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Horw: Die L20 schnappt der SVP ihren einzigen Gemeinderatssitz weg

Die Überraschung ist perfekt: Jörg Stalder wird neuer Gemeinderat in Horw – womit die L20 neu zwei von fünf Exekutivmitglieder stellt. Lange Gesichter hingegen bei der SVP: Oliver Imfeld konnte den Sitz für seine Partei nicht verteidigen.

Roman Hodel
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Der neu gewählte Horwer Gemeinderat Jörg Stalder. (Bilder: Boris Bürgisser, 23. Juni 2019)

Der neu gewählte Horwer Gemeinderat Jörg Stalder. (Bilder: Boris Bürgisser, 23. Juni 2019)

Ein Sitz war bei der Gemeinderats-Ersatzwahl am Sonntag in Horw noch zu vergeben: Jener von Robert Odermatt (SVP), der am 30. September zurücktreten wird. Die SVP wollte den Sitz mit Fraktionschef Oliver Imfeld verteidigen – und ist gescheitert. Der 51-Jährige erzielte 1171 Stimmen und landete mit klarem Abstand zum Sieger nur auf dem zweiten Platz. Somit verliert die SVP ihren einzigen Gemeinderatssitz. «Ich bin nicht enttäuscht, denn ich habe gekämpft», so Imfeld. Seine Nichtwahl sei das Resultat einer verfehlten Politik von CVP und FDP. Imfeld: «Durch ihr Verhalten ist ein bürgerlicher Sitz weg.»

Die grosse Gewinnerin heisst L20, wie bereits im ersten Wahlgang, als Claudia Röösli obsiegte: Kandidat Jörg Stalder schafft die Wahl mit 1427 Stimmen. Neu und erstmals stellt Links-Grün zwei von fünf Gemeinderäten. «Das ist grossartig», sagt der 54-Jährige. Zu zweit werde die L20 in der Exekutive mehr Möglichkeiten haben, soziale und ökologische Themen einzubringen und Zeichen zu setzen.

Die L20 in Feierlaune: Die bereits im ersten Wahlgang gewählte L20-Gemeinderätin Claudia Röösli (Mitte) und Jörg Stalder.

Die L20 in Feierlaune: Die bereits im ersten Wahlgang gewählte L20-Gemeinderätin Claudia Röösli (Mitte) und Jörg Stalder.

Dass die Konkordanz nun nicht mehr spielt, kommentiert Stalder wie folgt: «Konkordanz ist gut, sofern Kandidaten mit dem entsprechenden Profil portiert werden.» Mit Blick auf die letzten Kantonsratswahlen seien zwei L20-Vertreter in der Exekutive ohnehin gerechtfertigt. Hier das Interview mit ihm:

Dass die Bevölkerung überhaupt wählen konnte, lag an der FDP. Sie verhinderte mit Francesca Schoch stille Wahlen. 1142 schrieben ihren Namen auf den Wahlzettel – 29 Stimmen weniger als Imfeld. «Als politische Quereinsteigerin kann ich damit zufrieden sein», sagt die 51-Jährige. Mit dem Vorwurf, die FDP habe den Sitzgewinn für die L20 erst möglich gemacht hat, könne sie leben, denn: «Gemeinderatswahlen sind in erster Linie Personenwahlen.» Abgesehen davon habe die CVP auch ihren Teil zum L20-Wahlsieg beigetragen.

43 Stimmen für SVP-Mitglied, das nicht kandidierte

Tatsächlich hatte die CVP Imfeld schon im ersten Wahlgang nicht unterstützt. Im zweiten empfahl sie dann, Ex-SVP-Fraktionschefin Astrid David Müller zu wählen – obwohl diese gar nicht kandidierte. 43 Personen wählten sie am Sonntag trotzdem.

Nicht nur wegen dieser in Horw beispiellosen Wahlempfehlung schlug der zweite Wahlgang hohe Wellen: Für Unmut sorgte auch das Wahlpodium. Organisiert wurde es von der Gruppe Gewerbe Horw – was den Anschein erweckte, es handle sich um den Gewerbeverein. Tatsächlich stammten die Organisatoren aber aus dem Umfeld von Imfeld. Hinzu kam der Podium-Flyer, auf dessen Rückseite einzig für Imfeld geworben wurde. Er sagt dazu: «Wir haben einen sauberen Wahlkampf geführt.» Die SVP werde künftig Oppositionspolitik betreiben müssen und bei den Wahlen 2020 wieder antreten. «Wenn wir die richtige Kandidatin bringen, haben wir den Support von FDP und CVP ja auf sicher», wie Imfeld süffisant anfügt. Die Wahlbeteiligung betrug 40 Prozent.

Claudia Röösli bereits am 19. Mai gewählt

Nötig war der zweite Wahlgang, weil im ersten einzig Claudia Röösli (L20) das absolute Mehr erreicht hatte. Sie verteidigte am 19. Mai den Sitz des ebenfalls zurücktretenden Gemeinderats Oskar Mathis (L20) mit einem Glanzresultat. Imfeld hingegen verpasste das absolute Mehr um über 200 Stimmen. Schoch erzielte als politische Quereinsteigerin einen Achtungserfolg. Beide traten im zweiten Wahlgang nochmals an. Überraschend portierte die L20 in letzter Minute mit Jörg Stalder nochmals einen Kandidaten.

Der Horwer Gemeinderat setzt sich ab 1. Oktober wie folgt zusammen: Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP, bisher), Finanzvorsteher Hans-Ruedi Jung (CVP, bisher), Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP, bisher), Claudia Röösli (L20, neu) und Jörg Stalder (L20, neu).