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HORW: Gartenhäuschen droht Abriss

Villenbesitzer auf der Halbinsel haben gleich reihenweise Baugesuche für teils 40-jährige Gebäude eingereicht. Dies könnte in Zusammenhang mit den Drohnenflügen der Gemeinde stehen.
Raphael Gutzwiller
Neue Blicke aus der Luft. Ein Mann lässt auf der Luzerner Allmend seine Drohne steigen. (Symbolbild Pius Amrein / Neue LZ)

Neue Blicke aus der Luft. Ein Mann lässt auf der Luzerner Allmend seine Drohne steigen. (Symbolbild Pius Amrein / Neue LZ)

Raphael Gutzwiller

Moderne Drohnen gegen Bausünder: Mit dieser Idee wollte der Horwer Gemeinderat illegale Bauten auffliegen lassen. Ziel war es, durch hochauflösende Luftaufnahmen den Zustand der Grundstücke am Seeufer festzuhalten, um künftig Veränderungen feststellen zu können. Nachdem unsere Zeitung am 11. Februar den Fall öffentlich gemacht hatte, sorgte er schweizweit für Schlagzeilen. Denn auch der Datenschützer äusserte bezüglich der Drohnenflüge Bedenken.

Elf Baugesuche

Der Drohnenstreit erhält jetzt eine neue Dimension: Ein Blick ins aktuelle Luzerner Kantonsblatt verblüfft nämlich. Nicht weniger als elf nachträglich eingereichte Baugesuche liegen vom 2. bis zum 21. August bei der Gemeinde Horw auf – alle betreffen das Gebiet Kastanienbaum. Dabei handelt es sich gemäss Beschreibung um Pergolas, Gartenhäuschen oder Geräteschuppen.

Wurden die Drohnenbilder also bereits wirksam und so Villenbesitzer für illegale Bautätigkeiten überführt? Von der Gemeinde konnte zu dieser Frage wegen Ferienabwesenheiten niemand kontaktiert werden.

Drohungen während Drohnenflügen

Jannes Schoch, Rechtsanwalt und beim Verein Pro Seestrasse zuständig für die Kommunikation, sagt: «Nein, die Anwohner sind von der Gemeinde bereits während der Drohnenflüge aufgefordert worden, entweder die Bauten abzureissen oder ein Baugesuch einzureichen.» Deshalb seien diese Gesuche weniger die Folge der Drohnenflüge als der Auslöser. «Wahrscheinlich hat die Gemeinde festgestellt, dass einige Bauten nicht bewilligt waren. Deshalb ist man wohl auf die Idee der Drohnenflüge gekommen», so Jannes Schoch. «Ich vermute schon, dass es einen direkten Zusammenhang gibt.» Bei den Bauten handle es sich teilweise um 30 bis 40 Jahre alte Gartenhäuschen oder kleine Grillstellen am See. «Es sind meist kleine Badeplätze, die jetzt plötzlich zum Problem werden», sagt Schoch. «Mit dem Vorgehen der Gemeinde wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen.»

Ist Bewilligung realistisch?

Die Gemeinde kann jetzt über die Zukunft der Bauten befinden. Rechtsanwalt Schoch räumt den Anwohnern nur schlechte Chancen ein. «Ich gehe davon aus, dass die Bauten direkt am See nicht bewilligt werden und dementsprechend abgerissen werden müssten», so Schoch. «Das wäre zwar hart, aber durchaus realistisch. Ob es sich überhaupt um bewilligungspflichtige ‹Bauten› handelt und ob nicht Bestandesgarantien bestehen, wurde offenbar nicht geprüft, dies ist bedauerlich.» Es wäre das nächste Kapitel im Streit zwischen den Bewohnern im Gebiet Kastanienbaum und dem Horwer Gemeinderat. Die Idee der Drohnenaufnahmen von insgesamt 180 Grundstücken am See kam bei Ersteren nämlich schlecht an.

Beschwerde wurde eingereicht

Anwohner, vertreten durch den Verein Pro Seestrasse, kämpften gegen das Vorhaben. Jannes Schoch sagte damals in unserer Zeitung: «Viele haben Angst um ihre Privatsphäre.» Der Gemeinderat führte die Flüge dennoch weiter durch, was ihm auch im Horwer Einwohnerrat Kritik entgegenbrachte. So wurden mehrere kritische Vorstösse zum Thema eingereicht (wir berichteten).

Der kantonale Datenschützer, Reto Fanger, schaltete sich daraufhin in den Fall ein und legte beim Regierungsrat Beschwerde ein. Erhält er Recht, muss die Gemeinde Horw ihre Aufnahmen wieder löschen. Dann hätte die Gemeinde 10 000 Franken in den Sand gesetzt. So viel zahlte sie einer externen Firma für die Luftaufnahmen.

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