führt Olga Krejci aus. «Es gibt solche, die dann einfach gar nichts mehr machen. Die sind dann aber ein bisschen faul. Wir geben immer noch unser Bestes.»

Auch Geselligkeit ist wichtig

Allerdings nehmen die beiden nicht nur wegen der Wettkämpfe an den Masters teil. «Wir treffen da immer wieder viele Freunde», sagt Josef Krejci. Durch die Welt- und Europameisterschaften sieht man sich so jährlich und kann ein bisschen sprechen. Es ist aber schon schade, dass einige nicht mehr kommen können.»

Aus Prag geflüchtet

Erst ein Masters haben Olga und Josef Krejci verpasst. 2011 fanden die Masters-Europameisterschaften in Jalta in der Region Krim (Ukraine) statt; da wollten sie nicht hin. Aufgewachsen in der ehemaligen Tschechoslowakei, wurden beide Sportstudenten. Josef Krejci schaffte es ins Schwimm-Nationalteam und zählte zu den besten Schwimmern der Welt. «Ich war in den Top fünf, sechs weltweit. Aber das war noch ein ganz anderes Schwimmen», sagt er lachend. Eigentlich sollte Josef Krejci 1956 an den Olympischen Spielen teilnehmen. Aufgrund politischer Gründe wurde ihm dann aber die Teilnahme kurzfristig untersagt. Olga war eine gute Leichtathletin.

«Als Sportler durfte ich ausreisen, aber ich bin immer wieder zurückgegangen», sagt Josef Krejci. Als die Russen dann 1968 nach Prag kamen, flüchteten die Krejcis. In der Schweiz liessen sich beide zu Turnlehrern ausbilden. Zwölf Jahre nach ihrer Ankunft wurde das Ehepaar eingebürgert. «Ich fühle mich ganz als Schweizer», erklärt Josef Krejci. Zurück nach Prag zu gehen, sei für das Ehepaar nie eine Option gewesen.

«Ich war ein strenger Lehrer», sagt Josef Krejci zu seiner Zeit an Luzerner Primar- und Sekundarschulen. «Alle Sportarten müssen auch gelernt sein. Aber meine Schüler sprechen heute gut über mich und bedanken sich sogar, wenn sie mich sehen.» «Wir haben heute noch Kontakt mit unseren Schülern», erklärt Olga und muss sich kurz entschuldigen. Das Telefon klingelt: Eine ehemalige Schülerin meldet sich.

Die beiden Turnlehrer begannen, sich in der Luzerner Sportszene zu engagieren. Gemeinsam gründete das Ehepaar die Volleyballsektion des BTV Luzern. Als Spielerin führte Olga Krejci den BTV von der 4. Liga in die National­liga A. Josef Krejci engagierte sich für den BSV Borba im Handball und führte diesen als Trainer bis in die Nationalliga B. Zudem erkämpfte er sich mit den Junioren den Vize-Schweizer-Meistertitel.

Mit den Veränderungen in der Luzerner Sportszene sind die beiden Sportpioniere allerdings nicht wirklich glücklich. «Es ist schade, dass es immer mehr um Geld geht», sagt Josef Krejci. «Ich wünschte mir für die jungen Luzerner und Luzernerinnen, dass beim Sport vermehrt auf die eigenen Junioren gesetzt würde.»

Er trainiert fünfmal in der Woche

Auch mit 81 Jahren trainiert Josef Krejci bis zu fünfmal in der Woche im neuen Hallenbad auf der Allmend. «Es sind natürlich super Bedingungen, die wir hier vorfinden. Es ist wirklich alles schön gemacht.»

Von der Gemeinde Horw wurden die Krejcis schon mehrfach ausgezeichnet. Auch eine Auszeichnung des Luzerner Stadtrates hat es für die fleissigen Sportler schon gegeben.

Auf die Frage, wie lange er noch schwimmen möchte, lächelt Krejci: «Ich weiss es nicht.»