Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HORW: Der linke Sonderfall

Vor 30 Jahren trat die L20 erstmals bei den Einwohnerratswahlen an. Heute ist sie die einzige rot-grüne Partei in der Gemeinde. Dabei wollten die Gründer gar nicht links sein.
Stefan Dähler
Die Autoabwinkaktion der L20 1987 beim Winkel. (Bild: PD)

Die Autoabwinkaktion der L20 1987 beim Winkel. (Bild: PD)

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

SP und Grüne sucht man in Horw vergebens. Stattdessen gibt es die L20. Das war jedoch nicht immer so. Die L20, deren Name auf die Buslinie 20 zurückgeht, entstand Ende 1986. Im Jahr darauf trat sie erstmals in der Öffentlichkeit in Erscheinung, bei den Einwohnerratswahlen holte sie zwei Sitze.

1987 gilt ebenfalls als Gründungsjahr der Luzerner Grünen (Ausgabe vom 9. Februar), auch in Horw gab es eine Sektion. Weiter waren damals die SP sowie der Landesring der Unabhängigen, der teils ebenfalls linke Anliegen vertrat, aktiv. «Wir bezeichneten uns zu Beginn gar nicht als links», sagt L20-Gründungsmitglied Heiri Schwegler (56). So hat man sich etwa vom «Klassenkampf­jargon» der Poch, der Vorgängerorganisation der Grünen, distanziert. «Viele unserer Mitglieder kamen aus CVP- und FDP-Familien.» Sie hatten das Ziel, ökologische Ideen und die Aufbruchstimmung zu verbreiten – auch mit speziellen Aktionen, um sich von der klassischen Parteipolitik abzugrenzen. So hat die L20 Autos beim Winkel abgewinkt oder Biokartoffeln verteilt.

Seither ist die Bewegung stetig gewachsen, bei den Wahlen 2016 holte sie acht Einwohnerratssitze im 30-köpfigen Rat – so viele wie noch nie. Grüne, Landesring und die SP lösten sich dagegen auf, die Gründung einer Jungen CVP scheiterte. Wieso setzte sich gerade die L20 durch? «Ein Grund könnte sein, dass unsere Gründungsmitglieder alle in Horw aufgewachsen sind und auch in Vereinen aktiv waren», sagt Schwegler.

«Kreative Aktionen gibt es heute kaum mehr»

Den Vorsatz, sich nicht in die linke Ecke drängen zu lassen, musste die L20 aber aufgeben. «Im Einwohnerrat kamen wir schnell in die Oppositionsrolle, und nachdem sich die anderen Parteien aufgelöst hatten, gab es keine Alternative links der Mitte», sagt Schwegler. «Meiner Meinung nach gelingt es uns aber nach wie vor gut, sachbezogen zu politisieren.» Auch die Kultur der L20 hat sich gewandelt. «Wir sind zwar bis heute offiziell keine Partei, sondern eine Bewegung», sagt Schwegler. «Doch kreative Aktionen wie zur Anfangszeit gibt es heute kaum mehr. Heute ist die L20 im Politbetrieb etabliert. Die Geschäfte werden komplexer, und es bleibt nicht mehr viel Zeit für solche Aktionen.»

Natürlich sind inzwischen auch nicht mehr alle L20-Mitglieder in Horw aufgewachsen. Einer der Zuzüger ist L20-Gemeinderat Oskar Mathis. Als er nach Horw zügelte, gab es Grüne und SP in Horw noch, erinnert sich Mathis. «Für die L20 sprach, dass man dort unabhängiger politisieren und soziale sowie Umweltanliegen gleichermassen vertreten konnte.» Die SP sei damals noch sehr stark auf soziale, die Grünen auf Umweltthemen fokussiert gewesen. «Ebenfalls reizvoll war, dass die L20 sehr ortsspezifische Themen aufgriff – beispielsweise den Erhalt der Halbinsel», sagt Mathis.

Ist die Konzentration auf Horw ein Nachteil, wenn es um kantonale Ämter geht? So stellt die L20 derzeit keinen Kantonsrat. «Ich denke nicht», sagt Mathis. Er selbst war 2008 bis 2013 Kantonsrat – allerdings nicht für die L20, sondern für die SP. L20-Kantonsratskandidaten müssen sich also für die SP oder die Grünen entscheiden. «Ich glaube nicht, dass den Kandidaten das schadet. In der Gemeinde ist die L20 ja als rot-grüne Kraft bekannt.» Zudem seien viele L20-Mitglieder zugleich auch Mitglieder bei der SP oder den Grünen. Man arbeite regelmässig mit diesen Parteien zusammen. So stellen L20-Mitglieder etwa bei Abstimmungen deren Plakate in Horw auf.

L20 als Modell für andere Gemeinden?

Auch David Roth, Präsident der SP Kanton Luzern, beurteilt die Zusammenarbeit mit der L20 positiv. «Sie machen auch mit bei kantonalen Kampagnen, etwa zu Abstimmungen.» Die Gründung einer eigenen SP-Sektion Horw sei daher kein Thema. «Zumal viele L20-Mitglieder zugleich auch bei uns oder den Grünen Mitglied sind.» Ähnlich tönt es bei den Grünen. «Es ist zwar schon etwas schade, dass unser ‹Label› dort nicht vertreten ist», sagt Maurus Frey, Präsident Grüne Kanton Luzern. «Unsere Anliegen sind durch die L20 aber bestens vertreten. Das Modell könnte für die Zukunft gar ein Musterfall sein, vor allem für Gemeinden auf dem Land, wo das linke Wählersegment kleiner ist.» Durch eine gemeinsame Partei könnte man Kräfte bündeln. «Ausserdem könnte dies helfen, Berührungsängste, die bei den klassischen linken Parteien bestehen, abzubauen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.