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HORW: Er ist von der Ameise angefressen

René Felder hat den Verein Luzerner Waldameisen-Schutz ins Leben gerufen. Dieser will die Insekten in der Bevölkerung besser bekannt machen – und sämtliche Ameisenhügel im Kanton erfassen.
René Felder (62) bei einem Ameisenhaufen am Schwendelberg. (Bild: Nadia Schärli (Horw, 29. Mai 2017))

René Felder (62) bei einem Ameisenhaufen am Schwendelberg. (Bild: Nadia Schärli (Horw, 29. Mai 2017))

Die fleissigen Ameisen faszinieren den Horwer René Felder (62) seit dessen Kindheit. Sein Vater stammt aus dem Napfgebiet: «Dort hatten wir kein Telefon. Wenn wir telefonieren mussten, dann gingen wir zum Nachbarn.» Auf dem Weg dahin sei er immer an einem Waldameisenhügel vorbeigekommen und habe den Tierchen interessiert zugeschaut. «Bis mich eine Ameise geklemmt hat, da bin ich jeweils davongerannt», erinnert er sich lachend. Doch seinem Interesse an den Tieren tat dies keinen Abbruch. Inzwischen ist er Präsident des in Horw gegründeten Vereins Luzerner Waldameisen-Schutz.

Seinen dritten Lebensabschnitt möchte der ehemalige Betriebsleiter nicht etwa in einer Tennishalle verbringen, sondern in der Natur. «Ich habe mir überlegt, was ich machen könnte, und habe angefangen, über die Waldameise zu recherchieren. Dabei fiel mir auf, dass zum Beispiel Jäger, Bauern oder Forstwarte etwas über die Waldameise wissen, aber das nirgends so richtig zusammengeführt ist», sagt Felder.

Ameisenhaufen kann man im Notfall auch zügeln

Mit dem Jäger Peter Faesi begann er, Leute anzusprechen. Eine Gruppe von 12 Interessierten kam zusammen. Nachdem diese nicht weiterkamen, beschlossen sie, dass eine Kerngruppe weiterarbeitet. «Wir führten mehr Gespräche, schalteten Werbung und haben unsere persönlichen Netzwerke informiert», sagt Felder. «Schlussendlich haben 44 Personen am 15. Mai den Verein gegründet, und jetzt stehen schon 74 auf meiner Mitgliederliste.»

Ein Ziel des Vereins ist unter anderem, eine Bestandesaufnahme der Waldameisenhügel im Kanton Luzern zu erstellen. Zudem will man das Wissen über die Ameise verbreitern und für sie sensibilisieren: «Die Waldameisen sind nicht als Art vom Aussterben bedroht, aber es gibt Gebiete, zum Beispiel, wenn eine Siedlung gebaut wird, wo sie verschwinden», sagt Felder. Die Waldameise gehöre zwar in den Kreislauf der Natur. Trotzdem könne es allenfalls Sinn machen, bei einem Bauprojekt einen Ameisenhügel zu zügeln oder zum Beispiel einen Wanderweg um ein paar Meter zu verlegen.

Doch teils würden Ameisenhügel aus noch unbekannten Gründen verschwinden. «Und das sollte uns kümmern», sagt Felder. Denn Waldameisen seien auch Nutztiere. «Sie lockern nicht nur den Waldboden auf oder verteilen die Samen der Pflanzen im Wald, sondern sie vertilgen auch etwa 30 Kilo Insekten im Jahr. Doch gleichzeitig isst ein Buntspecht locker 3000 Ameisen am Tag. Das gehört auch dazu.»

Waldameisen-Stand an der Luga?

«Schon letztes Jahr konnte ich zwei Exkursionen mit Viertklässlern durchführen oder etwa ­einen Vortrag im Natur-Museum halten», sagt Felder. Er könnte sich gut vorstellen, zum Beispiel einen Stand an der Luga zu haben, um der Bevölkerung die Waldameise näherzubringen. Doch erst möchte er mal herausfinden, welche Ameisenarten überhaupt im Kanton Luzern ansässig sind. Wer ihm dabei helfen will, kann sich über die Website anmelden.

Durch die Beobachtungen möchte der Verein in Zukunft auch Entwicklungen dokumentieren können. Diese Tätigkeit bereitet Felder besondere Freude – das Kennenlernen, Suchen und Erforschen der Tiere. Denn es gebe viele spannende Fakten rund um die Waldameise: «Die Königin wird beispielsweise 25 Jahre alt, die Arbeiter nur etwa fünf. Der Ameisenhaufen ist unterirdisch noch einmal so gross wie der Teil, den man oberirdisch sieht. Darin sind Kammern angelegt, Gänge, ein Belüftungssystem, das ist Hightech», schwärmt René Felder.

Weltweit gebe es über 12 000 Ameisenarten, davon kommen 141 in der Schweiz vor. Waldameisen machen davon acht Arten aus.

Ein Wächter in jeder Gemeinde

Im Oktober wird nun der erste sogenannte Wächterkurs durchgeführt. Ziel sei, Grundwissen über die Waldameisen zu vermitteln. «Unsere Vision wäre, in jeder Gemeinde des Kantons ­einen Wächter zu haben, der dann an etwa einem Tag im Monat Ameisenhaufen kartografiert», sagt Felder.

Er hat viel zu tun. «Ich habe eine lange Liste mit Projekten. Wir müssen abklären, wie wir die Ameisenhügel markieren und nummerieren wollen. Genügt es, die Hügel jährlich zu erfassen? Wie können wir Synergien mit anderen Organisationen nutzen? Wie messen wir die Hügel? Und so weiter.»

Natalie Ehrenzweig

region@luzernerzeitung.ch

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