HORW: Flanierzone für die Halbinsel

Die Seestrasse ist bei Velofahrern und Spaziergängern sehr beliebt. Nun soll die Strasse verschönert werden. Die Gemeinde hofft aber, dass dies nicht noch mehr Leute anzieht.

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So könnten die Winkel- und Seestrasse nach der Umgestaltung aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So könnten die Winkel- und Seestrasse nach der Umgestaltung aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

An schönen Wochenenden gleichen sie einem Spielplatz für Jung und Alt: die Winkel- und die Seestrasse in Horw. Da treffen Spaziergänger, Jogger, Biker und Anwohner aufeinander. Gemäss Schätzungen der Gemeinde Horw sind an solchen Tagen bis zu 1000 Erholungssuchende auf den beiden Strassen unterwegs. Hinzu kommen rund 500 Fahrzeuge von Anwohnern oder Bauern, welche die Strassen trotz Fahrverbot nutzen dürfen. Das führt zu Konflikten, weiss die Horwer Bauvorsteherin Manuela Bernasconi (CVP): «Wenn viele Leute unterwegs sind, kann es vorkommen, dass den Anwohnern der Platz für die Durchfahrt nicht gewährt wird. Dann kam es auch schon zu verbalen Streiten.»

Schon der fünfte Anlauf

Schon seit 30 Jahren ist die Umgestaltung der Seestrasse in Horw ein Thema. Ein erster Anlauf wurde mit dem Seeuferrichtplan im Jahr 1987 unternommen. 1993 wurde der Uferweg Rüteli bis zum Kleinen Hafen geplant. 2002 und 2011 wurde die Umgestaltung Rüteli in Angriff genommen. Doch diese Versuche sind alle gescheitert. Nun unternimmt die Gemeinde Horw einen fünften Anlauf. Denn die Winkelstrasse, die nach dem Hotel Sternen zur Seestrasse wird, muss ohnehin saniert werden, und mit ihr die darunter liegenden Leitungen. Dies will der Gemeinderat nutzen, um die Strassen attraktiver und sicherer zu machen. Nun hat er ein Betriebs- und Gestaltungskonzept erarbeitet. «Es handelt sich um eine Konsenslösung, die sehr breit abgestützt ist», sagt Manuela Bernasconi mit Verweis auf das Mitwirkungsverfahren mit zahlreichen Interessenvertretern.

Durchgehend Tempo 30

Ziel ist es, ein besseres Nebeneinander von Erholungssuchenden und Anwohnern zu erreichen. Unübersichtliche Passagen sollen übersichtlicher gestaltet werden. Zudem soll die gegenseitige Rücksichtnahme mit Information gefördert werden. Auf der Höhe des Hotels Sternen und des Hotels Kastanienbaum sollen die «Eingangsportale» zur «Welt Seestrasse» erstellt werden, wie es das Konzept formuliert. Diese sollen erkennbar machen, dass es sich um einen Strassenabschnitt mit besonderen Regeln handelt. Also, dass sich Autofahrer und Erholungssuchende die Strasse teilen, auf der künftig durchgehend Tempo 30 gelten soll.

Wo die Strasse breit genug ist (mehr als 6 Meter), wird die Fahrbahn unterteilt in eine schnellere Zone für Autofahrer und eine langsamere für Fussgänger, Velofahrer oder Inlineskater. In Abschnitten, die landschaftlich geprägt sind, erfolgt die Unterteilung durch Baumreihen, in den Siedlungsgebieten durch Strassenlampen. «Diese klare Trennung hilft, Konflikte künftig eher zu vermeiden», sagt Bernasconi.

«Grünräume» stehen im Zentrum

Bei der Gestaltung will der Gemeinderat auf den speziellen Verlauf der Strasse Rücksicht nehmen. Siedlungsräume wechseln sich immer wieder mit Grünräumen ab, wo der öffentliche Zugang zum See gewährleistet ist (siehe Grafik). «Diese Grünräume, wie Fenster mit Landschafts- und Seebezug, wurden ins Konzept aufgenommen und sollen speziell hervorgehoben werden», sagt Bernasconi.

Obwohl die Winkel- und die Seestrasse durch die Umgestaltung attraktiver werden, soll der Nutzungsdruck nicht steigen. «Das war ein wichtiges Anliegen im Begleitgremium und hat zu Diskussionen geführt», sagt Bernasconi. Da das Nutzungsangebot nicht ausgebaut werde, glaube sie nicht, dass die Strasse zu einem grösseren Anziehungspunkt werde.

Schon Ende März wird die Umgestaltung der Winkel- und der Seestrasse Thema im Horwer Einwohnerrat. Das Parlament entscheidet dann über einen Sonderkredit von 205 000 Franken für die Erarbeitung eines Vorprojekts. Ein Jahr später soll er über das definitive Projekt entscheiden können. Geplant ist, dass das Baugesuch für die Winkel- und die Seestrasse als Ganzes eingereicht wird. Die Umgestaltung soll jedoch in Etappen realisiert werden. Der zeitliche Horizont bis zur Fertigstellung des letzten Abschnitts ist offen. Bernasconi schätzt die Baukosten gemäss heutigem Stand auf etwa 7 Millionen Franken. Darin nicht inbegriffen sind Kosten für die Siedlungsentwässerung.

Christian Glaus