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HORW: Gewerbe wird aus dem Dorf gedrängt

Mit der neuen Ortsplanung entstand mehr Platz für Wohnungen und Büros – auf Kosten des Gewerbes. Weil die Gemeinde scharf auf mehr Steuereinnahmen ist?
Christian Glaus
In Horw soll es preisgünstige Wohnungen geben. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

In Horw soll es preisgünstige Wohnungen geben. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

«Horw entwickelt sich zu einer Ruhe-Oase mit relativ luxuriösen Wohnungen.» Diese Entwicklung beobachtet Christoph Muri, Geschäftsführer der Textilreinigungsfirma Muri AG, mit Sorge. Und er weiss, wovon er redet: Der in Horw wohnhafte Unternehmer musste den Hauptsitz seiner Firma von Horw nach Kriens zügeln. Das war im Jahr 2006. Grund: Die Firma konnte ihren Standort an der Krienserstrasse in Horw nicht mehr ausbauen, weil zusätzlicher Verkehr generiert worden wäre. Das wollte die Gemeinde nicht. Muri musste also einen neuen Standort suchen und fand diesen an der Dattenmatt­strasse 21 in Kriens. 20 Arbeitsplätze wurden gezügelt. Heute sind es 30 Arbeitsplätze in Kriens. «Wer Lärm macht, hat in Horw keinen Platz mehr», sagt Christoph Muri.

Problem: Ortsplanungsrevision

Das Problem sei mit der Ortsplanungsrevision geschaffen worden, die 2006 startete und 2011 abgeschlossen wurde. Gewerbeflächen, etwa rund um den Bahnhof Horw, wurden in die Wohn- und Arbeitszone eingeteilt. Wird dort gebaut, müssen die Betriebe das Feld räumen. Und zahlbaren Gewerberaum finde man heute in Horw nicht mehr, so Muri weiter. Sein Fazit: «Das Kleingewerbe wurde bei der Ortsplanungsrevision nicht berücksichtigt.» Inzwischen sei er sogar schon von einem Horwer Gemeinderat angefragt worden, ob er in seiner Gewerbehalle in Kriens Platz habe für Horwer Firmen.

Christoph Muri ist mit seiner Sorge um das Horwer Gewerbe nicht allein. Auch der Gewerbeverein ist alarmiert, wie dessen Präsident Roland Eicher, Inhaber der Eicher Druck AG, auf Anfrage sagt. «Wir wissen, dass es in Horw nur noch wenige grössere Gewerbeflächen gibt.» Im Rahmen der Ortsplanungsrevision hatte sich der Gewerbeverein dafür stark gemacht, dass gemischte Zonen für Wohnen und Gewerbe ausgeschieden werden. Doch dieser Wunsch sei nicht aufgenommen worden. Eicher vermutet, dass dabei finanzielle Überlegungen eine Rolle spielten: «Natürliche Personen liefern mehr Steuern ab als Firmen. Zudem ist es für die Investoren lukrativer, Wohnungen zu bauen.»

«Guter Mix fehlt»

Die Eicher Druck AG gibt es seit 30 Jahren an der Grisigenstrasse 6 in Horw. Da sie sich in einer Wohn- und Gewerbezone befindet, muss sie mit Einschränkungen arbeiten. Nach 22 Uhr darf nicht mehr gedruckt werden. Somit ist nur ein Zweischichtenbetrieb möglich. «Ein Ausbau am heutigen Standort kommt nicht mehr in Frage», sagt Roland Eicher. Er kennt weitere Horwer Gewerbler, welche die Gemeinde verlassen mussten, weil sie nicht mehr ausbauen konnten. «Horw hat nur noch wenige Landreserven und will diese vor allem mit Wohnungen überbauen. Dafür habe ich kein Verständnis. Es fehlt ein guter Mix», sagt Eicher. Der Gewerbeverein sucht nun das Gespräch mit dem Gemeinderat, um gemeinsam Lösungen zu suchen.

Bei der Gemeinde ist man sich bewusst, dass das Gewerbe zunehmend verdrängt wird. Das sei jedoch kein ­Horwer Phänomen, sagt Finanzvorsteher Hans-Ruedi Jung (CVP), der für das Gewerbe zuständig ist. «Das Gewerbe muss aufgrund der aktuellen Zonenfestlegungen immer weiter an den Rand der Agglomeration Luzern ausweichen.» Jung betont jedoch, dass nicht alle Betriebe gleichermassen betroffen sind. Schwierig sei es vor allem für Unternehmen, die Emissionen verursachen. Das können beispielsweise Autogaragen, Metallbauer oder Schreiner sein. «Für das stille Gewerbe wird es weiterhin genügend Platz geben, auch innerhalb des Zentrumsprojekts Horw Mitte», so Jung. Zudem sind gerade in Horw Mitte Flächen für Büros und Dienstleistungsbetriebe reserviert. Die Zahl der Arbeitsplätze in Horw soll insgesamt zunehmen; ändern wird sich nur die Art der Arbeitsplätze.

Gemeinderat besorgt

Trotzdem zeigt auch Jung sich besorgt. «Gesamtwirtschaftlich gesehen, ist das keine gute Entwicklung.» Bei Bauprojekten müssten die Handwerker zunehmend aus anderen Gemeinden nach Horw kommen. Dies generiert mehr Verkehr. Zudem fliesst Geld ab. Wenn der Handwerker aus einer anderen Gemeinde oder gar von ausserhalb des Kantons kommt, versteuert er seinen Gewinn auch dort.

Weshalb gesteht die Gemeinde dem Gewerbe nicht mehr Platz zu, wenn sie selbst besorgt ist über die Entwicklung? Diese Frage kann Jung nicht direkt beantworten. Zum Zeitpunkt der Ortsplanungsrevision war er noch nicht Gemeinderat. «Offenbar war diese Entwicklung so gewollt. Oder man hat sie zumindest in Kauf genommen», sagt Hans-Ruedi Jung. Den Vorwurf, Horw wolle aus finanziellen Überlegungen lieber mehr Wohnungen als Gewerberäume, lässt er allerdings nicht gelten. «So pauschal stimmt das sicher nicht. Bei der Ortsplanung wurde auch für das Gewerbe geschaut. Es ist aber eine Tatsache, dass Investoren lieber Wohnungen bauen und immer mehr Leute im Zentrum wohnen wollen.» Die Verdichtung führe dazu, dass Platz für Firmen mit Emissionen verloren gehe.

Nun gehe es darum, dafür zu sorgen, dass die bestehenden Gewerbeflächen erhalten werden, so Jung weiter. Entwicklungsmöglichkeiten gebe es zudem im Gebiet südliche Ebenau und Dörfli. Also dort, wo sich bereits heute eine Gewerbezone befindet. Dies wird im Rahmen des Vertiefungsgebiets Ennethorw des Entwicklungskonzepts Luzern Süd genauer angeschaut.

Christian Glaus

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