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HORW: Ein Visionär der Hochschule tritt ab

Alexander Klapproth (60) ist der Gründer des i Home Lab. Sein Institut forscht an der Zukunft. Und brachte für Senioren einen Superrollator hervor. Nun geht Klapproth in Pension. Privat tüftelt er weiter – an seinem Wohnmobil.
Christian Hodel
Nach 23 Jahren Forschung ist Schluss. Alexander Klapproth vor dem Besucherzentrum des i Home Lab.Bild: Pius Amrein (Horw, 17. November 2016)

Nach 23 Jahren Forschung ist Schluss. Alexander Klapproth vor dem Besucherzentrum des i Home Lab.Bild: Pius Amrein (Horw, 17. November 2016)

Es war vor 16 Jahren, als Alexander Klapproth begann, Blut zu lecken. Damals arbeitete er schon sechs Jahre in Horw an der Hochschule für Technik und Architektur, die später zur Hochschule Luzern – Technik & Architektur umbenannt wurde. Die Zeichen standen auf Veränderung. Vorbei waren die Zeiten, als ein Professor seinen Studenten ausschliesslich Wissen zu vermitteln hatte. Neue und praktische Ideen waren gefragt.

Alexander Klapproth, heute 60 Jahre alt, nutzte die Gunst der Stunde, um aus dem «Elfenbeinturm auszubrechen», wie er sagt. Der studierte Elektroingenieur gründete auf dem Hochschulcampus die Schweizer Denkfabrik und das Forschungszentrum für Gebäudeintelligenz i Home Lab. Im Jahre 2000 erhielt dieses erstmals Fördergelder vom Bund. Damit war der Grundstein für ein schweizweit einzigartiges Projekt gelegt.

Die Wissenschaftler sind der Zeit voraus

Heute stehen den gut 25 Ingenieuren, Informatikern, Physikern und Mathematikern des Zentrums rund 3,7 Millionen Franken jährlich zur Verfügung. Getragen wird das Institut neben Geldern der Hochschule und des Bundes unter anderem von einem Partnernetzwerk aus rund 270 privaten Firmen. Denn was in Horw erforscht wird, hilft letztlich auch ihnen. So etwa einem schwedischen Unternehmen, das dank des Luzerner Know-how daran ist, einen Superrollator auf den Markt zu bringen. Die Wissenschaftler des i Home Lab haben einen Rollator entwickelt, der Senioren etwa beim Spazieren mittels GPS anzeigt, wo sich die nächste öffentliche Toilette befindet. Der eingebaute Computer schlägt nur Wege vor, die mit dem Rollator zu bewältigen sind. Gut 20 derartige Projekte laufen am i Home Lab derzeit parallel. Sie alle haben das Ziel, das Leben der Zukunft dank neuer Technologien komfortabler, sicherer und energieeffizienter zu machen. Im Besucherzentrum auf dem Hochschulgelände – ein markanter, futuristischer Bau – wird anschaulich gezeigt, wie dies einst aussehen könnte. Im Raum steht etwa ein Tumbler. Die Vision der Erbauer: Ist das Haus mit Sonnenkollektoren ausgestattet, können Informationen übers Wetter, die Sonneneinstrahlung und den Stromtarif gesammelt werden. Das Gerät wird automatisch gestartet, wenn es für den Besitzer am günstigsten ist und es das Stromnetz am wenigsten belastet. «Das ist die Zukunft einer smarten Energieversorgung mit erneuerbaren Energiequellen», sagt Klapproth.

Dennoch: Vieles, an dem in Horw getüftelt wird, bleibt eine Vision – zumindest vorerst. Zum Teil sei der Markt noch nicht reif für die massentaugliche Umsetzung der Ideen, sagt Klapproth. Teils fehlt es auch an einer kostengünstigen Produktion. Kurzum: Klapproth und seine Wissenschaftler sind der Zeit voraus. Einige ihrer Vorstellungen werden wohl aber für immer Zukunftsmusik bleiben. Klapproth: «Wie in einem Science-Fiction-Film haben wir manchmal Zukunftsvisionen, die zwar wünschenswert, aber vielleicht nicht in jedem Punkt realisierbar sein werden. Da sind wir ehrlich und erklären dies den Besuchern.»

An seiner fundamentalen Vision hält Klapproth aber fest: «Irgendwann werden nicht wir unsere Wohnungen bedienen, sondern die Gebäude bedienen uns.» Noch aber ist auch diese Vorstellung von einem virtuellen Butler eine unverwirklichte Idee. Eine, die Klapproth seit 23 Jahren vorschwebt – so lange lehrt und forscht er an der Hochschule Luzern. Nun, per Ende Februar 2017 geht er vorzeitig in Pension. Wer seine Nachfolge antritt, ist noch unklar. Fest steht: Es sind grosse Fussstapfen, die Klapproth hinterlässt. Er hat das Forschungszentrum nicht nur gegründet, sondern auch zur Blüte gebracht. «Bescheiden ausgedrückt, sind wir in unserem Forschungsfeld die Nummer eins in der Schweiz.» Verplant habe er seine Zukunft noch nicht. «Aber ich bin daran, ein neues Wohnmobil zu bauen.» Auf Reisen wolle er damit gehen. «Und dann werde ich sicherlich für einige Zeit offline sein.»

Christian Hodel

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