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HORW: Die digitalen Bestatter kommen

Ein Luzerner Jungunternehmer will die Bestattungsbranche digitalisieren. Damit ist er nicht alleine. Die Konkurrenz ist bereits gross.
Johannes Ruchti hat die Bestattungsplaner GmbH im März dieses Jahres gegründet. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 22. August 2017))

Johannes Ruchti hat die Bestattungsplaner GmbH im März dieses Jahres gegründet. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 22. August 2017))

Maurizio Minetti

Die Website ist einfach aufgebaut: «Bestattung buchen», heisst es da. Mit wenigen Klicks wählt man den Bestattungskanton und entscheidet sich zwischen Kremation oder Erdbestattung. Optional kann man auch eine Grabkreuzbeschriftung oder eine Trauerrede buchen. Das günstigste Paket kostet knapp 1500 Franken.

Seit wenigen Wochen ist Bestattungsplaner.ch online. Betreiber der Website ist Johannes Ruchti, hauptberuflich Bestatter bei Hager Imbach in Kriens, wo sich nach eigenen Angaben die älteste Sargfabrik des Landes befindet. Im März dieses Jahres hat Ruchti eine eigene GmbH in Horw gegründet. «Die Digitalisierung erfasst auch die Bestattungsbranche», sagt der 41-jährige Luzerner.

Patientenverfügung und Testamentgenerator

Dass in der Schweiz Bestattungen übers Internet gebucht werden können, ist relativ neu. Pioniere in diesem Bereich waren die Macher von Deinadieu.ch. Auf der Anfang 2016 gestarteten Plattform kann man Bestattungen buchen, aber auch alles andere organisieren lassen, das im Zusammenhang steht mit dem Tabuthema Tod. Mitgründer Nicolas Gehrig sagt, bei Bestattungen in der Schweiz müsse man die unterschiedlichen Richtlinien in den jeweiligen Gemeinden und Kantonen beachten. «Wir haben deshalb Daten von insgesamt 2000 Bestattungsämtern integriert», sagt Gehrig. Seit kurzem ist die neuste Version von Deinadieu.ch online, die unter anderem eine Vorlage für das Erstellen einer Patientenverfügung oder einen Testament-Generator integriert hat.

Deinadieu.ch hat die kommunalen Bestattungskosten und Grabnutzungsgebühren von knapp der Hälfte der Deutschschweizer Städte erfasst – schon online sind die Städte Zürich, Basel, Bern, St. Gallen, Winterthur und Luzern. Bestattungsplaner.ch vermittelt die Aufträge an lokale Bestatter, die dafür eine fixe Entschädigung erhalten. Im Moment sind die Dienstleistungen nur in der Zentralschweiz verfügbar. Ruchti möchte das Angebot aber schon bald auf die ganze Schweiz ausbauen.

Das persönliche Gespräch bleibt wichtig

Gestorben wird immer, aber kann man einen so sensiblen Bereich digitalisieren? Sowohl Ruchti als auch Gehrig glauben zwar, dass Bestattungen künftig vermehrt übers Internet gebucht werden – letztlich bleibe aber der persönliche Kontakt wichtig, sind sich beide einig. So findet zwar bei beiden Diensten der erste Kontakt digital statt, am Ende gibt es aber immer ein Gespräch mit einem Bestatter. «Wir verstehen Deinadieu.ch als Social-Entrepreneurship-Initiative und möchten über Informationen, Reportagen, Aufklärung und Services dazu beitragen, dem Sterben den Schrecken zu nehmen», ergänzt Gehrig.

Finanziell geben beide Projekte noch nicht viel her. Während der Horwer Bestattungsplaner eigenes Geld in die Firma investiert hat, haben die Gründer von Deinadieu.ch eine Struktur, bestehend aus Verein und GmbH gewählt. Die Trägerschaft besteht aus einem gemeinnützigen Verein, der ethische, medizinische und juristische Fragestellungen diskutiert sowie Positionen erarbeitet und sich zudem um das Fundraising kümmert. Der operative Betrieb des Portals wird durch eine GmbH wahrgenommen. In Zukunft sollen Einnahmen über Zusatzservices generiert werden, um die Aufwände für die Reportagen und den laufenden Betrieb zu decken.

In Deutschland rührt man hingegen bereits mit der grossen Kelle an. Für Furore sorgt das vor einem Jahr gestartete Berliner Start-up Mymoria. Das erste digitale Bestattungshaus Deutschlands organisiert und plant komplette Bestattungen. Ende des vergangenen Jahres erhielt das Jungunternehmen eine Millionenfinanzierung. Zu den Investoren gehören die St. Galler Venture-Capital-Gesellschaften b-to-v, Howzat Partners aus London sowie die bisherigen Geldgeber, unter anderem die Berliner IBB Beteiligungsgesellschaft.

Eine Studie in Deutschland hat ergeben, dass 40 Prozent der Befragten einen Bestatter übers Internet suchen. Bei den unter 40-Jährigen sind es bereits über 60 Prozent. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen der persönliche Eindruck und die angebotenen Leistungen wichtiger sind als die Kosten.

Johannes Ruchti aus Horw hat die Zahlen aus der Studie auf die Zentralschweiz heruntergebrochen. So kommt er auf rund 350 Todesfälle pro Jahr, die er mit Bestattungsplaner.ch bearbeiten könnte – Tendenz steigend. Bei Deinadieu.ch wurden bislang erst einige wenige Bestattungen durchgeführt; das direkte Buchen ist erst seit wenigen Tagen möglich. Wie das Beispiel Mymoria zeigt, könnten die Buchungszahlen aber künftig steigen: Das deutsche Portal hat im ersten halben Jahr eine dreistellige Anzahl an Bestattungen durchgeführt.

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