HORW: Heftiger Widerstand gegen Baupläne

Anwohner und Umweltverbände wehren sich gegen den Bebauungsplan im Winkel. Falls nötig, wollen sie eine Volksabstimmung erwirken.

Dominik Weingartner
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In der Nähe des Horwer Steinibachrieds (Bildmitte) am Ufer des Vierwaldstättersees sollen neue Wohnhäuser entstehen. Rechts ist das Seehotel Sternen, das ebenfalls zum Projekt gehört, mit Bootsanlegestelle zu sehen. (Bild Dominik Wunderli)

In der Nähe des Horwer Steinibachrieds (Bildmitte) am Ufer des Vierwaldstättersees sollen neue Wohnhäuser entstehen. Rechts ist das Seehotel Sternen, das ebenfalls zum Projekt gehört, mit Bootsanlegestelle zu sehen. (Bild Dominik Wunderli)

Dominik Weingartner

Seit die Gemeinde Horw im Frühling 2014 den Bebauungsplan für den Winkel vorgestellt hat, stehen die Zeichen auf Sturm. Anwohner und verschiedene Organisationen wie Pro Halbinsel Horw, Pro Natura, WWF, Quartierverein Winkel, Genossenschaft Pro Zollhaus und Landschaftsschutz Vierwaldstättersee haben gegen die Pläne des Gemeinderats eine Petition eingereicht (wir berichteten). Sie fürchten eine starke Beeinträchtigung des historischen Kerns des Gebiets Winkel und eine Gefährdung des Naturschutzgebiets Steinibachried. Anwohner monieren zudem, dass das Naherholungsgebiet entscheidend abgewertet und die freie Sicht auf das Steinibachried zerschnitten werde.

Nur «marginale Änderungen»

Nachdem die Petition und die vielen Stellungnahmen im Mitwirkungsverfahren erfolglos waren, haben die Gegner des Bebauungsplans Ende Mai Einsprache erhoben. Die Einspracheverhandlungen haben aber nicht die gewünschten Verbesserungen gebracht, schreiben die Gegner in einer Medienmitteilung. «Der Gemeinderat hat nur marginale Änderungen am Bebauungsplan präsentiert.» Die Sprecherin der Gegner, Susanne Wicki Manser, präzisiert auf Anfrage, dass neu der Satz «der historische Charakter der Kernzone Winkel ist zu schützen» in den Bebauungsplan aufgenommen wurde. Wicki betont, dass die Einsprecher nicht einfach gegen eine Überbauung im Winkel seien. «Die Pläne des Gemeinderats sind aber ganz klar überdimensioniert und nehmen keinerlei Rücksicht auf diesen sensiblen Ort», sagt sie.

Weil keine Einigung mit dem Gemeinderat erzielt werden konnte, wollen die Einsprecher an ihren Einsprachen festhalten. Sie fordern, dass die Ausnutzung im Neubaubereich südlich der Winkelstrasse «drastisch» reduziert wird. «Bis 2011 galt eine Ausnutzung von 0,45. Im ersten Entwurf des Bebauungsplans war eine Ausnutzungsziffer von maximal 0,55 vorgesehen», sagt Wicki. Jetzt sei von einer Ausnutzungsziffer von mindestens 0,80 die Rede. «Wir wollen, dass die Ausnutzung wieder auf den Stand von 2012 reduziert wird», sagt Wicki.

Weiter fordern die Einsprecher, dass für Spaziergänger der Blick auf das Steinibachried gewährt bleibt und dass eine Gefährdung des geschützten Rieds durch die Bauten ausgeschlossen wird.

Wohnungen im Seehotel Sternen?

Der Bebauungsplan umfasst auch das direkt am Vierwaldstättersee gelegene Seehotel Sternen. Die Einsprecher monieren, dass die «Bestimmungen des Bebauungsplans beim Seehotel Sternen nur noch einen Teil des Erdgeschosses als publikumsorientierte Nutzung festlegen». Damit könnten der Rest des Erdgeschosses und die Obergeschosse des Hotels aufgegeben und für Wohnungen oder Appartments umgenutzt werden, schreiben die Einsprecher. Auch dagegen wehren sie sich: Das Seehotel Sternen sei «zum Grossteil für Restauration und Beherbergung zu erhalten», fordern sie. Susanne Wicki räumt zwar ein, dass keine konkreten Pläne für die Aufgabe des Hotelbetriebs im «Sternen» bekannt seien. Doch die Einsprecher befürchten, dass durch den Bebauungsplan der Weg für eine Umnutzung geebnet werde. «Wohnungen sind nun mal rentabler als Restaurants oder Hotels.» Für die Horwer Bevölkerung seien solche öffentlich zugänglichen Orte aber wichtig, ist Wicki überzeugt.

Gemeinderat behandelt Plan erneut

Die zuständige Gemeinderätin Manuela Bernasconi (CVP) sagt auf Anfrage: «Die Einspracheverhandlungen wurden vor den Sommerferien abgeschlossen. Diese Woche behandelt der Gemeinderat den überarbeiteten Bebauungsplan.» Bevor der Gemeinderat Stellung zu der überarbeiteten Vorlage genommen habe, könne sie keine Auskunft erteilen. «Werden grössere Änderungen gegenüber der öffentlichen Auflage vorgenommen, müssten diese betroffenen Dritten angezeigt werden und das Einspracheverfahren für diese wiederholt werden.» Der Zeitplan sieht laut Bernasconi vor, dass bis Ende Jahr die Vorlage an den Horwer Einwohnerrat fertiggestellt ist und dann beraten werden kann. «Wir versuchen unser Bestes, diesen Zeitplan einzuhalten.» Der Einwohnerrat entscheidet auch über die Einsprachen.

Sollte der Einwohnerrat den Bebauungsplan in seiner jetzigen Form gutheissen, werden die Einsprecher das Referendum ergreifen. «Das haben wir bereits beschlossen», so Wicki. Auch der Gerichtsweg steht offen. Es sei aber zu früh um zu sagen, ob dieser tatsächlich eingeschlagen werden müsse. Wicki: «Zunächst setzen wir auf den Einwohnerrat.»