HORW: Auf den neuen Eglivater warten 150 Pflichttermine

Er suchte die Ruhe – und ist trotzdem neuer Eglivater geworden: Ex-Gemeinderat Gianmarco Helfenstein steht ein strenges Jahr bevor.

Raphael Zemp
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Zunftmeister Hans-Ulrich Burri (links) setzt dem neuen Eglivater Gianmarco Helfenstein den Hut auf. (Bild Philipp Schmidli)

Zunftmeister Hans-Ulrich Burri (links) setzt dem neuen Eglivater Gianmarco Helfenstein den Hut auf. (Bild Philipp Schmidli)

Die Egli-Zunft Horw hat einen neuen Eglivater, und einen bekannten noch dazu: CVP-Kantonsrat Gianmarco Helfenstein (61). Der zurückgetretene Horwer Gemeinderat wollte eigentlich einen Gang runterschalten – den Würden und Bürden eine Eglivaters konnte er jedoch nicht widerstehen. Nun ist er seit Samstag oberster Fasnächtler von Horw. Und als solcher hat er Grosses vor. Mit dem Motto «Fasnacht a de Horwer Bucht – das esch en Wucht» will er die lokale Fasnachtstradition stärken.

Seine Frau fands weniger lustig

«Was wotsch i dem Gremium versuure?», fragte «der Mann mit Hut», eine illustre Figur der Egli-Zunft Horw, rhetorisch. «Fertig mit dem langwiilige Polittheater, wird doch besser üse neu Eglivater!» Ob es wirklich der Überdruss an der Gemeindepolitik war, der Gianmarco «Tschami» Helfenstein dazu bewog, das Amt des Eglivaters zu übernehmen? Wie auch immer – als 35. Eglivater der Egli-Zunft Horw löst Helfenstein Ruedi Felder ab, der entgegen seinem Motto gar nicht so «locker vom Hocker» das Zepter abgab – gerne wäre er nämlich noch ein wenig länger auf dem Eglivater-Thron sitzen geblieben, sagte er an der gelungenen Inthronisationsfeier.

Auf Helfenstein warten nun viele spannende Erlebnisse und Eindrücke. Und über 150 fasnächtliche Pflichttermine. Eine Bedenkzeit habe er sich für diese Entscheidung schon einräumen müssen. Und auch seine Gattin Helen (61) war nicht gerade Feuer und Flamme, gibt Helfenstein zu. «Da hat es doch Überzeugungskraft von meiner Seite gebraucht.» Speziell vorbereiten auf die anstehenden Abenteuer wird sich der neue Eglivater nicht. «Eigentlich habe ich darauf spekuliert, dass die Welt am 21. Dezember untergehen und es somit bloss bei einer Nomination bleiben würde», scherzt Gianmarco I. an seiner Antrittsrede.

Ein altgedienter Fasnächtler

Auch wenn sich Helfenstein keinem speziellen Vorbereitungsprogramm un-terzieht, ein Fasnachtsnovize ist er bei weitem nicht. Über acht Jahre lang war er Tambourmajor der Horwer Guuggenmusig Rasselbande, seine Frau Helen ist gar Gründungsmitglied. Das Vertrauen seiner Zunftkollegen geniesst der frischgebackene Eglivater nicht zuletzt auch wegen seines beruflichen Werdegangs. Viele Jahre war Helfenstein in der Bankbranche tätig, und auch als Finanzer der Gemeinde Horw machte er eine gute Figur. Auf tatkräftige Unterstützung kann Helfenstein zudem jederzeit zählen: Schliesslich steht ihm das neu gewählte Weibelpaar Harry und Helen Laube zur Seite.

Mit dem diesjährigen Motto will Helfenstein bewusst die hiesige Fasnachtstradition zu stärken versuchen. «Denn was viele nicht wissen: Die Horwer Fasnacht ist ein relativ junges Phänomen, nur wenig älter als 35 Jahre», erklärt der oberste Horwer Fasnächtler. Ein Umstand, der die Zünftler nicht sonderlich stört. Selbstbewusste Töne werden angeschlagen. So auch von Ruedi Ackermann von der Egli-Zunft: «Jeder weiss doch, dass, nebst Luzern und Basel, Horw die Hochburg der Fasnacht ist!»