Ihre neuen Horwer Appartements sind auch für «Beziehungsferien» beliebt

Nach einer langen Leidensgeschichte wegen behördlicher Auflagen wird am Wochenende das «Anstatthotel» mit 30 Studenten- und 107 Businesswohnungen eröffnet. Letztere sind nicht nur bei Geschäftsleuten gefragt.

Roman Hodel
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Noch herrscht Baustellenfeeling: Fitdich.ch-Geschäftsführer Fabian Baumgartner (links) und Anstatthotel-Eigentümer Joe Hegglin vor ihrem neusten Business- und Studentenwohnhaus an der Kantonsstrasse. (Bilder: hor, Horw 26. November 2019)

Noch herrscht Baustellenfeeling: Fitdich.ch-Geschäftsführer Fabian Baumgartner (links) und Anstatthotel-Eigentümer Joe Hegglin vor ihrem neusten Business- und Studentenwohnhaus an der Kantonsstrasse. (Bilder: hor, Horw 26. November 2019)

Zweckmässig, pflegeleicht, preisgünstig: So umschreibt der Zuger Architekt Joe Hegglin (65) die Appartements, die er mit seiner Firma Hegimmo AG unter dem Label Anstatthotel an fünf Standorten betreibt – darunter etwa bereits in Reussbühl unweit des Seetalplatzes und in Hochdorf. Drei Adjektive, die auch auf den neusten Betrieb in Horw  zutreffen, und die schon von aussen erkennbar sind. Der Gebäudekomplex auf dem Areal des ehemaligen Werkhofs erinnert optisch eher an ein nüchternes Gewerbehaus, wären da nicht die langgezogenen, umlaufenden Balkone.

Ein Eindruck, der sich im Innern fortsetzt. Lange, weiss-grau gestrichene Gänge erschliessen die 107 Businessappartements im vorderen Haus sowie die 30 Studentenappartements im hinteren Haus. Die Zimmer sind modern, aber einfach eingerichtet. Jedes verfügt unter anderem über eine kleine Küche, Dusche/WC, Bett(en), Balkon und TV. Für Farbtupfer sorgen eine farbig gestrichene Wand – beispielsweise in  Weinrot – und die Bettwäsche.

«Unsere Gäste wollen kein Chichi, sondern ein Dach über dem Kopf, eine Kochgelegenheit und das Internet muss laufen», sagt Hegglin. Doch nicht nur das: «Weil wir von der Planung über die Architektur bis zum Betrieb alles selber machen, können wir die Appartements günstiger anbieten als die Konkurrenz.»

Ein Ein-Bett-Businessappartement zum Beispiel kostet pro Nacht zwischen 54 und 99 Franken – je nach Grösse und Lage. Wer länger bucht, erhält Rabatt. Mehr als drei Monate am Stück sind allerdings nicht möglich, weil das Haus in der Gewerbe- und nicht in der Wohnzone steht. Einzig Studenten sind von dieser Regelung ausgenommen. Bei ihnen sind dank Querfinanzierung durch die Businessappartements auch die Preise deutlich tiefer: Zwischen 750 und 921 Franken pro Monat. Das ist zwar immer noch genug für ein Studentenbudget. Aber Hegglin sagt: «Andere ähnliche Angebote kosten ebenso viel und bei uns sind alle Nebenkosten wie Strom und Internet eingerechnet.» Allerdings räumt er ein, dass man ursprünglich von zirka 650 Franken ausging:

«Doch die Baukosten haben sich durch die lange Planungszeit verteuert – und das müssen wir nun auf die Mieten überwälzen.»

Die gesamten Investitionskosten betragen rund 26 Millionen Franken.

Tatsächlich hat das Anstatthotel eine lange Leidensgeschichte hinter sich: Sieben Jahre ist es her, als die Hegimmo AG von der Gemeinde Horw den Zuschlag erhielt, das Grundstück im Baurecht zu übernehmen. Der damalige Gemeinderat war laut Hegglin vom Projekt überzeugt, habe aber «im letzten Moment» via Vertrag einen Gestaltungsplan gefordert: «Da begannen die Probleme.» Aufgrund verschiedener Auflagen musste die Hegimmo AG das Projekt dreimal überarbeiten, es drohte gar zwischenzeitlich zu scheitern (wir berichteten). Im Herbst vor zwei Jahren erhielt Hegglin dann grünes Licht.

Im Laufe der Planung hat Hegimmo AG das Raumprogramm angepasst: Statt 80 sind 107 Businessappartements entstanden. Dafür wurde die Gewerbefläche verkleinert. Einen Teil davon hat seine Firma gleich selber übernommen und ein eigenes Fitnesscenter namens Fitdich.ch einquartiert. Es ist 24 Stunden täglich offen, funktioniert ohne Personal und das Jahresabo ist mit 365 Franken als Eröffnungsangebot tief. Zum Vergleich: Basefit – ebenfalls ein Günstiganbieter – verkauft Jahresabos ab 399.50 Franken. Im Visier hat man laut Fabian Baumgartner (26), Geschäftsführer des Fitdich.ch und Zeichner in Hegglins Unternehmen, nicht zuletzt Studenten aus dem nahen Campus Horw. Der Zutritt ist videoüberwacht. «Sollte jemand beim Eintreten mit dem Chip auch noch gleich seine Kollegen reinlassen, würden wir das sehen», sagt er.

Ob weitere Fitdich-Studios folgen, ist gemäss Hegglin noch offen. Sicher ist hingegen: Die Planung fürs nächste Anstatthotel läuft bereits – in Goldau. «Viele, die für ein paar Wochen oder Monate auswärts arbeiten, sind hotelmüde und schätzen solche Appartements», sagt er. «Zumal wir halb so teuer sind wie ein Hotel.» In Horw verzeichne man bereits erste Buchungen, drei Viertel der 30 Studentenappartements seien besetzt. Zu den regelmässigen Gästen gehörten Ärzte, Dozenten, Handwerker, Touristen oder solche, die «Beziehungsferien» machen, wie Hegglin es ausdrückt – und meint jene, die eine Auszeit von ihrem Partner oder ihrer Partnerin benötigen. Woher er das weiss? «Wer lange bleibt, wird gesprächig», sagt Hegglin und betont: 

«Nur das horizontale Gewerbe ist bei uns nicht erwünscht – sonst hätten wir schnell einen schlechten Ruf.»

Hinweis: Tage der offenen Tür am Freitag von 17 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr. «Anstatthotel» und Fitdich.ch, Kantonsstrasse 154, Horw.

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