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HORW: Jeden Freitag kämpfen Mutter und Tochter gemeinsam

Zuerst hoffte Eva Schneider, dass ihre Tochter Amelie das Interesse an Karate schnell wieder verliert. Nun haben beide die Schwarzgurtprüfung abgelegt – und auch den Rest der Familie mit dem Kampfsport-Virus angesteckt.
Roger.rueegger@luzernerzeitung.ch
Amelie (11) und Eva Schneider (45) demonstrieren den «Shukokai»-Stil in ihrem Garten in Kastanienbaum. (Bild: Boris Bürgisser (Horw, 27. Juni 2017))

Amelie (11) und Eva Schneider (45) demonstrieren den «Shukokai»-Stil in ihrem Garten in Kastanienbaum. (Bild: Boris Bürgisser (Horw, 27. Juni 2017))

Das breite Lachen will nicht aus den Gesichtern von Eva und Amelie Schneider weichen. Verständlich. Die 45-jährige Eva und ihre 11-jährige Tochter haben am Wochenende vom 24./25. Juni die Schwarzgurtprüfung (1. Dan) bestanden. Sie demonstrieren uns in ihrem Garten in Horw einige Schlagtechniken ihres Karatestils «Shukokai».

Auf dieses Ziel hin haben die beiden sechs Jahre hart gearbeitet. «Wir trainieren jede Woche mindestens dreimal im Dojo in Luzern. Zusätzlich besuchten wir mehrere Trainingsweekends und weitere Kurse, um uns weiterzuentwickeln», beschreibt Eva den Aufwand, der nötig war, um ihre Stufe zu erreichen. Neun Prüfungen haben sie bisher abgelegt.

«Dank Karate habe ich 365 Tage Ruhe im Kopf»

«Wir haben uns so lange angestrengt. Nun tragen wir Verantwortung und sind, vor allem für kleinere Kollegen, Vorbilder», sagt Amelie. Von der zwei Tage dauernden Dan-Prüfung hat sich die Tochter leichter erholt als ihre Mutter. So war sie am Montag wieder topfit. «Amelie ist fast nicht vom Training abzuhalten, auch nach den Strapazen vom Wochenende nicht. Für mich war es hingegen härter», betont Eva, die Mitglied des Nationalkaders ist und mehrere nationale und internationale Wettkämpfe bestritten hat.

Aber auch sie muss nicht für das Training motiviert werden. «Ich fühle mich nach dem Sport auf der Matte immer besser als vorher. Seit ich Karate trainiere, habe ich 365 Tage Ruhe im Kopf», beschreibt sie ihre Befindlichkeit. Um vom Alltag abzuschalten, kenne sie nichts Vergleichbares. Sie sei zwar immer mit beiden Beinen auf dem Boden gestanden, nun fühle sie sich aber deutlich entspannter, meint die Psychologin, die mit Ehemann Patrick selbstständig als Unternehmensberaterin tätig ist.

Eigentlich sollte es Jazztanz sein

Die berufliche Situation ermöglicht es der Familie, intensiv zu trainieren. Auch Vater Patrick (49, Braungurt) und Sohn Nick (8, Blaugurt) sind begeisterte Karatekas. Der Einstieg in die japanische Kampfsportart erfolgte aber durch Amelie.

Sie entdeckte im Mai 2011 an der Zentralschweizer Frühlingsmesse Luga einen Stand der Luzerner Karateschule «Kimura Shukokai Karate International». «Da waren zwei Mädchen, die zwar nicht kräftig aussahen. Aber die schlugen so schnell und hart in Schlagkissen. Das imponierte mir so sehr, dass ich unbedingt auch Karate machen wollte», sagt die Schülerin der 5. Klasse in Kastanienbaum. Mutter Eva, die seit Jahren Sport in Form von Tanzen ausgeübt hatte, war zuerst nicht angetan von der Idee ihrer Tochter. Zumal Amelie damals noch Jazztanz-Unterricht besuchte. «Mit Kampfsport hatte ich noch nie Kontakt, und ich hätte diesen nie gesucht. Aber Amelie beharrte darauf, Karate auszuprobieren. So machten wir mit ihr den Deal, dass sie bis im Juli Jazztanz weiterführt und dann ins Karate darf.»

Die Mutter glaubte, dass ihre damals fünfjährige Tochter in dieser Zeit das Interesse an Karate wieder verlieren würde. Aber Amelie blieb hartnäckig, sodass die Familie an einem «Tag der offenen Tür» die Karateschule besuchte. «Der Spirit dieser Schule gefiel uns. Wir waren überrascht und fanden den Sport auf Anhieb super. Zudem hat uns die Shukokai-Stilrichtung, welche sich mit der Biomechanik befasst, neugierig gemacht», sagt Eva.

So kam es, dass durch Amelies Input die ganze Familie mit Kampfsport begann und Karate nun fester Bestandteil ihres Lebens ist. «Wir haben mit den Leuten im Luzerner Dojo und anderen Karateschulen in der Schweiz eine zweite Familie gefunden. Und mit Sensei Pascal sowie Co-Leiterin Antonella haben wir fantastische Lehrer und Menschen kennen lernen dürfen», erzählt Eva Schneider. Besonders freuen sich Mutter und Tochter jeweils auf Freitag. «Freitag ist Fight Night. Dann ist Kampftraining angesagt.»

Schwarzer Gurt ist erst der Anfang

Sensei Pascal Egger ist der Leiter der Karateschule, bei der die Frauen das Karate von Grund auf gelernt haben. Er ist Träger des 5. Dan und wurde 2016 in Berlin Weltmeister in der Kategorie Men Light Heavy-Weight. Den Erfolg seiner Schülerinnen beurteilt er wie folgt: «Das war eine bemerkenswerte Leistung. Sie mussten für ihren Lohn beissen und hart dranbleiben. Amelie trainierte drei- bis viermal wöchentlich im Dojo, und Eva hat mit den zusätzlichen Kadertrainings die Voraussetzungen für ein positives Abschneiden geschaffen. Sie wurden in kurzer Zeit so gut, weil für sie das Karate ein Ritual wurde.»

Das Besondere an Amelies Schwarzgurt ist, dass sie die erste der Schweiz ist, die als Fünfjährige ins Bonsai-Karate – eine Karateform für 4- und 5-jährige Kinder – eingestiegen ist, und den Weg bis zum Schwarzgurt durchmarschierte. Sie selber sagt sichtlich stolz: «Ich glaubte, dass der Schwarzgurt mein Ziel sei. Nun weiss ich, dass dies erst der Anfang ist.»

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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