HORW: Kritik an zu strengen VBL-Kontrolleuren

Nach einer Billett­kontrolle in einem VBL-Bus wurden Primarschüler gebüsst. Die Folge: dicke Tränen.

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Eine Ticketkontrolle der Verkehrsbetriebe Luzern AG (Symbolbild). (Bild: Manuela Jans)

Eine Ticketkontrolle der Verkehrsbetriebe Luzern AG (Symbolbild). (Bild: Manuela Jans)

Gegenüber Schwarzfahrern kennen Verkehrsbetriebe kein Pardon: Wer kein gültiges Billett dabei hat, wird gebüsst. Auch wer sein Abo vergessen hat, erhält eine Busse (die bei nachträglichem Vorweisen eines gültigen Abos aber rückerstattet wird). Diese Lektion mussten vor einer Woche vier Primarschüler auf dem Nachhauseweg vom Schulhaus Mattli in Kastanienbaum/Horw lernen.

Bus-Abo in Schule liegen gelassen

«Mein Sohn liess an diesem Tag seine Schultheke samt Passepartout in der Schule liegen, da er keine Hausaufgaben mehr zu erledigen hatte», erzählt Stefanie Niederer aus St. Niklausen. Prompt führten die VBL auf der Buslinie 21 eine routinemässige Ausstiegskontrolle an der Haltestelle Mättiwil durch. Die Kontrolleure erwischten Niederers Sohn und drei weitere (vermeintliche) Schwarzfahrer. Sie bekamen eine Busse und mussten ihre Adresse angeben.

Diese Massnahme war für die Schüler offenbar zu viel: «Mein Sohn kam tränenüberströmt nach Hause», so Niederer. Die tränenreiche Reaktion der Schüler ist bei den VBL nachvollziehbar: «Eine Kontrolle ist besonders für Kinder sicherlich nicht lustig», sagt Mediensprecher Christian Bertschi. «Bei dieser Kontrolle haben die Schüler allerdings noch mit unserem Kontrollpersonal gescherzt», fügt er an. «Die Angabe der Personalien kann bei Schülern auch ein schlechtes Gewissen hervorrufen.»

Die Personalienaufnahme entspricht der Vorschrift. Die Kontrolleure gingen also korrekt vor. Auch Schulkinder werden von der Billettkontrolle nicht verschont. «Es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob Kinder oder Erwachsene kontrolliert werden die Konsequenzen sind für alle gleich, wenn sie kein gültiges Billett vorweisen können», sagt Bertschi. Können die Gebüssten an einem VBL-Schalter nachträglich ein gültiges Abo vorweisen, erhalten sie das Bussgeld zurück. Sie zahlen dann nur eine Umtriebsentschädigung von 5 Franken.

«Mich ärgert die Art und Weise»

Stefanie Niederer akzeptiert, dass die Kontrolle und die getroffenen Massnahmen berechtigt waren. «Es geht mir aber auch nicht um die Busse an sich», sagt sie. «Mich ärgert die Art und Weise, wie die Kontrolleure gegenüber den Kindern vorgingen. Denn schliesslich wissen in Kastanienbaum alle, dass die Primarschüler hier ein Passepartout-Abo haben.» Dieses erhalten Kindergärtler und 1.- bis 6.-Klässler gratis von der Gemeinde Horw, da der lange Schulweg zu Fuss nicht zumutbar ist.

Die Kontrolleure hätten also etwas mehr Feingefühl zeigen sollen, sagt Niederer: «Eine tüchtige Ermahnung hätte bereits gereicht.» Seitens der VBL kann Christian Bertschi diese Kritik nicht nachvollziehen: «Den Kontrolleuren kann kein Fehlverhalten vorgeworfen werden.»

Auch bei den Zugerland Verkehrsbetrieben ist klar, dass bei einer Kon­trolle alle Fahrgäste ihr Billett vorweisen müssen. Bei einer Gruppe Schulkinder könne in der Regel aber «davon ausgegangen werden, dass sie ein gültiges Billett haben», sagt Carmen Meyer, Mediensprecherin der ZVB. Die Zuger Kontrolleure würden «die Situation selber einschätzen und je nachdem reagieren je nach dem Alter der Kinder gehen Kontrolleure vorsichtiger vor», so ­Meyer. «Je jünger die Kinder sind, desto eher drückt man mal ein Auge zu, wenn das Abo vergessen ging.» In gewissen Situa­tionen reiche es, die Kinder zu ermahnen – in der Hoffnung, so gleichzeitig auch an die Eltern zu appellieren.

Niels Jost