HORW: Im Sommer kommt das Aus für den «kleinen Kindergarten»

Die Gemeinde Horw führt im Sommer den zwei-jährigen Kindergarten definitiv ein. Dazu muss der beliebte 3-Tages-Kindergarten aufgehoben werden – zum Bedauern einiger Eltern.

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Alle Horwer Kindergärtner müssen künftig fünf Tage pro Woche in den Kindergarten. (Bild: Keystone)

Alle Horwer Kindergärtner müssen künftig fünf Tage pro Woche in den Kindergarten. (Bild: Keystone)

Per Sommer 2016 müssen alle Luzerner Gemeinden den zweijährigen Kindergarten anbieten. Der Besuch des ersten Jahres, in dem die Kinder zwischen vier und knapp fünf Jahre alt sind, ist freiwillig. Das zweite Jahr ist Pflicht. In Horw wird der zweijährige Kindergarten für drei Viertel des betreffenden Jahrgangs schon diesen Sommer definitiv eingeführt – also ein Jahr vor Ablauf der vom Kanton gesetzten Frist.

Dafür muss Horw aber ein beliebtes Angebot aufgeben. Schon bisher wurden hier nämlich zwei Kindergartenjahre angeboten. Im ersten Jahr gingen die Kinder allerdings nur an drei Vormittagen pro Woche in den Kindergarten. Man nannte dies den «kleinen Kindergarten».

Kantonale Vorgaben

Dieses Angebot gebe es ab diesem Sommer nicht mehr – wegen der kantonalen Vorgaben, sagt Gemeindepräsident Markus Hool: «Das Volksschulbildungsgesetz schreibt dies so vor.» Das bestätigt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern: «Durch die Wochenstundentafel und die Blockzeitenregelung ist vorgegeben, dass alle Lernenden an den Vormittagen den Kindergarten besuchen müssen. Dies gilt für alle Gemeinden mit dem Zweijahreskindergarten schon seit Jahren.» Das heisst: Von Montag bis Freitag müssen alle Kindergärtler von 8 bis 11.30 Uhr im Kindergarten sein.

Angebot «extrem geschätzt»

Dass Horw nun den «kleinen Kindergarten» aufgeben muss, kommt bei einigen Eltern nicht gut an. «Die Eltern schätzten den ‹kleinen Kindergarten› extrem», sagt Franziska Steiner, Teamleiterin des Vereins «Wir junge Eltern». «Weil die Kinder nur an drei Halbtagen in den Kindergarten gingen, wurde ein sanfter Einstieg ermöglicht», sagt Steiner, die selbst Mutter von zwei Kindern im Primarschulalter ist.

Künftig müssen die Kinder auch im ersten freiwilligen Jahr an fünf Vormittagen in den Kindergarten gehen. Die Eltern befürchten, dass dies für ihre Schützlinge sehr streng werden könnte.

Bei der Gemeinde Horw ist man erstaunt über die Kritik an der Aufhebung des «kleinen Kindergartens». Gemeindepräsident Hool erklärt: «Rückfragen bei dem Gemeinderat, der Schulpflege, dem Rektorat und bei den Schulleitungen zeigten keine Hinweise auf negative Elternreaktionen.» Laut dem kantonalen Volksschuldienstleiter Charles Vincent wurden die Blockzeiten vor zehn Jahren vor allem auf Wunsch der Eltern eingeführt: «Für sie wird der Tag planbarer, vor allem wenn sie mehrere Kinder haben.»

Für Lehrer eine Herausforderung

Für die Lehrpersonen sei die Einführung der Blockzeiten damals hingegen eine Herausforderung gewesen, sagt Vincent, insbesondere wenn sie mit sehr kleinen Kindern zu tun hätten: «Man muss anders unterrichten und auch Spiel- und Ruhephasen einplanen.» Heute seien die Blockzeiten aber bei den meisten Lehrpersonen akzeptiert und geschätzt. In der Gemeinde Horw geht man davon aus, dass die Kinder auch mit den zusätzlichen zwei Vormittagen im ersten Kindergartenjahr klarkommen. «In anderen Kantonen und Luzerner Gemeinden ist der Zweijahreskindergarten schon lange eingeführt – und es scheint zu funktionieren», sagt Gemeindepräsident Hool.

Zudem können die Eltern künftig wählen, ob ihr Kind das gesamte erste Kindergartenjahr besuchen soll oder ob es erst sechs Monate später, im Februar, eintritt. Oder sie verzichten ganz auf das erste freiwillige Kindergartenjahr. Bisher konnten noch nicht alle Horwer Kinder, die gemäss kantonalen Vorgaben den freiwilligen Kindergarten besuchen dürfen, auch tatsächlich daran teilnehmen. Die Gemeinde Horw hatte nämlich eine eigene Alterslimite. So dürfen im laufenden Schuljahr alle Kinder, die zwischen dem 1. November 2009 und dem 30. April 2010 geboren sind, das freiwillige erste Kindergartenjahr besuchen. 78 Prozent von ihnen nutzen diese Chance auch. Nächstes Schuljahr werden alle Kinder mit Geburtsdatum 1. November 2010 bis 31. Juli 2011, also drei Viertel des Jahrgangs, die Gelegenheit dazu erhalten. Gemäss Markus Hool werden laut derzeitigem Anmeldungsstand etwa 55 Prozent von ihnen dies auch tun.

«Mittelfristig erwarten wir 80 bis 90 Prozent der zugelassenen Kinder im ersten Kindergartenjahr», sagt Markus Hool. «Die Schule hat ein grosses Interesse daran, dass möglichst viele Kinder die zwei Kindergartenjahre durchlaufen. Damit sind die Kinder besser auf den Eintritt in die Primarschule vorbereitet, was Vorteile für die Kinder, die Klasse und die Lehrpersonen hat.»

Christian Glaus